5 Trends: Stumpf ist Trumpf - Best of Trash-TV

Containerboxen haben ausgedient! Ob Dschungel, ­Insel oder Sommerhaus – unterirdisch bleibt es allemal. Und wir sind live ­dabei, erste Reihe fußfrei, versteht sich.

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Kein TV-Format weckt so starke Emotionen wie Reality Shows Foto: vladans/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Zehn Unbekannte, einquartiert auf engstem Raum. Aufgaben, die Streit zwischen ihnen schüren. Kameras, die das Treiben rund um die Uhr beobachten. Was wie ein fragwürdiges Sozial­experiment klingt, ist seit Ende der 90er ein bewährtes TV-Erfolgsrezept. Feine Klinge? Fehlanzeige. Trotzdem: Kein Fernsehformat weckt so starke Emotionen wie die ­unendliche Bandbreite der Reality Shows.

Quotengarant

Trash-TV ist Fernsehen gewordener Gefühlswühltisch: Anteilnahme, Schadenfreude, Ekel und Empörung – alles dabei. Wohliges Schauern unter den Zusehern, wenn Sätze fallen wie: "Meine Brüste sind größer als mein gesamtes Wesen" (© Kader Loth im Dschungelcamp). Dass wir uns nach der seichten Berieselung besser fühlen, ist wissenschaftlich bewiesen. "Zuschauer vergleichen sich mit den Kandidaten und stellen fest: So verrückt bin ich zum Glück nicht", sagt Medienpsychologe Prof. Frank Schwab. Besonders groß ist der Effekt, wenn Promis zum Einsatz kommen. Chips knabbernd kann man sich von der Couch aus überlegen fühlen. "Das hebt die eigene Stimmung und den Selbstwert", so Schwab. "Schau, das sind halt auch nur Menschen", raunt man sich schadenfroh zu.

Schlimmer geht immer

Aber Trash-TV-Veteranen wollen mehr. Immer freakigere Formate beackern den von Big Brother bereiteten Boden. Besonders beliebt: die skurrile Blüten treibenden Datingformate. Bachelor und Bachelorette müssen aus einer Vielzahl vielversprechender Verehrerinnen herzeigbares Heiratsmaterial filtern. Bei "Paradise Hotel" hüpfen Singles auf der Suche nach der großen Liebe munter durch die Betten der Mitspieler. In "Adam sucht Eva" geht man keine Umwege und begegnet sich gleich gänzlich nackt.

Heiße Hassliebe

"Survivor" macht seine Kandidaten zu modernen Robinson Crusoes. Brenzlige Aufgaben sollen für Zündstoff im sozialen Gefüge sorgen. Auf Ekel statt Adrenalin setzt das Dschungelcamp. "Ekel zieht immer", sagt Schwab. Da wird ruhigen Blutes Kuh-Urin getrunken, werden Fischaugen geknackt und Kamelschädel verzehrt. Die C-Promi-Sendung schafft es meisterhaft, ihre Fans mit einer Mischung aus Survival-Sendung und Comedy an den Fernseher zu fesseln. Auch wenn sie sich dabei hart am Brechreiz bewegt, schalten wir trotzdem immer wieder ein. Wir mögen's eben, wenn’s menschelt.

1. Flirtshow

Der Gewinn hängt vom Flirt­geschick der Kandidaten ab. Wer solo bleibt, fliegt raus.

2. Partnersuche

Während die "Bachelorette" die Nadel im Boyhaufen sucht, wird in den Betten des "Paradise Hotel" Reise nach Jerusalem gespielt. Die "Insulaner" kämpfen um die große Liebe – und 50.000 Euro Preisgeld. Den Höhepunkt der Softporno-­Ästhetik erreicht "Adam sucht Eva" mit textilbefreiten Teilnehmern. Fazit: Das Sommer-Sonne-Sex-Erfolgsrezept ist aus der Primetime nicht mehr wegzudenken.

3. Container-Shows

Ein Haus, zehn Kandidaten, Beobachtung rund um die Uhr: Big Brother trat 1999 eine Flut an Reality-Fernsehformaten los. In Österreich startete ein Jahr später "Taxi Orange". Die Wiener WG begeisterte das Publikum nur zwei Staffeln lang. Um die Sache aufregender zu gestalten, ziehen heute auch Promis in die freiwillige Totalüberwachung. Im "Sommerhaus der Stars" treten sie paarweise mit- und gegeneinander an.

4. Überlebenscamps

Robinson Crusoe trifft Herr der Fliegen: Kein Wunder, dass wir den "Survivors" so gerne beim vermeintlichen Überlebenskampf zusehen! An entlegenen Orten ausgesetzt, müssen die verfeindeten Stämme ohne fremde Hilfe für Nahrung, Wasser, Feuer und Unterkunft sorgen. Adrenalinreich geht es auch im Dschungelcamp zu. "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" sorgt regelmäßig für schaurig-schöne Ekelmo­mente.

5. Realityshow "extrem"

Japan ist für seine extremen Sendeformate berüchtigt. In einer Realityshow müssen die Kandidaten von Südafrika nach Skandinavien trampen. Gameshows gehen unter die Gürtellinie: Sexuelle Handlungen sind selbstverständlicher Sendeinhalt. Der Titel der Show "Masturbate Karaoke" ist Programm. Teilnehmer müssen es trotz "Ablenkung" durch den Song schaffen.