Kibali, Finja & Co: So geht es den Tieren in Schönbrunn während der Corona-Krise

Nicht nur für uns Menschen bedeutet die Corona-Krise eine Ausnahmesituation. Auch die Bewohner im Tiergarten Schönbrunn müssen sich auf den veränderten Alltag einstellen. Wie Zoo, Pfleger und Tiere die schwierige Situation meistern? Wir haben für Sie nachgefragt – und das neueste Video von Eisbär-Baby Finja.

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Beste Laune im Tiergarten Schönbrunn trotz Corona-Krise: Eisbären-Baby Finja kann ihr Spielzeug bereits alleine tragen und werfen. Foto: Daniel Zupanc / Tiergarten Schönbrunn
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Rund 30 Kilogramm bringt das Eisbärmädchen auf die Waage. Foto: Daniel Zupanc / Tiergarten Schönbrunn
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Finjas Lieblingsbeschäftigung: Planschen! Foto: Daniel Zupanc / Tiergarten Schönbrunn

Seit 12. März ist der Tiergarten Schönbrunn geschlossen. Wo sich sonst an einem schönen Frühlingswochenende tausende Besucherinnen und Besucher tummeln, herrscht gähnende Leere. Vor Ort sind derzeit nur jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Versorgung der Tiere und die Instandhaltung der Anlagen zuständig sind.  Dazu zählen Tierpfleger, Tierärzte, Zoologische Kuratoren, Techniker und Handwerker, die die zwölf Reviere betreuen. „Jedes Revier hat seine fixen Pfleger“, erklärt Pressesprecherin Johanna Bukovsky gegenüber weekend.at „Die Pfleger wurden vorsorglich aufgrund der Corona-Krise in jeweils zwei getrennte Teams pro Revier aufgeteilt, die abwechselnd arbeiten und sich nicht treffen.“ Auf die Versorgung der Tiere hat die Situation keinen Einfluss. „Die Tierhaltung bleibt unverändert auf hohem Niveau“, betont Bukovsky. Trotzdem geht die Veränderung an den Zoo-Tieren nicht spurlos vorüber.

 

Tiere vermissen Besucher

Besonders sensibel reagieren die Orang-Utans und Papageien auf das Fehlen ihres gewohnten Publikums. „Die Besucher sind Teil ihres Lebens und stellen eine gewisse Form der Bereicherung dar“, erklärt Bukovsky. „Nicht nur wir beobachten die Zootiere, sondern auch umgekehrt.“ Dieser Bereich fällt jetzt weg. „Abwechslung und Beschäftigung sind in einem Zoo generell ein großes Thema. In der Wildbahn sind Tiere einen Großteil des Tages mit der Nahrungssuche beschäftigt“, so die Tiergarten-Sprecherin. „Jetzt, wo auch die Besucher nicht da sind, überlegen sich unsere engagierten Tierpfleger noch mehr tolle Beschäftigungen als sonst für die Tiere.“

 

So beschäftigen die Pfleger ihre Schützlinge im Tiergarten

Dabei werden sie ganz schön kreativ. Oder wussten Sie etwa was eine Eisbombe ist? Dafür werden für die Eisbären Fisch und Gemüse mit Wasser tiefgefroren. So sind sie einige Zeit beschäftigt, bis sie ans Futter kommen. Während die Orang-Utans gerne mit kleinen Wasserbottichen pritscheln, bekommen die Giraffen selbst gebastelte Futterrohre mit Löchern, aus denen sie mit ihren langen Zungen die Leckerbissen herausfischen.

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Was machen eigentlich die Tiere in Schönbrunn während der Corona-Krise? Foto: Daniel Zupanc / Tiergarten Schönbrunn

Folgt auf die Corona- eine Finanzkrise im Tiergarten Schönbrunn?

Nicht nur den Tieren macht das Ausbleiben der Besucher zu schaffen. Die Eintrittserlöse entfallen, Futter- und Betriebskosten gehen jedoch unverändert weiter. 70 Prozent der rund 230 Mitarbeiter sind für drei Monate zur Kurzarbeit angemeldet. Während der Schlosspark Schönbrunn am 14. April seine Pforten für Besucher wieder öffnen darf, ist die Zukunft des Tiergartens ungewiss. „Wie sich die derzeitige Lage auf die finanzielle Situation des Tiergartens auswirkt, wird sich erst dann endgültig abschätzen lassen, wenn wir wissen, wie lange er wirklich geschlossen sein wird“, erklärt Pressesprecherin Johanna Bukovsky auf Nachfrage von weekend.at. Aktuell greift der Zoo auf Ersparnisse zurück. Ob diese reichen werden, wird sich erst zeigen müssen.

Sehnsucht bei den Tiergarten-Besuchern in der Corona-Krise

Was hier tröstet, ist ein Blick in die Zukunft. „Uns erreicht derzeit eine Vielzahl an netten Nachrichten von Tiergarten-Fans, die sich schon freuen, wenn wir wieder öffnen dürfen. Diese Verbundenheit zu spüren, tut in dieser herausfordernden Zeit besonders gut“, sagt Tiergarten-Direktor Stephan Hering-Hagenbeck. Worauf man sich ebenfalls freuen darf: Die Ankunft der ersten Jungtiere im Frühling, wie etwa der Rosa Flamingos. Für Finja-Fans gibt es zur Überbrückung ein kleines Trostpflaster. Seit wenigen Tagen ist der Bildband „Finja. Das Schönbrunner Eisbären-Mädchen“ von Zoofotograf Daniel Zupanc im Zoo-Shop online erhältlich. Von jedem verkauften Exemplar wird ein Euro an die Organisation Polar Bears International gespendet. „Auch wir Tierpfleger sind schon gespannt auf das Buch. Daniel Zupanc war in den ersten Wochen jeden Tag im Tiergarten und hat Finjas erste große Abenteuer festgehalten“, erzählt Tierpflegerin Alessa Esau. Mittlerweile ist Finja übrigens ein gutes Stück gewachsen und verliert ihre ersten Milchzähne. „Finja hat schon fast 30 Kilogramm und ist so stark, dass sie ihr Spielzeug durch die Gegend tragen und werfen kann“, berichtet Esau. „Am liebsten spielt die Wasserratte in den Schwimmbecken.“