Sprich mit mir!

Gestik, Mimik und Haltung haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie uns unser Gegenüber wahrnimmt. Körpersprachen-Experte Stefan Verra verrät, wie man Signale setzt, mit denen man sich im Berufsalltag behauptet.

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Foto: bowie15/iStock/thinkstock

Eigentlich erfüllen Sie alle Voraussetzungen und trotzdem können Sie beim Bewerbungsgespräch nicht punkten? Der Chef übergeht bei der Teamsitzung regelmäßig Ihre Vorschläge, während die Kollegen zum Zug kommen? Dann könnte es an Ihrer Körpersprache liegen! Denn: „Entscheidend ist nicht WAS Sie sagen, sondern in erster Linie WIE Sie es sagen“, ist Körpersprachen-Profi Stefan Verra überzeugt. In seinem neuen Buch analysiert er daher die Auftritte bekannter Politiker wie Donald  Trump und Sebastian Kurz und leitet daraus Tipps ab, die man direkt in sein eigenes Berufsleben integrieren  kann. Nonverbale Signale. Was verschränkte Arme, hochgezogene Schultern oder die berühmt-berüchtigte „Merkel-Raute“ bei Ihrem Gegenüber auslösen, klärt sich auch auf humorvolle Weise in den Live-Shows des Experten. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es etwa am 8. Mai im Grazer Orpheum.    

Im Gespräch mit Körpersprachen-Experte Stefan Verra

Einmal vorweg: Wie wird man überhaupt Experte für Körpersprache?     
Stefan Verra: Das hat sich im Lauf der Jahre eigentlich so ergeben. Mein Papa ist Bildhauer und da spielt das Körperliche ja eine enorme Rolle in der Gestaltung. Schon Kleinigkeiten machen einen großen Unterschied. Das hat mich immer fasziniert und mittlerweile beschäftige ich mich seit über 20 Jahren mit dem Thema Körpersprache und halte Vorträge auf der ganzen Welt.


Das heißt, die Körpersprache von Menschen ist weltweit gleich?     
Stefan Verra: Ja, das kann man so sagen. In meinem aktuellen Buch analysiere ich mit Absicht bekannte Politiker auf der ganzen Welt. Nehmen wir als Beispiel den chinesischen Staatschef Xi Jinping. Seine Alpharolle funktioniert auf der gleichen Basis wie sie auch bei uns funktionieren würde. Als Österreicher werden Sie zwar nicht verstehen, was er genau sagt, aber an seiner Körpersprache, an der Gestik und Mimik werden Sie sehr wohl erkennen, ob das was er ausdrückt freundlich oder aggressiv gemeint ist.   

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Foto: Severin Schweiger Fotografie


Was machen einflussreiche Menschen anders als alle anderen?     
Stefan Verra: Sie sind so einflussreich geworden, weil sie besonders viele Menschen für sich gewinnen konnten. Aus meiner Sicht passiert der entscheidendere Teil ja vor der großen Karriere. Deshalb habe ich auch darauf geschaut, wie die Körpersprache von Angela Merkel oder Donald Trump war bevor sie so bekannt wurden. Und das Spannende ist: Wirklich alle Politiker sind in ihrer Essenz, in ihrem wesentlichen Verhalten, ganz gleich wie sie früher waren. Wir müssen also aufhören mit dem Gedanken: Die „da oben“ sind Kunstfiguren, die von Coaches lernen, uns bestmöglich zu manipulieren. Das ist nicht so. Was Politiker beherrschen, ist die Fähigkeit, mit ihrer Körpersprache Emotionen auszudrücken, die andere Menschen dazu bringt ihnen zu Vertrauen. Bei Trump ist das zum Beispiel sehr aggressiv. Wir in Europa belächeln ihn oft, aber Tatsache ist: Er spiegelt damit die Körpersprache vieler Amerikaner wider. Dort herrscht eine große Angst vor Armut und Jobverlust. Und Angst zeigt sich besonders in einer aggressiven Körpersprache. Viele Amerikaner haben dadurch bei Trump das Gefühl: „Der versteht uns“. Angela Merkel und Sebastian Kurz haben dagegen zum Beispiel eine sehr reduzierte Ausdrucksweise. Mit langsamen Gesten und einem geringen Bewegungsumfang symbolisieren sie: „Bei uns ist alles in Ordnung“. Damit erreichen sie vor allem Menschen, die am aktuellen Status eigentlich nichts ändern wollen.

 
Welche typischen Fehler unterlaufen uns im Berufsalltag immer wieder?
Stefan Verra: Meine Erfahrung ist, dass die meisten Menschen große Angst davor haben in ihrem Job nicht ernst genommen zu werden. Egal, ob das bei einer Präsentation ist oder in einem Bewerbungsgespräch: Jeder will immer vermitteln, dass er wahnsinnig kompetent ist. Ich kann aber jedem nur raten, egal, welchen Job man hat und egal, wie wichtig die Präsentation ist: Entspannt euch ein bissl! In erster Linie musst du sympathisch wirken. Die Kompetenz kommt später. Denn sonst lösen wir bei unserem Gegenüber schnell das Gefühl von Überheblichkeit aus. Das gilt übrigens für Männer und für Frauen.

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Foto: Stefan Schweiger Fotografie


Kann man denn seine Körpersprache auch bewusst trainieren?      
Stefan Verra: Ich glaube nicht, dass wir bei unserer Körpersprache so wahnsinnig viel neu lernen müssen. Jeder Mensch hat schon als Kind eine enorme Vielfalt an Emotionen. Das Problem ist eher, dass wir uns das im Laufe der Zeit abtrainieren, weil wir Angst haben, uns vor anderen zu blamieren. Je weniger ich von mir zeige, desto weniger Fehler kann ich machen. Allerdings passiert dadurch ein viel schlimmerer Fehler: Wir verlieren unsere Authentizität. Deshalb müssen wir erst wieder lernen, unsere Körpersprache als etwas ganz Normales anzusehen.  


Und wenn ich ein schüchterner Typ bin, dem das nicht so leicht fällt?     
Stefan Verra: Es ist völlig okay nicht so hemmungslos zu sein wie beispielsweise Donald Trump. Es gibt einfach Menschen, die sind lauter und temperamentvoller und andere sind zurückhaltender. Nur eines gebe ich jedem mit: Mach dich nicht noch kleiner, weil du Angst hast einen Fehler zu machen. Das kann man auch ganz einfach üben, indem man sein Gehirn in Situationen bringt, in denen man normalerweise denkt, man könnte sich blamieren. Zum Beispiel auf einer Party eine kurze Ansprache halten. Dabei lernt unser Gehirn: Es ist völlig okay kurz im Mittelpunkt zu stehen. So lernt man mit seiner Körpersprache umzugehen und das hilft dann wiederum dramatisch bei der nächsten Bewerbung oder bei einer Präsentation im Job.


Haben Sie vielleicht drei einfache Tipps, die man beim nächsten Bewerbungsgespräch umsetzen kann?     
Stefan Verra: Gleich zu Beginn sollte man darauf achten zu lächeln. Das vergessen viele in der Aufregung. Das nächste ist beim Small-
talk eine lockere, asymmetrische Körperhaltung anzunehmen um zu vermitteln: Ich bin entspannt und Herr der Lage. Wenn es dann an die ernsten Themen geht, wenn der Chef zum Beispiel fragt „Wo ist denn ihr Kompetenzfeld?”, sollte man seine Haltung bewusst verändern: Richten Sie sich auf, stellen Sie das Lächeln ein und bleiben Sie möglichst ruhig. So erkennt das Gegenüber: „Hoppla, jetzt wird es ernst“. Durch den Wechsel von einer Emotion zur anderen vermitteln Sie, dass Ihnen das Gesagte wichtig ist.  Und genau so funktioniert Körpersprache. 

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