Vaneks Wiedergeburt

Österreichs Eishockey-Superstar sorgt mit seinem neuen Klub Columbus in der NHL für Furore. Mit dem Punkt aus der 4:5-Niederlage nach Overtime gegen Pittsburgh lösten die Blue Jackets das Play-off-Ticket. Mit dem Weekend Magazin sprach der Grazer exklusiv über die Gründe für den Lauf, die räumliche Trennung zu seiner Familie und auch über das Nationalteam und die 99ers.

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Thomas Vanek Superstar – mit den Columbus Blue Jackets sorgt der Steirer in der stärksten Eis-
hockeyliga der Welt für Furore.
Foto: GEPA Pictures

Ostern – Fest der Auferstehung. Und just in den Wochen rund um das katholische Hochfest feierte auch Thomas Vanek so etwas wie seine sportliche Wiedergeburt. Zu alt, zu langsam, einfach nicht mehr gut genug für die stärkste Eishockeyliga der Welt – als der Grazer im vergangenen Sommer lange Zeit ohne Klub dastand, hatten viele Kritiker seinen sportlichen Abgesang schon fertig verfasst.

Doch der 34-jährige Flügelstürmer sollte sie in seiner bereits 13. NHL-Saison einmal mehr eines besseren belehren. Schon beim Nachzügler aus Vancouver zeigte er mit 41 Punkten (17 Tore), dass er es noch nicht verlernt hat und gerade im Powerplay nach wie vor zu den stärksten Spielern der Liga gehört. Als er am letzten Tag der Transferperiode, kurz vor der Trade-Deadline, von den Columbus Blue Jackets verpflichtet wurde, war das Naserümpfen auch hier in Österreich wieder groß: „Was will er bei diesem chronischen Loser-Team?“, so der Grundtenor.

Vanek hatte wieder die passende Antwort. Mit dem Steirer legte das Team aus Ohio eine fast schon kitschige Aufholjagd im Kampf um die Play-off-Plätze hin. Im März wurden zehn Siege am Stück eingefahren. Vanek war mit 13 Punkten (7 Tore) in seinen ersten 14 Spielen maßgeblich am Lauf beteiligt. Höhepunkt war sein bereits elfter Karrierehattrick beim 7:3 über die Edmonton Oilers. „Meine Linie hat einfach gut funktioniert und ich hab von der fantastischen Arbeit meiner Linienpartner profitiert – am Ende zählen nur die zwei wichtigen Punkte“, gab sich der einstige Erst-Runden-Draft gewohnt bescheiden.

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Foto: GEPA Pictures

 

Neuer Schwung mit Vanek

Nüchtern analysiert Vanek auch, warum er sich in Columbus so schnell eingelebt hat: „Jetzt habe ich das ja schon öfters mitgemacht und es war ja auch irgendwie zu erwarten, nachdem wir mit Vancouver keine Chance mehr auf das Play-off gehabt haben. Wenn du dann zu einem neuen Team kommst, ist es das Wichtigste, dass du als neuer Spieler Schwung reinbringst und das ist ganz gut gelungen.“ Die größte Stärke des Teams von Headcoach John Tortorella (Stanley-Cup-Sieger mit Tampa Bay 2004) sieht Österreichs bester Eishockeyspieler aller Zeiten in der Ausgeglichenheit des Kaders. „Dazu kommt, dass wir Sergei Bobrovsky einen der besten Torhüter der Liga, wenn nicht sogar der Welt, haben. Und im Sturm sind wir nicht von ein paar Superstars abhängig, sondern alle Linien können Tore schießen.“

Einzig die Trennung zur Familie in Minneapolis schlägt etwas aufs Gemüt. „Mein Sohn Blake ist jetzt schon zehn und die Zwillinge wachsen auch Tag für Tag. Ich vermisse es schon, ihnen beim Training und den Spielen zuzuschauen und sie aufwachsen zu sehen. Meine Frau Ashley und die Kinder versuchen trotzdem, so oft es geht vorbeizukommen, wenn wir mal ein paar Tage Spielpause haben.“

Daumen drücken für Österreich

Natürlich drückt er auch Österreichs Nationalteam bei der Anfang Mai beginnenden WM in Dänemark die Daumen. „Gemeinsam mit den anderen NHL-Österreichern Michi Grabner und Michi Raffl verfolge ich natürlich unser Team. Die junge Mannschaft hat sicher Potenzial und natürlich hoffe ich auf den Klassenerhalt und dass wir einmal länger in der A-Gruppe spielen.“ Den steirischen Eishockeyfans ist Vaneks Gastspiel bei den 99ers während des „Lockouts“ 2012 in bester Erinnerung – aktuell leidet er aus der Ferne mit dem Klub aus seiner Heimatstadt mit. „Ich habe natürlich noch einige Kumpel in Graz und kann nur sagen, wie wichtig es für alle wäre, dass die 99ers endlich wieder einmal vorne mitspielen. Die Probleme will ich aus der Ferne aber nicht beurteilen.“