Matura – und jetzt?

Mit der Matura in der Tasche öffnen sich zahlreiche Türen. Doch welche ist die richtige? Und was tun, wenn man keinen Studienplatz bekommen hat? Keine Sorge, sagen Experten. Der Weg zum Erfolg führt nicht zwangsläufig über die Uni.

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Von Praktikum bis Gap Year: Maturanten stehen viele Wege zur beruflichen Orientierung offen Foto: StockRocket/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Die reguläre Uni-Zulassungsfrist ist am 5. September abgelaufen. Ausnahmen gibt es nur in speziellen Fällen, etwa wenn man eine Nachprüfung bei der Matura hat. Es empfiehlt sich deswegen, sich bereits vor Schulabschluss aktiv um einen weiteren Ausbildungsweg zu bemühen. Auch wenn es 85 Prozent der Maturanten früher oder später an die Uni zieht, ist ein Studium nicht für jeden die beste Option. Interesse, Lernfreude und Engagement spielen eine entscheidende Rolle. "Wer keine Freude daran hat, sich hinzusetzen und zu lernen, wird bei einem Studium nicht glücklich werden", sagt Manfred Datzinger, Experte für Berufsinformation beim AMS Österreich. "Auch engagierte FacharbeiterInnen mit Freude an ihrem Beruf sind gesucht."

Sprung ins Arbeitsleben

Natürlich steht der direkte Einstieg ins Berufsleben offen. Ohne Zusatzqualifikation ist er aber schwieriger, die Stellen begrenzt. Maturanten fehlen in der Regel Erfahrung und praxisnahes Know-how. "BHS- MaturantInnen haben es etwas leichter, da sie in ihrer schulischen Ausbildung facheinschlägiges Berufswissen erworben haben", sagt Datzinger. "Aber auch für AHS-MaturantInnen gibt es Möglichkeiten: Viele Institutionen im öffentlichen Dienst, Gebietskörperschaften, Interessenvertretungen, Sozialversicherungen und dergleichen bilden ihre MitarbeiterInnen intern selber aus." Eine zusätzliche Lehre oder Ausbildung (etwa an einem Kolleg) erhöht die Qualifikation und Chancen am Arbeitsmarkt.

Orientierungshilfe

Die virtuelle Berufsberatung maturawasnun.at bietet einen guten Überblick über mögliche Ausbildungen. Und auch analog findet man Orientierungshilfe. "Beratungseinrichtungen wie die BerufsInfoZentren des AMS, die Studienberatung der Österreichischen HochschülerInnenschaft oder die Psychologische Studierendenberatung des BMBWF bieten wertvolle Unterstützungsarbeit", sagt Datzinger.

Theorie und Praxis

Praktika vermitteln erste Erfahrungen. Schnellentschlossene können sich bis 8. September für eines von 15 Stipendien bei der ­Talent Garden Innovation School bewerben. Angeboten werden dreimonatige Ausbildungen in Kombination mit einem sechsmonatigen Praktikum bei einem Partnerunternehmen wie A1, Raiffeisen oder TourRadar. "Damit ist der Wissenstransfer in die Praxis und der direkte Berufseinstieg gesichert", sagt Dr. Stefan Bauer, Leiter der Innovation School in Wien. Wer keine Förderung ergattert, muss etwas tiefer in die Tasche greifen: Bis zu 5.000 Euro kosten die englischsprachigen Ausbildungen in den Bereichen Coding, Digital Marketing und UX Design.

Mut zur Lücke

Die Zeit nach der Matura lässt sich auch gut zur persönlichen Bildung und Orientierung nutzen. Neben Praktika und Gelegenheitsjobs wird die Selbstfindung im Ausland immer beliebter – nicht zuletzt aufgrund sinkender Reisepreise und digitaler Vernetzung. Ein "Gap Year" muss dabei keineswegs eine Lücke im Lebenslauf darstellen. Vorausgesetzt, die Auszeit wird sinnvoll genützt. Sprachinteressierte schnuppern als Au-pair internationale Luft oder vertiefen in Kursen ihre Kenntnisse. Ein Academic Gap Year bietet die Möglichkeit, Einführungsmodule aus unterschiedlichsten Studienrichtungen zu belegen und internationale Erfahrung zu erwerben. Wer sich eher in einer karitativen Tätigkeit sieht, ist bei sozialen Auslandprogrammen gut aufgehoben. Mit ihnen reist man nach Afrika, Südamerika oder Asien, wo man an Schulen arbeitet oder Entwicklungsarbeit leistet. Auch in Österreich ist ein Freiwilliges Soziales Jahr möglich. Hier kann man in ein soziales Berufsjahr hineinschnuppern oder einfach Gutes für die Gesellschaft tun, während man sich die nächsten Schritte überlegt …

Wege abseits der Uni

  • Gap Year: Reisen bildet! Wer genug Mut (und Bares) hat, kann die Zeit nach der Matura nützen, um die Welt zu erkunden.
  • Travel and Work: Wem es am Finanziellen fehlt, der kann Reisen mit Arbeits- oder Au-pair-Aufenthalten verbinden. travelworks.at bietet eine gute Übersicht an Möglichkeiten.
  • Entwicklungsarbeit: Sozialprojekte im Ausland suchen immer wieder Unterstützung, so etwa auch Jugend eine Welt (jugendeinewelt.at)
  • Freiwilliges Soziales Jahr: Sozialarbeit lässt sich auch in Österreich leisten. Während man Gutes tut, kann man in den Beruf schnuppern. Weitere Informationen gibt es unter www.fsj.at
  • Praktikum: Wer sich noch nicht sicher ist, was er tun will, aber eine vage Idee hat, der kann im Praktikum in seinen Traumjob hineinschnuppern.
  • Lehre: Nicht jeder ist für ein Studium gemacht. Lehren und duale Ausbildungen können auch während des Jahres begonnen werden.

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