Wer versorgt die Steiermark?

Die Corona-Krise hat die Sicht auf viele Berufe verändert. Sparten, die sonst weniger Aufmerksamkeit genießen, erfahren auf einmal Dankbarkeit und Wertschätzung. Zusätzlich zum medizinischen Personal und den Verkäufern in den Supermärkten sollte diese vor allem auch den heimischen Lebensmittelproduzenten gelten.

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Foto: nerudol/istock

Neben den Verkäufern im Supermarkt sind es nämlich vor allem auch die regionalen Bauern, die dafür sorgen, dass die Steirer mit Lebensmitteln versorgt werden. Und auch sie müssen sich zu Zeiten von Corona einigen großen Herausforderungen stellen. Die harte Arbeit am Hof muss weitergeführt werden, denn die Möglichkeit aus Angst vor einer Ansteckung im Haus zu bleiben, ist hier nicht gegeben. Damit die Bevölkerung weiterhin mit Milch, Eiern, frischem Obst und Gemüse versorgt wird, arbeiten die regionalen Bauern, darunter auch viele kleine Familienbetriebe, unermüdlich weiter.  

Mit der Schließung der Gasthäuser, Hotels und Buschenschänken fallen jedoch für viele heimische Produzenten die Abnehmer weg. Zwar dürfen Bauernmärkte, Hofläden und Direktvermarkter offen bleiben, dadurch wird dieses Minus jedoch bei vielen nicht kompensiert. Großen Betrieben mangelt es außerdem an Erntehelfern, da diese zumeist aus dem Ausland stammen und momentan nicht nach Österreich einreisen dürfen. Wir haben mit zwei steirischen Bäuerinnen gesprochen und sie gefragt, wie sie mit der derzeitigen Situation umgehen und welchen Problemen sie sich zu stellen haben.

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Foto: Familie Buchgraber
Anna Buchgraber, eine Gemüsebäuerin aus Edelsbach bei Feldbach in der Südoststeiermark, bemerkt starke Veränderungen in ihrem Arbeitsalltag. „Wie merken schon, dass der Ab-Hof-Verkauf und die Bestellungen von Privatkunden steigen. Die Kunden sind dabei sehr vorsichtig, versuchen möglichst wenig anzufassen und vermeiden den direkten Kontakt.“ Den Verkaufsstand im Ort möchte die Familie ab nächster Woche auch zusätzlich wieder betreiben. Beim Verkauf am Hof wird außerdem noch mehr als sonst auf Hygiene geachtet. Türgriffe und andere Oberflächen werden ständig desinfiziert. Auch für sie ist der Verkauf ihrer Produkte an Thermen und Gasthäuser sehr wichtig. Was jetzt mit beispielsweise mit dem Salat passiert, der normalerweise in die Gastronomie verkauft wird, wissen sie selbst noch nicht. „Wir sind natürlich auch unsicher und wissen nicht, wie das Ganze weitergeht.“ Auf die Frage, ob sie sich und ihre Arbeit in diesen Zeiten mehr wertgeschätzt fühlt, antwortet Anna: „Wir haben schon einige neue Kunden, die vorher noch nie bei uns waren. Wir bekommen auch mehr Trinkgeld, was darauf schließen lässt, dass die Leute schon auch sehr dankbar sind.“

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Foto: Familie Buchgraber

 

Für die Familie Stangl vulgo Grabenbauer aus dem obersteirischen Landl macht sich die Krise im Arbeitsalltag selbst nicht bemerkbar. Die Milchlieferungen erfolgen wie gewohnt, jedoch spürt auch Bäuerin Brigitte in ihrem Nebenzweig, der Joghurt- und Käseproduktion, Einbußen. „Natürlich fehlen einige der Abnehmer, vor allem die Gasthäuser. Glücklicherweise ist momentan sowieso Zwischensaison, wir hätten also eh nicht so einen großen Absatz wie in der Sommerzeit. Die Stammkunden kaufen nach wie vor bei mir ein.“ Besonders froh sind die Kunden, wenn sie die Produkte direkt liefert. Die Gesellschaft zeige sich schon dankbarer und merke langsam auch, wie wichtig die Arbeit der Landwirte sei, findet Brigitte. Generell blickt sie optimistisch in die Zukunft: „Das sind jetzt einige harte Monate, die wir alle durchstehen müssen, danach geht es hoffenltich wieder bergauf.“

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Foto: Brigitte Stangl

 

 

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Foto: Brigitte Stangl

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