Vom Lesen und Staunen

Auf in eine wunderbare Welt der Worte! Lesen von Anfang an fördert die persönliche Entwicklung und stärkt die soziale Kompetenz. Das Land Steiermark hat eine Offensive für bis 10-Jährige und ihre Familien ins Leben gerufen, die richtig Lust auf Lesen macht.

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Foto: Helmut Lunghammer

Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen: Rund 17 % aller österreichischen Jugendlichen haben Probleme beim Lesen einfacher Sätze. Bei komplexeren Sätzen sind es sogar 28 %, die vor größeren Herausforderungen stehen. Ursula Lackner, Landesrätin für Bildung und Gesellschaft, weiß um die Konsequenzen von mangelnder Lesekompetenz und betont die Bedeutung der Lesefähigkeit: „Wer nicht richtig lesen kann, kann auch nicht richtig schreiben und rechnen. Schwierigkeiten im Alltag, in der Berufswelt, bei der Weiterbildung sind die Folge.“

Die Bücherhelden sind los. Umso wichtiger ist es, dass Kinder bereits in jungen Jahren zum Lesen motiviert werden. Auf Initiative von Landesrätin Lackner wurde daher vor vier Jahren eine Leseoffensive ins Leben gerufen, die unter dem Motto „Bücherheldinnen. Bücherhelden. Lesen mehr als Worte“ bei Kindern bis 10 Jahren und deren Erwachsenen ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung des Themas (Vor-)Lesen & Lesefrühförderung schaffen soll. Rund um die Bücherhelden Pirat Harald Holzbein, Hexe Conny Clax & Co., die jeweils für einzelne Genres in der Kinderliteratur stehen, wurde ein buntes Maßnahmenbündel geschnürt. Zu diesem zählt etwa der große steirische Vorlesetag, der im Mai dieses Jahres die Steiermark bereits zum dritten Mal in eine große Vorlesebühne verwandelt hat: 120, wohlgemerkt ehrenamtlich organisierte, Veranstaltungen an über 100 auch leseuntypischen Orten – vom Flughafen bis zur Straßenbahn, vom Einkaufszentrum bis zum Tierpark – haben 5.000 Kinder und Erwachsene in ihren Bann gezogen! Ein weiterer bücherheldenhafter Fixpunkt im Jahreskalender sind die steirischen Lies-was-Wochen zwischen dem Welttag des Buches (23. April) und dem Internationalen Tag der Familie (15. Mai). Diesen Zeitraum nutzen zahlreiche öffentliche Bibliotheken im Land, um im Zuge toller Aktionen wie Geschichtenfrühstück oder Lesewanderung ihr umfassendes Angebot vorzustellen. „Mit gut angenommenen Angeboten wie diesen nehmen wir Kleine und Große mit in die wunderbare Welt der Worte und zeigen gleichzeitig, dass Lesen nicht nur schlau, sondern auch Spaß macht – und das überall“, freut sich Lackner über den großen Zulauf.   

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Foto: Choreograph/iStock/Getty Images

Welt der Worte. Im Vorfeld zu Lies-was-Wochen und Vorlesetag 2020 gibt es, wie auch schon in den letzten beiden Jahren, erneut die Möglichkeit für interessierte Kinder, die wunderbare Welt der Bücherhelden selbst zu gestalten: Der „BücherheldInnen-Geschichtenwettbewerb“ lädt Volksschulkinder der 2. bis 4. Klassen ein, ihren bücherheldenhaften Lieblingen eigene Geschichten zu schreiben. Der Wettbewerb wird in den nächsten Wochen ausgeschrieben, die von einer fachkundigen Jury gekürten sechs Gewinner – je ein Gewinner pro Bücherheld – bekommen tolle Preise, etwa mehrtägige Familienurlaube an den schönsten Flecken der Steiermark bei den ZWEI-UND-MEHR-Familienpasspartnerbetrieben des Landes. Außerdem werden die 50 besten Geschichten in einem kleinen Büchlein veröffentlicht, das in einer Auflage von 10.000 Stück beim 4. steirischen Vorlesetag kostenlos verteilt wird.  

Vorbilder. Neben all den Maßnahmen rund um die „fiktiven Figuren“ der Bücherhelden-Bande kommt den Eltern als echten Bücherhelden eine ganz besondere Rolle in der Lesefrühförderung zu: Indem sie nämlich selbst öfter zum Buch greifen, gehen sie mit gutem Beispiel voran. Gerade, wenn die Kinder noch sehr klein sind, ist regelmäßiges Vorlesen als Ritual in der Familie wichtig und wertvoll. Damit stärkt man nicht nur die Eltern-Kind-Beziehung, das gemeinsame Entdecken der Welt der Worte kann für Kinder auch die „Initialzündung“ für eine freudvolle lebenslange „Lesekarriere“ sein. Genau hier dockt ein weiteres Projekt der Leseoffensive an, das auch von den steirischen Gemeinden als Träger öffentlicher Bibliotheken unterstützt wird: „Buchstart Steiermark – mit Büchern wachsen“ bietet Jungfamilien mit Kindern zwischen 6 und 18 Monaten ein Lese-Startpaket inklusive erstem Buch und Infomaterial an. Verteilt werden diese Startpakete im Rahmen stimmungsvoller Veranstaltungen in den öffentlichen Bibliotheken – nicht ganz ohne Hintergedanken: „Öffentliche Bibliotheken sind schließlich nicht bloße Entlehnstellen von Medien, vielmehr sind sie kommunale Wissenskraftwerke und Orte der Begegnung, die in ihrer bedeutenden Rolle weiter gestärkt werden müssen“, ist auch die Landesrätin überzeugt.   

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Foto: evgenyatamanenko/iStock/Getty Images

Deutliche Erfolge. Tatsächlich konnten Bibliotheken mit Unterstützung des Landes ihre Palette um einige attraktive Angebote erweitern. So bietet bereits ein Drittel aller öffentlichen Bibliotheken DigiBib Steiermark an, ein Online-Entlehnsystem, das an keine Öffnungszeiten gebunden ist und über das man sich zu jeder Zeit mit nur wenigen Klicks den passenden Lesestoff aus über 30.000 Medien herunterladen kann. Seit Beginn des Jahres bietet der Verein Ludovico Spielworkshops für Bibliothekarinnen an, die ihre „Orte der Begegnung“ um Spielecken oder Ludotheken ergänzen wollen. Mit einem neuen Fördermodell steht den Bibliotheken außerdem eine dreimal so hohe Summe für den Ankauf von Medien, die Aus- und Weiterbildung von Bibliothekarinnen, die Beteiligung an und Organisation von Veranstaltungen u. v. m. zur Verfügung als noch vor vier Jahren. Ursula Lackner weiß aber: „All diese Impulse greifen nur, weil sie auch von den größtenteils ehrenamtlichen Bibliotheksverantwortlichen mit Leben erfüllt werden!“ Und, dass etwas in Bewegung ist, zeigen zum Beispiel die Zahlen der Bibliotheksnutzer, die von steiermarkweit 92.000 im Jahr 2016 um 16 % auf 107.000 im Jahr 2018 gestiegen sind.

Weitere Infos zum Thema gibt es auch unter www.vorlesetag-steiermark.at

 

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