Gute nacht Nacht und schlaf gut: Abenteuer Traum

Jeder Mensch hat sie, auch wenn sich viele nicht daran erinnern: Träume. Auf diese Weise kommuniziert unser Unterbewusstsein mit uns, denn jede Nacht träumen wir rund zwei Stunden lang. Wie können wir diese spezielle Sprache verstehen?

Frau Traum Schlaf
Studien zeigen: Während wir schlafen, geschieht Unglaubliches Foto: DeanDrobot/iStock/Thinkstock

Aus dem Nichts finde ich mich in einem dunklen, muffigen Kellergewölbe wieder. Spinnweben hängen von der Decke, streichen durch mein Haar. Hastig stolpere ich durch die Gänge, zwischen den Füßen springen quiekende Ratten umher. Auf der Sache nach einem Ausgang bin ich in dem düsteren Labyrinth verloren. Plötzlich Schritte. Sie kommen näher. Eine Hand packt von hinten kräftig zu, wirbelt meinen Körper umher. Aus dem Augenwinkel erkenne ich ein Fleischmesser auf mich niedersausen. Ein dumpfer Schrei. In diesem Moment wache ich schweißgebadet und mit klopfendem Herzen auf. Nur ein Albtraum. Gott sei Dank!

Unterbewusste Info

Minuten nach dem Aufwachen habe ich die Szenen des Traums noch deutlich vor den Augen: Genau das ist es auch, was unser Organismus will, meint der deutsche Traumexperte Klausbernd Vollmar: "Das Ziel eines Albtraums ist es, den Körper aus dem Schlaf zu reißen. Wenn wir mitten im Traum aufgeweckt werden, können wir uns nämlich sehr gut an das Geträumte erinnern." Dadurch stellt der Körper sicher, dass der Albtraum wahrgenommen und nicht beim Aufwachen sofort wieder vergessen wird. Doch mit welchem Zweck? "Das Unterbewusstsein will uns mitteilen, dass wir uns in irgendeiner Form selbst Schaden zufügen. Hören wir mit diesem schädlichen Verhalten nicht auf, weist uns der Körper mit Albträumen darauf hin. Wenn wir diese Hinweise missachten, kommt es oft zu psychosomatischen Beschwerden", so Vollmar. Das heißt, wenn mich meine Gedanken in der Nacht durch Horrorszenarien jagen, meinen sie es eigentlich nur gut mit mir und wollen mich vor weiteren Schäden schützen. 

Versteckte Warnung 

"Albträume beruhen nicht auf Neurosen oder grundlosen Ängsten, sondern sind Meldungen über verdrängte, vergessene Fakten, die bis in die Zeit zurückgehen können, in der wir noch ein Fötus waren", meint Willy Peter Müller, Traumpsychologe und Buchautor aus Köln. Er meint: "Die Sprache des Unbewussten ist die Bildersprache. Erst wenn wir diese Sprache entschlüsselt haben, haben wir die Möglichkeit, dass Albträume verschwinden." 

Mitteilung des Ich

Nicht nur Albträume sind Versuche unseres Unterbewusstseins, mit unserem Wach-Ich zu kommunizieren. Laut Traumforschung dienen alle Träume dazu, dem Träumenden subtil etwas mitzuteilen. "Wenn wir schlafen, wird unsere linke, logisch denkende Gehirnhälfte sozusagen herunter und die rechte hochgefahren. In der rechten Gehirnhälfte ist das Tagesgeschehen abgespeichert und wird mit Dingen aus der Vergangenheit verknüpft. Dadurch entsteht eine Geschichte, die Aufschluss über unsere persönliche Wahrnehmung gibt", erklärt Klausbernd Vollmer. Klingt einfach, ist es aber nicht: Viele Traumforscher sind der Meinung, dass Traumsymbole nur verschlüsselt an die Oberfläche dringen. Es gilt also die Traumsprache zu erlernen, bevor Träume verstanden werden können. 

Beginn der Forschung 

Bereits Aristoteles (4. Jh. v. Chr.) setzte sich mit Träumen und ihrer Bedeutung auseinander. Er sah darin eine Warnung des Körpers, um auf Krankheiten hinzuweisen. Einer der Ersten, der sich intensiv mit der Traumforschung auseinandersetzte, war Psychoanalytiker Sigmund Freud. Er verstand unter dem Unterbewusstsein eine Kombination aus nicht gelebten Wünschen, nicht eingestandenen Konflikten und biografischen Daten. Laut Freud verdrängt im Wachzustand das Bewusstsein diese Probleme, Wünsche und Konflikte - im Traun gelangen sie durch das Unterbewusstsein an die Oberfläche. Auch Erinnerungen, die im wachen Zustand nicht abrufbar sind, können laut Freud im Traum problemlos rekonstruiert werden. Häufig tauchen gerade jene Situationen, Personen oder Dinge auf, die tagsüber wenig oder keine Beachtung finden. Sigmund Freud schreibt dazu: "Es fällt auf, dass Eindrücke, welche das wache Denken intensiv beschäftigen, erst dann im Traum auftrete, wenn sie von der Tagesgedankenarbeit einigermaßen zur Seite gedrängt worden sind. So träumt man in der Regel nicht von einem lieben Toten, solange die Trauer den Überlebenden ganz ausfüllt." Sobald der Verstorbene jedoch in den Träumen erscheint, ist es gelungen, mit dem Verlust fertig zu werden - behaupten zumindest diverse Traumdeutungsbücher. 

Geburtserlebnis 

Trotz dieser Hürden gibt es quasi "allgemeingültige Traumsymbole", mithilfe derer man Träume zumindest ansatzweise verstehen lernen kann: "Die Symbolsprache ist kollektiv", erklärt Traumpsychologie Will Peter Müller. "Allerdings ist die Bedeutung eines Symbols sehr vielschichtig. Das Symbol des Hundes kann beispielsweise sowohl Mann als auch Sex, Treue oder Aggression bedeuten." Vor allem die Symbolik der Geburt zeige sich in den Träumen vieler Menschen: Wer in der Nacht Hochhäusern, Brücken, Toren oder Fahrstühlen begegne, träume in Wirklichkeit vom Geburtserlebnis, mein Willy Peter Müller: "Das Geburtserlebnis ist unser erstes Muster, mit unserer Welt umzugehen. Und das wiederholt sich vielfach in Träumen", so der Traumpsychologe. 

Die richtige Deutung 

"Um einen Traum tiefgehend und richtig zu deuten, genügt aber kein einfaches Traumlexikon. Man muss die gesamte Lebensgeschichte und die Assoziationen dieser Person kennen", weiß Traumforscherin Brigitte Holzinger. Das zweite Problem, das sich beim laienhaften Erforschen der Traumsprache ergibt, ist die Tatsache, dass aus Speicherplatzgründen im Cortex Gegensätze am gleichen Ort gespeichert werden. Wer also von Aggressionen träumt, kann ein übertrieben aggressiver Mensch sein - oder jemand, bei dem Aggressivität wenig ausgeprägt ist. Wer also wissen möchte, was sein Traum bedeutet, fragt einen Psychologen oder Therapeuten.