Test: LG G7 ThinQ - ein Smartphone zum Nachdenken!

Der Elektronikriese LG aus Südkorea hat sich 2018 Zeit gelassen und das neue Flaggschiff G7 ThinQ erst recht spät präsentiert. Ob diese Taktik aufgegangen ist und wie sich das Gerät im Test schlägt erfahrt ihr in diesem Test. Viel Spaß beim Lesen...

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Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger
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Einst war LG mit seinen Smartphones ein absoluter Geheimtipp und stets in den Top 5 der größten Hersteller zu finden - meist hinter Apple und Samsung. Diese Zeiten sind vorbei. Die Top 5 2018 bestehen aus Apple, Samsung, Huawei, Xiaomi und OPPO. LG wird nur mehr unter „Sonstige“ geführt, ist dort aber mit Größen wie Sony und Nokia (HMD) in bester Gesellschaft. Aber warum? Diese Frage stellen sich viele, die einst das G2, das G3, oder das G4 ihr eigen nannten. Das waren mehr als solide und hochwertige Geräte, die einfach anders waren als der Einheitsbrei von Samsung. Dann kam aber das G5 mit seiner eigenwilligen modularen Designentscheidung die sich nie wirklich durchsetzte (ich hatte das Gerät und mochte es sehr). Das G6 - obwohl auch ein tolles Smartphone - ging im Marketingbattle von Apple, Samsung und Huawei komplett unter. Jetzt versucht es das G7 ThinQ erneut gegen die beiden Android-Riesen und den Apfelgiganten. Trotz eines sehr soliden Auftritts wird es aber auch die siebente Flaggschiff-Version der Koreaner schwer haben...

Design und Verarbeitung - Spieglein, Spieglein in der Hand!

Beim Unboxing fällt mir sofort das beigelegte Putztuch auf. LG folgt dem Trend und baut das Smartphone mit Glasrückseite, die ein wahrer Fingerabdruckmagnet ist. Vorteil: Das Schmuckstück lässt sich kabellos laden. Aber das beigelegte Reiniungsutensil ist mehr als notwendig - bereits nach ein paar Berührungen ist die stark spiegelnde Rückseite voll mit meinen Fingerabdrücken. Die Verarbeitung des Geräts ist tadellos - einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite nicht sehr gut vom Glas abgegrenzt ist und ich somit nicht immer sofort ins Schwarze treffe. Ist aber Gewohnheitssache. Der Sensor selbst macht seine Arbeit sehr gut - wenn auch nicht ganz so schnell wie bei anderen Herstellern. Auf der Rückseite befindet sich außerdem das Dual-Kamera Setup mit einer 16-Megapixel Hauptkamera und einem 16-Megapixel Weitwinkelobjektiv. Der Laser-Autofokus wird von einem LED-Blitz flankiert. Die Vorderseite ist designtechnisch auf Höhe der Zeit und bietet einen sehr schmalen Rand auf der Unterseite des 6.1 Zoll großen Displays. LG hat sich auf der Oberseite für eine Displayeinkerbung - auch Notch genannt - entschieden. Muss man mögen, lässt sich aber auch komplett ausblenden. Das IPS-LCD Display (HDR10 kompatibel) löst mit 3120x1440 Pixel auf, ist äußerst hell und wird von Gorlla Glas 5 geschützt. Auf der Unterseite findet sich der Boombox-Lautsprecher, der USB-C Anschluss UND ein extra Kopfhörerausgang! Soviel so gut - ein absolut wertiges Gerät, welches aber keine Designpreise gewinnt. Leider hat sich bei allen Herstellern ein gewisser Einheitsbrei durchgesetzt - LG geht diesen Trend mit. Soll aber dem Gerät keinen Minuspunkt verleihen - ist anscheinend der Zeitgeist.

Technik und Software - Performance pur!

Unter der hübschen Haube lässt sich LG nicht lumpen und verbaut mit dem Snapdragon 845 einen der absolut schnellsten mobilen Prozessoren 2018. In meinem Testgerät waren allerdings „nur“ 4GB RAM verbaut. Da sind andere mit 6 oder 8 GB schon etwas großzügiger. Bei der Performance war der Unterschied aber nicht zu merken. Die gute Geschwindigkeit liegt sicher auch am 64GB großen UFS-Speicher, der pfeilschnell arbeitet. Per microSD lässt sich der Speicher mit bis zu 512 GB erweitern. Dank Android 8.0 und einer modernen Software ist die Bedienung stets flüssig und es kommt zu keinen Verzögerungen. Einzig das etwas überladene Einstellungsmenü hinterlässt einen etwas fahlen Beigeschmack - ohne die Suchfunktion wäre man fast aufgeschmissen im verzweigten Menüwald. Ansonsten ist die Software solide und bietet viele Einstellungsmöglichkeiten abseits von Android One. Eines der wichtigsten Features des Gerätes fällt leider etwas ab: die Kamera. Das Setup ist irgendwie schon aus G6 und G5 bekannt - der Weitwinkelsensor ist zwar lustig, aber auch nichts Neues mehr. Die Hauptkamera schießt zwar solide Fotos, aber nicht auf Höhe der beiden Platzhirschen Samsung Galaxy S9+ und Huawei P20 Pro. Die AI-Funktionen der Kamera (deswegen der Beiname ThinQ) sind eine schöne Spielerei und sorgen für schönere Fotos. Der Akku ist leider mit 3.000 maH nicht außerordentlich ausdauernd und hat mich als absoluten Power-User (Facebook, Videos, Musik, Pokemon Go, usw...) gerade so durch den Tag gebracht. Manchmal musste ich auch Zwischenladen. Zwei Tage sind nur bei sehr mäßiger Nutzung drinnen. Außerordentlich gelungen sind die Lautsprecher. Dank Boombox wird der Sound verstärkt, wenn das Gerät auf eine Oberfläche gelegt wird. Das gibt ordentlich Lautstärke und wirklich tollen Sound.

Fazit - JA, aber...

Das G7 ThinQ hinterlässt einen sehr zwiespältigen Eindruck. Einerseits die tolle Verarbeitung, das helle und farbenfrohe Display, der gute Sound und die brilliante Performance. Andererseits die etwas schwächelnde Kamera und der schwache Akku. Die Designentscheidung für die Notch bewerte ich nicht als negativ - subjektiv sind aber Notch-Geräte nicht meins. Ich befürchte es wird auch diesmal für LG nicht ausreichen um Samsung, Huawei, Apple und den in Europa startenden Chinesen von Xiaomi das Wasser zu reichen. Dazu ist das LG G7 ThinkQ zu wenig außerordentlich. Nichts am Gerät sticht wirklich aus der Masse guter Smartphones heraus. Den Notch gibt es anderswo, gute Kameras zuhauf, meist stärkere Akkus und auch die Lautsprecher anderer Hersteller schaffen schon ordentlich Sound. Ich hatte mir nach der Ankündigung einer kompletten Überarbeitung des LG G7 leider mehr erwartet. Um diese Punkte jetzt aber nicht falsch zu verstehen - das Gerät ist ein sehr gutes Smartphone und definitiv eines der Besten 2018, aber der letzte Wille zur Spitze fehlt leider bei LG seit einiger Zeit - sehr schade! Ich gebe dem Gerät dennoch solide 7 von 10 Bewertungspunkten und hoffe, dass die Verkaufszahlen diese Jahr besser sind, sonst sehe ich für die Smartphonesparte der Koreaner bald relativ Schwarz und das wäre dann doch ein herber Verlust. Die UVP des Gerät liegt bei 849 Euro.

Hinweis: Das Gerät wurde mir von LG für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben

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