Stadtimker: Sumsi in der City

Dass Honigbienen die Stadt lieben, überrascht. Ein Aufklärungsflug durch spannende Facts. Dazu Begegnungen mit zwei Imkern aus Leidenschaft und der Privatbrauerei Hirt, die alle auf eigene Weise wertvolle Bewusstseinsarbeit für die Biene leisten.

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Adriana Traunmüller ist über den Dächern der Bundeshauptstadt für die Wiener Bezirksimkerei im Einsatz. Und auch in Klagenfurt starten City-Imker durch Foto: Privatbrauerei Hirt/Martin Steinthaler

Adriana Traunmüller ist Wiens erster Imkerlehrling. „Es gibt kaum etwas Besseres, als um sechs Uhr in der Früh einen Blick in einen frisch geöffneten Bienenstock zu werfen. Die Stadt erwacht, und Hunderte kleine flauschige Köpfe schauen einen zwischen den Zargen heraus an“, beschreibt sie ihren Arbeitsalltag. Kaum eine andere Tierart verfügt über so viel Sympathie wie die Biene. Doch der Lebensraum von Maja und Willi wird zunehmend eingeschränkt. Monokulturen landwirtschaftlicher Bewirtschaftung sowie der Einsatz chemischen Düngers führen zu einer Reduktion der für unser Ökosystem so bedeutenden Lebewesen. Eine Lösung hierfür ist die vermehrte Ansiedelung von Bienenvölkern in der Stadt.

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Stadtimkerin Adriana Traunmüller ist das neue öffentlichkeitswirksame Gesicht der Kärntner Privatbrauerei Hirt Foto: Privatbrauerei Hirt/Martin Steinthaler

Stadtimker

Das Nahrungsangebot für Bienen in der Stadt ist groß: Parks, Kleingärten, Terrassen und Balkone bieten aufgrund ihrer Pflanzenvielfalt gute Voraussetzungen für glückliche Bienen und hervorragenden Honig: „Honig aus dem urbanen Bereich enthält sehr oft weniger nachweisbare Rückstände als im ländlichen Bereich, weil in der Stadt weniger Pestizide zum Einsatz kommen“, erklärt Bienenwirtschaftsmeister Michael Allesch, der schon mit Bienen aufgewachsen ist und seit 2012 einen Bio-Betrieb in Reifnitz im Vollerwerb führt.

Urbanes Bienenvolk

Dass City-Imkern kein Gag ist, beweist die Wiener Bezirksimkerei, wo Adriana Traunmüller ausgebildet wird. Der Betrieb verfügt über 120 Bienenvölker mit je nach Jahreszeit schwankender Population. Sind es beim Überwintern um die 5.000 Bienen, so kann diese Zahl im Sommer auf 40.000 Bienen pro Stock anwachsen. Traunmüller hat somit über viereinhalb Millionen Mitarbeiter, die 2017 eineinhalb Tonnen Innenstädter, Leopoldstädter usw. Honig produziert haben.

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​Arbeiterinnen, Drohnen, Königin: Über 40.000 Bienen können sich in einem Stock tummeln Foto: Studiohorst

Jungimker-Coaching

Auch in Klagenfurt wecken und unterstützen City-Imker das Interesse an der Honigbiene: Die Mitglieder des Vereins setzen sich für den Erhalt und die Ansiedlung von Bienenvölkern in der Stadt ein. Besonders beliebt ist das Schnupper-Imkern: Interessierte, die sich mit der Bienenarbeit befassen wollen, werden professionell über ein Jahr lang begleitet. „Arbeiten mit der Biene ist eine wunderbare Sache. Das macht etwas mit einem. Man beginnt anders auf die Natur zu schauen, aber auch auf sich selbst“, erklärt Michael Allesch, Gründungsmitglied der City-Imker Klagenfurt. Das Jungimker-Coaching 2018 ist bereits im Gange. Das nächste startet im Frühjahr 2019. Infos: www.cityimker.at

Fliegende Kärntnerin

Was die heimischen Imker mit den Wiener Standeskollegen verbindet? Beide fördern und züchten die Kärntner Biene, die Carnica. Die fleißige Arbeiterin zeichnet sich durch eine rasche Entwicklung im Frühjahr, ihre Sanftmütigkeit und Anpassungsfähigkeit aus. Je nach Stockgröße werden jährlich von einem Bienenvolk zwischen ein bis 50 Kilogramm Honig erwirtschaftet. Das reine Naturprodukt gibt es bei Bio-Imker Allesch und bei Adriana Traunmüller entweder als puren Honig, veredelt mit etwa Nüssen oder als Gelee Royal.

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Bio-Imker Michael Allesch weiß: "Bienen sichern die Vielfalt in der Natur. Sie sind für 80 Prozent der Bestäubung zuständig!" Foto: Studiohorst

Maja mag das

Man muss ja nicht gleich Imker werden, um Bienen etwas Gutes zu tun. Tipps für Bienenfreunde: 1. Bienenfreundliche Pflanzen säen. 2. Wiesenblumen nicht abmähen. 3. Auf bienenschädliche Pflanzenschutzmittel verzichten. 4. Honig aus der Region wählen. Honige aus dem Supermarkt können Mischungen aus Nicht-EU-Ländern sein, gepanscht oder zu früh geerntet – süße Lügen also.

Genuss-Arbeiter

  • Die verstärkte Nachfrage nach regionalen Produkten ist ein Zeichen eines neuen Qualitätsbewusstseins. Dieses bietet vielfältige Möglichkeiten für Synergie-Effekte.
  • So ist Stadtimkerin Adriana Traunmüller etwa das neue öffentlichkeitswirksame Gesicht von Hirter. Die Kärntner Privatbrauerei – übrigens einer der wenigen Betriebe, der seine Biere mit eigenem Quellwasser braut – setzt sich so für die Bewusstseinsbildung um die Biene ein und zeigt Parallelen auf: Traunmüller und die Hirter-Mitarbeiter verbindet die Leidenschaft, mit der Schätze der Natur verarbeitet werden.
  • „Bier zählt so wie Honig zu den ältesten Genüssen der Menschheit. Für echten Geschmack direkt aus der Natur braucht es keine künstlichen Zusätze oder Tricks“, ist sich Mario Donner von der Brauerei Hirt sicher.
  • Um Bienen durch das Jahr zu führen, sodass sie überleben können, dazu braucht es fundiertes Wissen sowie Gefühl und Verständnis für Natur und Tier. Die gemeinsame Arbeit mit Bienen fördert Wertschätzung, Miteinander und Kommunikation.