Straßenkunst: An die Wand gemalt

Die Stadt wird bunt! Immer mehr Hausbesitzer entscheiden sich dafür das Äußere oder Innere ihrer Wände durch Künstler gestalten zu lassen. Sogenannte „Murals“ (Wandgemälde) bringen Farbe auf Wiens Straßen.

Sascha Vernik Revkin
Foto: Silke Lapina

Am Donaukanal ist man den Anblick schon gewohnt: Ein Graffiti reiht sich an das andere, teilweise brechen die dicken Farbschichten schon von alleine ab. Doch langsam werden Graffitis nicht mehr als etwas schlechtes gesehen, markieren nicht mehr die unsicheren Wohngegenden, sondern werden als Kunstform anerkannt. Bestes Beispiel: der Naschmarkt und die darüberliegende Fillgradergasse. Hier schmücken Murals (engl. Wangemälde) das Stadtbild.

Angeschmiert. Diese Form der Straßenkunst wird in Auftrag gegeben. Am Naschmarkt sind es die Wände von Lokalen wie „Neni“, die vom Wiener Künstler Nychos und seinem Künstler-Kollektiv „Rabbit Eye Movement“ bemalt wurden. Lokale wie das „Motto“ in Margareten oder das „Rien“ am Michaelerplatz setzen auf großflächige Wandverschönerung im Innenbereich. Aber nicht nur die junge und hippe Lokalszene hat den Trend erkannt. Die Stadt Wien suchte lange nach einer Möglichkeit die Kreativität der Jugendlichen weg von der illegalen Wandbemalung zu führen. Die Lösung: das Projekt WienerWand. Bürgermeister Michael Häupl dazu: „Graffiti ist Kunst, aber auch Kritik und Rebellion und setzt sich wie jede Kunst in manchmal unbequemer Weise mit der gesellschaftlichen Situation auseinander.“

Gemeindebau. Der Wohnservice Wien startete im Gemeindebau am Alfred-Kubin-Platz das Projekt „Streetart“. Die zwei Graffiti-Künstler „stone one“ und „el jerrino“ machten mit ihrem Mural den Anfang. An drei Tagen gaben sie Workshops für die rund 4.000 Bewohner, damit diese ihren Gemeindebau selbst gestalten können.

Aufreger. Bekannt ist Graffiti in Wien allerdings eher aus negativen Gründen. Jeder hat in Wien wohl schon einen der 230 „Tags“ (engl. Schriftzüge) von Puber gesehen. Der Zürcher mit brasilianischen Wurzeln wurde 2014 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Kurios: 2016 bekam er in der HO Gallery eine Ausstellung namens „I Like to Write My Name on Your Property“ (engl. Ich schreibe gerne meinen Namen auf deinen Besitz). Seine Graffitis wurden für 300 bis 8.000 Euro verkauft.

Aber Puber war nicht der erste, der gerne seinen Namen auf fremdes Eigentum schrieb. Um 1820 schrieb Joseph Kyselak „Kyselak war hier!“ quer durch die Monarchie. Noch heute sind einige Original-Schriftzüge erhalten, etwa an einem Obelisken im Wiener Schwarzenbergpark. Jahrelang wurde Kyselak verfolgt, schlußendlich gefasst und dem Kaiser vorgeführt. Nach einem Belehrungsgespräch wurde Kyselak abgeführt und ins Gefängnis gebracht. Der Legende nach fand der Kaiser anschließend die Inschrift „Kyselak war hier!“ auf seinem Schreibtisch vor.

Weekend: Wie würdest du deine Kunst beschreiben?

Sascha Vernik: Meine Arbeiten sind sehr vielfältig, ich bin über die klassische Malerei und Zeichnung zur 2D Animation gekommen und male auch Murals. (Anm. der Redaktion: Der Walfisch an der Decke des “Rien“, dem neuen Café Griensteidl, stammt von ihm)

Weekend: Du hast Malerei an der Angewandten studiert und 2014 diplomiert. Wie schwierig war es für dich in der Künstlerszene Fuß zu fassen? Hast du Tipps für Neue in der Szene?

Sascha Vernik: Die eigene Motivation ist der wichtigste treibende Faktor und bedingt alles Weitere. Der durch den eigenen Wissensdurst entstehende Tatendrang zwingt einen dazu, Neues auszuprobieren und Gleichgesinnte zu finden. Zwangsläufig kommt es dann zu Freundschaften und beruflichen Kontakten.

Weekend: Kannst du von deiner Kunst leben oder hast du noch einen Nebenjob, der dich über Wasser hält?

Sascha Vernik: Ich lebe größtenteils von meinen Jobs in der Filmindustrie – vom Storyboarding und von der 2D Animation. Die Malerei von Murals wird zunehmend ein größerer Bestandteil meiner Arbeit.

Weekend: Was sagst du zu Projekten der Stadt Wien wie „Wienerwand“, Wände auf denen man legal sprayen darf?

Sascha Vernik: Legalisierung ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar verfremdet der Umstand, dass diese Wände legal zu besprayen sind die Essenz des Graffitis und entzieht für gewisse Artists die Sinnhaftigkeit einer Arbeit, aber gleichzeitig wird ein offener Rahmen geboten, der durchaus genutzt werden kann.

Streetart Kubinplatz 1
Foto: Norbert Wabnig

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