Gefühle auf dem Prüfstand: Warum wir lieben

Liebe ist ein seltsames Spiel. Seit Ewigkeiten ­versuchen wir, die Regeln zu durchschauen. Und stoßen dabei auf Widersprüchliches. Gleich und gleich gesellt sich gern, Gegensätze ziehen sich an: Was stimmt denn nun?

Frau Liebe
Der Wunsch vieler: ein Partner fürs ganze Leben Foto: ASIFE/iStock/Thinkstock

Kann das wirklich nur Zufall sein? Hat die Kollegin, die seit zwanzig Jahren glücklich verheiratet ist, bei der Partnerwahl einfach Glück gehabt? Und der ewige Single aus der IT nur Pech? Gerade weil die Liebe uns ein Leben lang in den Bann zieht, versuchen wir, dem Rätsel mit gewissen Gesetzmäßigkeiten beizukommen.

Je ähnlicher, desto besser

Nicht nur Oma behauptet das: Auch die Algorithmen von Online-Partnerbörsen gehen vom Prinzip "Gleich und gleich gesellt sich gern" aus. Wir haben es bereits verinnerlicht, wie auch Umfragen bestätigen: Zwei Drittel der Befragten ­erwarten demnach, dass ihre Partner den gleichen Bildungslevel wie sie selbst haben, die gleiche Musik hören, sogar das gleiche Essen mögen. Dabei kommen neueste Forschungen zu einem ganz anderen Schluss: Man verliebt sich nicht, weil man einander so ähnlich ist, sondern man entdeckt die (vermeintliche) Ähnlichkeit, weil man verliebt ist. Du liebst Kartoffelpüree? Ich auch! Dass ER reiselustig ist und SIE überhaupt nicht, wird dagegen verdrängt. Jedenfalls anfangs.

Gegensätze ziehen sich an

Das Fremdartige sei es, was uns am anderen fasziniere, lautet eine andere These. Und genau dieses Andersartige nervt uns später am meisten. So wird aus: endlich ein unternehmungslustiger Mann ein: Er will ständig nur unterwegs sein! Experten meinen: Es kommt immer darauf an, wie ähnlich und damit wie nahe sich das Paar selbst fühlt. Die Schlüsselfrage: Zählt für mich das, was mich mit meinem Partner verbindet mehr als das, was uns trennt? Wenn das Gemeinsame stark ist, werden die Gegensätze nicht zum Stolperstein.

Grau ist alle Theorie

Kleinere Schwestern lieben größere Brüder. Stimmt doch? Experten meinen dazu: Die Theorie hat schon etwas. In der Praxis hakt sie aber oft. Denn eine deutsche Studie mit 20.000 Teilnehmern zeigt, dass die Persönlichkeit offenbar nicht davon abhängt, ob wir Erstgeborene, Sandwich­kinder, Nesthäkchen oder Einzelkinder sind. Viel wichtiger für unsere Bindungsfähigkeit: Dass wir uns selbst lieben und schätzen.

Schließlich die Frage nach dem Kennenlernen. Online oder offline, Partnerbörse oder „echtes Leben“: Welchen Einfluss hat das auf die Beziehung? Laut Psychologen sind Online-Flirts immer unverbindlicher, weil hier wesentliche Komponenten der Kommunikation fehlen. Nicht umsonst empfiehlt sich möglichst rasch ein reales Treffen. Dass aus dem Internet hervorgegangene Beziehungen oberflächlicher seien oder Trennungen häufiger, kann allerdings nicht bestätigt werden. Und jetzt? Es scheint ja doch keine "Liebesregeln" zu geben … Doch zum Schluss gibt's die ungemein befreiende Nachricht: Trifft man auf den Traumpartner, dann muss man nicht nachdenken. Dann sagen nämlich sowohl Kopf als auch Bauch Ja.