So will es mein Stoffwechsel

Die Low-Carb-Diät ist der Schlüssel zum Erfolg? Keineswegs. Ob wir abnehmen oder nicht, hängt nicht von unserem Diätprogramm ab – sondern davon, auf welche Lebensmittel unser Körper spezialisiert ist. Ernährungswissenschaftler meinen sogar: So mancher ernährt sich richtig, wenn er ungesund lebt.

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Schokolade oder Obst? Manchmal lohnt es sich, Heißhungerattacken nachzugeben. Foto: Wavebreak Media/Thinkstock/Wavebreakmedia Ltd.

Mehr als die Hälfte aller Österreicherinnen hat schon einmal eine Diät gemacht – doch wie viele wissen, ist nicht jede Abnehmkur von bahnbrechenden Erfolgen gekrönt. So manch verzweifelte Abspeckerin hat hinterher mehr auf den Hüften als vor der Diät. Psychologin und Buchautorin Diana von Kopp weiß: „Wir alle haben einen genetisch festgelegten Gewichtsbereich, der individuell stark variiert. Rutschen wir darunter, giert der Körper nach energiereichem Essen wie Schokolade, Eiscreme und Pizza.“ Geben wir unseren Gelüsten nach, so bewegt sich der Zeiger der Waage wieder stetig nach oben.

Die Tricks des Hirns

Schreit unser Gehirn im Glauben, eine Hungersnot überstehen zu müssen, nach Kalorien, sind wir meist nicht wählerisch. Fettes, Süßes, Salziges – Hauptsache hochkalorisch. Das Problem beim unkontrollierten Hineinschaufeln: Jeder Körper reagiert auf bestimmte Lebensmittel sensibler als auf andere – je nach Veranlagung. Ernährungsberaterin Christina Schnitzler, die sich auf die verschiedenen Stoffwechseltypen spezialisiert hat, erklärt: „Je nach Abstammung können wir die Enzyme für die Verbrennung von Fetten und Kohlenhydraten unterschiedlich gut produzieren. Daraus ergeben sich Unterschiede in der Reaktion auf die Mahlzeiten.“ Auch Diana von Kopp bestätigt: „Die wenigsten wissen, dass jeder Körper individuell auf bestimmte Lebensmittel reagiert. Bei einem steigt der Blutzuckerspiegel nach einem Donut, beim anderen nach dem Genuss von Tomaten oder Sushi dramatisch an.“

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Eine kohlenhydratfreie Diät ist nicht für jeden geeignet. Foto: iStock/Thinkstock/Martinina

 

Ungesund tut gut

Diese Unterschiede führen dazu, dass manche Menschen sich ihrem Stoffwechseltypus zufolge komplett anders ernähren müssten, als es die gängigen Ernährungsratgeber vorgeben. Christina Schnitzler meint: „Eiweißtypen brauchen beispielsweise täglich tierisches Eiweiß und vertragen Butter sehr gut.“ In einer Zeit, in der von allen Seiten zu vegetarischen Tagen geraten wird und tierische Fette oftmals kritisch gesehen werden, wagen jedoch nicht alle Eiweißtypen eine solche Ernährung. Dies ist auch bei Kohlenhydrat-Typen der Fall: Schätzungen zufolge vertragen rund 20 % aller Europäer Kohlenhydrate so gut, dass auch bei Konsum in großen Mengen keine erhöhte Gefahr von Diabetes, Herzkreislauf-Erkrankungen etc. besteht. Dass bei diesem Stoffwechseltyp die Low-Carb-Diät nicht gerade erfolgversprechend ist, versteht sich von selbst.

Alles erlernt

Um den eigenen Stoffwechseltyp herauszufinden, gibt es einige Indizien – Gewissheit verschafft aber am Ende nur eine ernährungsmedizinische Untersuchung. Christina Schnitzler ist jedoch davon überzeugt, dass die meisten Menschen ohnehin wissen, was ihnen guttut – man habe nur verlernt, auf den Körper zu hören, und schenke stattdessen allgemeinen Ratgebern mehr Beachtung. Allerdings Vorsicht: Das Verlangen nach einem Schokoriegel nach dem Mittagessen ist vermutlich nicht das, was der Körper nun unbedingt benötigt. Diana von Kopp kennt die Tücken des Körpers: „Wer gerade gut gegessen hat, sollte nicht gleich wieder Hunger verspüren. Das unbändige Verlangen nach einem Schokoriegel könnte andere Gründe haben, etwa Langeweile oder schlicht weil uns die Verpackung anspricht.“ Nicht zu unterschätzen ist auch konditioniertes Verhalten: Wer beispielsweise immer im Kino zu Popcorn greift, bekommt Lust auf eben diese, sobald er einen Kinosaal betritt. Mit den wahren Bedürfnissen des Körpers hat das nichts mehr zu tun. „Ob die Ernährung passt, erkennt man am besten daran, ob man nach den Mahlzeiten satt und zufrieden ist, ausreichend Energie hat und normalgewichtig und gesund ist“, fasst Schnitzler zusammen.

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