Businesstalk mit Filmemacher Thomas Woschitz

Der gebürtige Klagenfurter Regisseur lebt und arbeitet in Wien und in Rom. Er weiß, was Kärnten fehlt, um sich als echtes Filmland positionieren zu können. Der 49-Jährige studierte unter Lina Wertmüller am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom.

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Thomas Woschitz: "Der Film ist ein sehr wichtiges Medium, das um die Welt geht. In Kärnten mangelt’s aber an Wertschätzung!" Foto: Diagonale/Arno Friebes

Weekend: Sie arbeiten derzeit an den Drehbüchern zu zwei Filmen. Um was geht es in den beiden Projekten?
Thomas Woschitz: Das eine ist das barocke Roadmovie „Am Anfang der Schwerkraft“, in dem es um Glaube, Wissenschaft, Macht und Ohnmacht geht. Dieser Film ist für mich eine besondere Herausforderung, weil es sich um einen Kostümfilm mit historischem Kontext handelt. Man muss sich über so viele Details Gedanken machen. Wie haben die Leute im 17. Jahrhundert geredet, ist nur ein Beispiel. Der andere Film trägt den Titel „A Million Dollar Bet“ und da geht es um eine absurde Wette zwischen Freunden, den Wert des Geldes und der Freundschaft.

Weekend: Sie drehen gerne in Kärnten. Diese Filme auch?
Thomas Woschitz: Ich habe schon viel in Kärnten gedreht, ja. Aber diese beiden Filme werden in Italien & Las Vegas gedreht. Es tut zwar gut, dort zu drehen, wo man die Leute kennt. Aber es hat auch etwas, erst während der Arbeit seine Umgebung kennenzulernen.

Weekend: Würden Sie Kärnten als „Filmland“ bezeichnen?
Thomas Woschitz: Ich würde gerne, aber die Realität im Hinblick auf Strukturen und finanzielle Mittel sieht leider anders aus. Es ist beschämend, wie schlecht der Film- und Kulturbereich gefödert wird. Und das, obwohl der Film ein wichtiges Medium ist, das um die Welt geht und Werbung für ein Land macht. Kärnten hinkt auch was die Verwertung angeht anderen Ländern, ja sogar Bundesländern nach. Es gibt ganz wenige Kinos, in Unterkärnten zum Beispiel gar keines. Immerhin ist das Kino trotz des Internet-Booms immer noch der wichtigste Verwertungsort für Filme. Will man als Filmschaffender etwas erreichen, muss man raus aus Kärnten – und das ist sehr traurig.

Weekend: Wieso im Hinblick auf Strukturen?
Thomas Woschitz: Weil die Leute aus Kärnten abwandern und es schwierig ist, gute Mitarbeiter zu bekommen. Für den Dreh von „Bad Luck“ mussten wir beispielsweise alles aus Südtirol und Mailand ankarren.

Weekend: Aber seit einigen Jahren gibt es doch die Carinthian Film Commission?
Thomas Woschitz: Das Absurde daran ist, dass das ein Wirtschaftsförderungsinstrument sein soll – das Geld stammt aber aus dem ohnehin schmalen Film- und Kulturbudget statt etwa aus dem Tourismusbudget.

Weekend: Wie reizvoll ist Hollywood für Sie?
Thomas Woschitz: Sehr, immerhin ist es die größte Maschinerie im Filmbetrieb. Aber es ist mit Vorsicht zu genießen. In Hollywood ist viel mehr Geld im Spiel. Wir in Europa sind hier etwas privilegierter. Es gibt zwar weniger Geld, dafür haben wir mehr Freiheiten.

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Für den Film "Universalove" wurde Thomas Woschitz im Rahmen der Diagonale 2010 mit dem Thomas Pluch-Förderpreis ausgezeichnet Foto: Diagonale/Arno Friebes

Filme

2015: Bad Luck
2008: Universalove
2005: Sperrstunde
2004: Die Josef trilogie
2004: Girls & Cars in a Colored New World
1996: Blindgänger
1995: Tascheninhalt & Nasenbluten
1994: Ölfilm
19987: Ein halber Tag

Weitere Infos gibt es hier.

Hier der Trailer zu "Bad Luck" (2015):