Quo vadis Klagenfurt?

Die Bevölkerung Klagenfurts wächst nur schwach. Um die Landeshauptstadt für Wirtschaftstreibende und vor allem junge Menschen interessanter zu machen, stehen jedoch mehrere innovative Vorhaben in den Startlöchern.

Panorama der Klagenfurter Altstadt
Klagenfurt möchte mit seinen Aktivitäten zur Stadtentwicklung insbesondere junge Menschen und Wirtschaftsbetriebe ansprechen Foto: StadtPresse Klagenfurt/Johannes Puch

„Man kann reich auf die Welt kommen, man kann arm auf die Welt kommen, manchmal aber kann das Schicksal grausam sein und man kommt in Villach auf die Welt“, spöttelte das Klagenfurter Stadtgerücht über den ewigen Rivalen der Lindwurmstadt. Abseits der Faschingsbühne scheint ein Leben in Villach jedoch für viele Menschen immer erstrebenswerter zu werden: Laut Erhebungen der Statistik Austria verzeichnete die Draustadt im vergangenen Jahr mit einem Plus von 1,1 Prozent nicht nur den höchsten Bevölkerungszuwachs aller Kärntner Bezirke, sondern ließ dabei auch die Landeshauptstadt, die sich mit bescheidenen 0,5 Prozent zufrieden geben musste, deutlich hinter sich. Und dass, obwohl Klagenfurt vom Billa Österreich Report 2020 der höchste Wohlfühlfaktor unter allen Städten Österreichs attestiert wurde.

Ursachenforschung

Für Villachs Bürgermeister Günther Albel besteht das Erfolgsrezept für diese erfreuliche Entwicklung aus schwerpunktmäßigen Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Lebensraum, die eine fruchtbare Job- und Freizeitlandschaft aufbereiten. Darüber hinaus dürfte der expandierende und auf einem boomenden Zukunftsmarkt agierende Infineon-Konzern ebenfalls seinen Teil dazu beitragen. Doch auch Klagenfurt hat in den genannten Bereichen einiges zu bieten: So rangiert es beispielsweise auf dem Bildungssektor mit seinem umfangreichen Angebot von der Krabbelstube bis zur universitären Einrichtung im nationalen Spitzenfeld und im Umfeld der Ostbucht ist eine europaweit einzigartige Sportspange entstanden.

Zukunftspläne

Ferner befinden sich bereits weitere Stadtentwicklungsprojekte, die aktuellen Trends Rechnung tragen, in der Pipeline. Unter dem Projektnamen „hi-Harbach“ wird etwa das erste Smart-City-Siedlungsprojekt Kärntens für knapp 1.700 Bewohner realisiert. Dabei feiert ein nachhaltiges Mobilitätskonzept seine Prämiere, das als Blaupause für eine schrittweise Implementierung im kompletten Stadtgebiet dienen soll. Das 7,5 ha große Grundstück gegenüber dem Minimundus ist für ein Hallenbad reserviert, das den Fokus auf Gesundheit, Fitness und Sport richtet.

Klagenfurter Altstadtzauber1
Kunst- und Kulturaktionen im öffentlichen Raum soll künftig ein wesentlicher Anteil an der Belebung der Innenstadt zukommen Foto: StadtPresse Klagenfurt/Franz Gerdl

Geisterinnenstadt

Könnte es daher eventuell an der Vielzahl von Leerständen liegen, dass Klagenfurts Bevölkerungswachstum nicht so richtig in die Gänge kommt? Teile der Innenstadt wirken vor allem im Sommer wie ausgestorben. Laut Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz ist ein solcher Zusammenhang statistisch nicht nachweisbar. Trotzdem wird seitens der Stadt einiges unternommen, um die Kundenfrequenz in der Innenstadt zu steigern und dem Schwinden von Gewerbelokalen entgegenzuwirken. Eine zentrale Rolle soll dabei Kunst- und Kulturveranstaltungen im öffentlichen Raum zukommen, weshalb heuer erstmals das „Klagenfurter Festival“ (22. bis 31. Mai) über die Bühne geht. Außerdem wird sich die neugegründeten Klagenfurt Marketing GmbH auch um das Geschäftsflächenmanagement der Innendstadt sowie die Standort- und Infrastrukturentwicklung kümmern.

Luftbildaufnahmen der Universität Klagenfurt und des Lakesidepark
Die Vernetzung mit der Universität Klagenfurt und dem Lakesidepark soll Klagenfurt als Teil einer technologieorientierten Wissensregion auf der Landkarte positionieren Foto: 2014 Lakeside Labs

Verjüngung

Den Luxus, über das Ausmaß des Bevölkerungszuwachses zu debattieren, können sich allerdings ohnehin nur die zwei größten Städte Kärntens leisten. Überall sonst stagnieren die Zahlen und für die Zukunft ist sogar ein Bevölkerungsrückgang zu erwarten – bei einer gleichzeitigen starken Überalterung der Gesellschaft. Die Hauptgründe für die Abwanderungstendenzen insbesondere unter jungen Kärntnern sind oftmals mangelnde Job- und Ausbildungsperspektiven. Der diesbezügliche akute Handlungsbedarf ist auch den politisch Verantwortlichen nicht verborgen geblieben. Klagenfurt wird daher laut Bürgermeisterin Mathiaschitz die Vernetzung mit der Universität und dem Lakesidepark forcieren, um so einen für junge Menschen und Wirtschaftsbetriebe noch attraktiveren urbanen Zentralraum zu schaffen sowie eine Trendwende einzuleiten.