Vom Rennfahrer zum Unternehmenslenker

Nach 18 Monaten Komplettumbau feiert der VW-Marken-Standort am 5. und 6. Oktober offizielle Neueröffnung. Der Geschäftsführer steht dazu, Herausforderungen unkonventionell anzupacken und einer zu sein, der immer in Bewegung sein muss. „Ich kann nicht ruhig sein.“ Sehr persönliche Ansichten von Jörg Peham.

Jörg Peham
„Beim Autokauf geht es um Emotionen. Die Kundenzufriedenheit ist das Maß der Dinge.“ Jörg Peham, Geschäftsführer Porsche Dornbirn Foto: Udo Mittelberger

Weekend: Geht mit der Eröffnung ein Lebenstraum in Erfüllung?
Jörg Peham:
Stolz ist das bessere Wort. Es ist das modernste Autohaus im ganzen Land geworden. Vor allem Stolz auf meine Mitarbeiter: Während des Umbaus mussten die einen bei minus 15 Grad im Freien schrauben, andere im Zelt verkaufen. Alle, egal welche Abteilung, haben unter widrigsten Umständen eine Wahnsinnsleistung geschafft!

Weekend: Sie sind schon lange in der Branche. Was hat sich verändert?
Jörg Peham:
Sie wird immer noch schneller. Das Kundenservice, die Kundenzufriedenheit, bleibt das Maß der Dinge. Mit dem Elektrothema und der Vernetzung passiert der nächste große Umbruch. Das Auto sagt dir: jetzt musst du zum Service und wir wissen es im gleichen Moment. Unvorstellbar, was sich da im Moment tut. 

Weekend: Als nächste Stufe kommt das autonome Fahren. Freuen Sie sich darauf?
Jörg Peham:
Ehrlich? Für mich eine Katastrophe! Ich fahre auch heute nicht mit Tempomat. Ich will selbst entscheiden, was ich tu. Aber es ist der Lauf der Zeit.

Weekend: Worauf kommt es in Ihrem Geschäft demnach heute an?
Jörg Peham:
Immer noch auf Emotionen. Wir präsentieren dem Kunden im Schauraum Emotionen und sorgen dafür, dass die Übergabe für ihn zum Erlebnis wird, mit einem Glas Prosecco … Der Kunde soll sich bei uns wohl fühlen.

Weekend: Und das Auto selbst. Komfort?
Jörg Peham:
Unbedingt. Die Eleganz, die ganze Ausstattung, dass ein Auto einfach alles drin hat oder es ermöglicht. Nehmen Sie einen Polo: Der hat heute einen Riesenbildschirm, du steckst das Telefon an und hast ein Navi im Auto. 

Weekend: Ist Autokauf nach wie vor Männersache? Wer hat das Sagen?
Jörg Peham:
Beide – und nicht nur bei der Farbe. Die Frauen sind sehr maßgeblich, auch als eigene Kundengruppe. Der Anteil an Frauen, die das Auto für sich kaufen, hat sich die letzten Jahre auf 30 Prozent gesteigert.

Weekend: Als Sie als Geschäftsführer angefangen haben, waren es 40 Mitarbeiter. Heute sind es 67. Wie führen Sie Mitarbeiter?
Jörg Peham:
Wir hätten noch Potenzial für mehr Techniker. Aber zur Frage: Ich bin komplett unkonventionell. Mein Leitspruch ist: Wir sind ein Konzernbetrieb, aber geführt wie ein Familienbetrieb. Ich bin bis zum Lehrling per du und meine Tür steht immer offen.

Weekend: Muss man als Geschäftsführer eines Autohauses Technik-Freak sein?
Jörg Peham:
Ich habe keine Ahnung von Technik. Dafür gibt es unsere Spezialisten. Schon als Rennfahrer sagte ich den Mechanikern, das und das ist mit dem Auto – aber warum, das wusste ich nicht. Das interessierte mich auch nicht.

Jörg Peham
Foto: Udo Mittelberger

Zur Person: JÖRG PEHAM

  • 1965 in Bludenz geboren; zwei erwachsene Kinder
  • nach Kellnerlehre und Jahren „auf dem Schiff“ als Autoverkäufer begonnen. Später Großhandelsvertretung für Bosch Haushaltsgeräte übernommen
  • 1999 Geschäftsführer Denzel Bank Leasing in Vorarlberg, seit 2006 Geschäftsführer von Porsche Dornbirn
  • Hobbys: Golf; früher Autorennfahrer, 2002 und 2003 Österreichischer Meister im Porsche Cup
  • Lebensmotto: „Viel erleben, Vollgas!“