Schöne Bescherung! Nervige Verwandte zu Weihnachten

Sie sind wie die Geister aus Charles Dickens "Eine Weihnachtsgeschichte", die uns Jahr für Jahr heimsuchen: die Verwandten, vor denen es zu den Festtagen kein Entrinnen gibt. Wir haben einen – nicht ganz ernst gemeinten – Ratgeber.

Meditation Weihnachten Frau Ruhe - Cover
Wenn Weihnachten zur Geduldsprobe wird, heißt es tief durchatmen ... Foto: Poike/iStock/Thinkstock

1. Die neugierige Tante

Ihr Lieblingsspruch: "Gut schaust aus!" Ihr Opfer: vor allem kinderlose Frauen und (Langzeit-) Singles. Ihre Devise: nachfragen, nachhaken und ja nicht lockerlassen – schon gar nicht dann, wenn sie Wangenfleisch zwischen ihrem Daumen und Zeigefinger erwischt hat. Ob Essverhalten (wir alle wissen, wie ihr Lieblingsspruch gemeint ist), Familienstand ("Und? Wann ist’s bei euch so weit?") oder Single-Dasein ("Du, mein neuer Hausarzt hat einen Sohn in deinem Alter ...") – nichts bleibt von ihr unkommentiert. Da kann einem schon mal der Appetit vergehen.

Überlebenstaktik: Mit Humor und nie ganz ernst nehmen. Kneift die Tante in den Bauch und fragt mit verschwörerischem Zwinkern: "Na, Mädchen oder Junge?", antworten Sie cool mit: "Nö, Raclette!"

2. Der ewiggestrige Opa

Nach dem ersten Punsch ist die Welt noch in Ordnung. Nach dem zweiten erinnert er sich gerne und oft an die "gute, alte Zeit". Und spätestens nach dem dritten - bei besonders trinkfesten Opas - oder vierten Punsch wird politisiert, was das Zeug hält. Er glaubt zwar nicht mehr ans Christkind, dafür ans iPhone für Flüchtlinge. Eigentlich ist er ja eh ein ganz Lieber – zumindest, wenn er nichts getrunken hat. Gleichzeitig ist er aber auch der Grund, warum Sie nie Freunde zum Weihnachtsfest einladen.

Überlebenstaktik: Die restlichen Verwandten zum Bullshit-Bingo einladen! Und so geht’s: Vor dem Fest notiert jeder für sich fünf typische Opa-Sprüche (von A wie "Als ich noch jung war" bis Z wie "Zu meiner Zeit hat es das ja noch nicht gegeben"). Wer als Erster alle von seiner Liste streichen kann, gewinnt.

3. Die vegane Nichte

Das herrlich funkelnde Lametta? Voll mit giftigen Schwermetallen! Heuer kommt Lachs auf den Tisch? Aber doch hoffentlich aus nachhaltigem Fischfang, zumindest aber aus dem Fanggebiet Nordostpazifik FAO 67. Obwohl – sie isst den Fisch ja nicht; für sie darf's nur ein veganes Gericht sein. Bitte regional und wenn möglich saisonal. Und, wenn es keine Umstände macht, glutenfrei. Das Problem mit der Nichte: Sie treibt nicht nur den Gastgeber in den Wahnsinn, sondern gibt jedem ringsum das Gefühl, höchstens eine Stufe über Kriegs­verbrechern zu stehen.

Überlebenstaktik: Wenn sie wieder versucht, beim Smalltalk zwischen Küche und Christbaum den Nahostkonflikt zu lösen, einfach unterbrechen und erklären, dass man ihr als Zeichen gegen den Kapitalismus heuer kein Geschenk besorgt hat. Stattdessen haben Sie eine Spende in ihrem Namen aufgegeben – sie wird begeistert sein!

4. Die nörgelnde Schwiegermama

Sie weiß alles und vor allem auch besser. Mit der Schwiegermama ist tatsächlich nicht gut Weihnachtsbraten essen – schon gar nicht, wenn wir selbst am Herd standen. Denn eines können wir garantieren: dass ihr Braten saftiger, schmackhafter und besser zubereitet wäre. Und sie uns das natürlich bei jeder Gelegenheit wissen lässt.

Überlebenstaktik: Diese kleinen, quadratischen Anzünder haben fast die gleiche Größe wie Bonbons und lassen sich toll in Seidenpapier einwickeln und über Kerzen an den Baum hängen. Was Sie mit dieser Information anfangen, ist ganz Ihre Sache. Wir sagen nicht, dass ein Wohnungsbrand eine gute Exit-Strategie für Notfälle ist, um Reißaus nehmen zu können. Aber Unfälle passieren nun mal und drastische Umstände erfordern drastische Maßnahmen.

5. Und nun wir selbst

Wir hetzen schon zuvor wochenlang durch die Stadt, um alle Geschenke zu besorgen, machen uns Tage vor dem Fest irre, weil alles perfekt sein muss, verpacken die Geschenke des Liebsten an seine Familienmitglieder (als wäre das unsere Aufgabe?!) – sodass wir so übermüdet am Weihnachtsabend auftauchen, dass man meinen könnte, unsere Augenringe stehen für die Lebensjahre. "Sind denn alle irre geworden?", fragen wir uns dann, wenn wir fix und fertig im Wohnzimmer neben dem Christbaum sitzen.

Überlebenstaktik: Bevor Sie nun Ihren Opa anpfauchen, dass wir nicht mehr in den 30ern leben, das Geschenk der Tante (natürlich ein Pyjama in Größe 44) ihr um die Ohren pfeffern und der veganen Nichte erklären, dass sie am Baum naschen kann, wenn sie hungrig ist, raten wir zur Selbstreflexion. Vielleicht sind ja Sie das Familienmitglied, an das Ihre Verwandten beim Lesen dieses Artikels denken? Na, schon mal daran gedacht?