Tattoos: Du bist, was du stichst!

Tattoos sind im Mainstream angekommen. Aber was sagen die Muster, Zeichen und Symbole über den Tätowierten aus?

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Gestochen scharf: Jeder fünfte Österreicher hat bereits ein Tattoo Foto: bedya/iStock/Thinkstock

Jeder fünfte Öster­reicher hat bereits ein Tattoo. Und die Körperverzierungen werden immer beliebter: Für sieben von zehn Österreichern sind Tätowierungen total okay und reine Privatsache. Nur die Generation 60 plus lehnt Tätowierungen mehrheitlich ab. Stars sind in Sachen Körperschmuck ein Vorbild: Von Schauspielerin Angelina Jolie bis Sänger Ed Sheeran sind viele Stars und Sternchen mit Porträts der Liebsten, Sprüchen oder sonstigen Motiven bedeckt. Die Zeiten, als Tattoos vor allem im Gefängnis oder auf Matrosenkörpern zu finden waren, sind längst ­vorbei. Heute wird die eigene Haut quer durch alle Gesellschaftsschichten als Medium zur Selbstdarstellung genutzt. Umfragen haben ergeben, dass Menschen sich vor allem deshalb tätowieren lassen, um damit ihre Individualität und Einzigartigkeit zum Ausdruck zu bringen. Auch Identitätsfindung – wer bin ich eigentlich? – und eine Form der ­Rebellion spielen gerade bei jungen Leuten eine Rolle.

Tattoo-Sucht

Es gibt Menschen, die sich nach dem ersten Tattoo gleich das nächste stechen lassen – die also gar nicht mehr aufhören können. Aber warum? Dahinter kann laut Psychologen tatsächlich ein Drang nach Selbstverletzung stecken oder auch der Wunsch, mit diesem besonderen Schmuck körperliche Makel auszugleichen. "Body-Modification" nennen Anhänger diese Form der Körperveränderung mithilfe von Tätowierungen. Ein Extrem-Beispiel dafür ist das kanadische Model Rick Genest, auch bekannt als "Zombie Boy". Dieser ließ sich sein erstes Tattoo mit 16 stechen und machte sich schon drei Jahre später an das Projekt, seinen gesamten Körper zu bedecken. Heute sind schon mehr als 90 Prozent seines Körpers mit verschiedensten Motiven tätowiert.

Wisch und weg

Blöd nur, wenn man einen Tattoo-Trend erwischt hat, der einige Jahre später vollkommen aus der Mode ist, wie das Arsch-Geweih. Oder die Beziehung zerbricht und das Partner-Tattoo passt nicht mehr. Bei Johnny Depp etwa wurde aus "Winona forever", dem Liebesbeweis für Freundin Winona Ryder, ganz einfach "Wino forever". Das bedeutet in der US-Umgangssprache so viel wie "für immer ein obdachloser ­Säufer". Eva Longoria ließ sich das Datum ihrer Hochzeit mit Basketball-Star Tony Parker am Handgelenk tätowieren. Nach der Scheidung drei ­Jahre später wurde das Tattoo weggelasert. Nicht gerade ohne, dieser Eingriff, denn eine ­Tattoo-Entfernung mittels ­Laser kann mehrere Sitzungen dauern, besonders schmerzhaft und teuer sein. Grundsätzlich kann man sagen, dass es immer viel schneller und billiger ist, sich ein Tattoo ­stechen zu lassen als eines zu entfernen.

Vorsicht bei Interpretation

Bevor man sich also ein Tattoo stechen lassen möchte, sollte man sich ganz genau überlegen, was für ein Motiv oder Schriftzug es werden soll. Nach wie vor sind einige Symbole auch negativ behaftet, da sie noch aus der Zeit stammen, in der nur Matrosen und Häftlinge "markiert" waren. Drei pyramidenförmig angeordnete Punkte auf der dünnen Haut zwischen ­Daumen und Zeigefinger etwa stehen für Liebe, Hoffnung und Glaube. Klingt süß? Ist aber ein Erkennungsmerkmal für Knastbrüder. Die Punkte stehen nämlich auch für die drei Affen des Gottes Vadjra – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Ein klarer Hinweis auf den Ehrenkodex unter Inhaftierten. Aber auch die Symbolik der ­Gefängnis-Tattoos ist nicht ­immer eindeutig: Eine Träne unter dem Auge hat mehrere unterschiedliche Bedeutungen. Entweder hat man zehn Jahre im Knast abgesessen, jemanden umgebracht oder einen Zellengenossen in einem Streit verloren. Sterne auf der Schulter sollen auf eine Karriere als hochrangiger Berufsverbrecher hindeuten. Da hat Rihanna mit ihren bunten Sternchen auf dem rechten Schulterblatt aber ­einiges zu erklären!

Tattoos und ihre (mögliche) Bedeutung

Namen: Sich den Namen eines geliebten Menschen tätowieren zu lassen, zeugt von unerschütterlichem Glauben an die Liebe. Der Tätowierte beweist damit Leidenschaft und die Bereitschaft, bis zum bitteren Ende zu gehen - wie etwa Keith Urban, der damit seine Liebe zu Nicole Kidman unterstreicht.

Schrift: Zitate, Gedichte, Songtexte oder einzelne Wörter: Hier hat sich ein sehr ehrlicher, kommunikativer und überzeugender Mensch tätowieren lassen. Angelina Jolies (42) Tattoos beweisen ihre enge Familienbindung: Sie sind ihren Kindern gewidmet.

Tiere: Unschuld und ein Sinn für Gerechtigkeit zeichnen die Träger von Tier-Motiven aus. Im Fall von Ed Sheeran (27) unterstreicht das Raubtier Löwe seinen Freiheitsdrang. Gut, dass er sich nicht für einen Schmetterling entschieden hat. Der würde seine Weiblichkeit betonen.

Tribals: Früher war es ein Zeichen der Stammeszugehörigkeit – heute möchte man sich damit von der Gesellschaft abheben. Leute mit diesem Tattoo haben einen Hang zum Mystischen und sind Kämpfernaturen. Rihanna (30) hat rund 25 Tattoos auf ihrem Körper.

Blumen: Motive wie Blumen werden aus einem feinen Gespür für Ästhetik gewählt. Harry Styles (24) zeigt somit seinen Sinn für Kunst, Kultur und das Schöne im Leben. Für Frauen würden Blumen bedeuten, dass sie modisch und künstlerisch veranlagt sind und ihre weibliche und sinnliche Seite ausleben.

Sterne: Ein beliebtes Allround-­Motiv sind Sterne. Sie sind immer tragbar, passen zu Männern und Frauen gleichermaßen und weisen auf eine verspielte Art hin. Sienna Miller (36) zeigt damit, dass sie für jeden Spaß zu haben ist. Menschen mit Sternen-Tattoos darf man aber nicht unterschätzen!

Fabelwesen: Sie lieben Tattoos von Elfen, Einhörnern und Fabelwesen? Dann zeigen Sie gern Ihre kindliche Seite, einen Hang zum Mystischen und viel Fantasie. Drachen sollen außerdem beschützen. Lady Gaga (32) entschied sich für ein Einhorn mit dem Schriftzug "Born this Way".

Schriftzeichen: Schriftzeichen werden als Glücksbringer gesehen. Sie sind ein Zeichen für Toleranz und sagen: "Los geht’s, das Abenteuer wartet!" David Beckhams (42) Tattoo ist ein Konfuzius-Zitat und bedeutet: "Tod und Leben sind vorbestimmt. Reichtum und Ehre ruhen im Himmel."