Teures Single-Dasein

Kostenfalle Freiheit. Wer glaubt, dass das Leben als Single pure Freiheit bedeutet, irrt. Klar, man hat zwar die ­Fernbedienung für sich. Selbiges gilt aber auch für ­Miet- und Fixkosten. Und das ist erst der Anfang.

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Das Single-Leben kann ins Geld gehen Foto: fizkes/iStock/Thinkstock

In vielen Großstädten ist fast jeder zweite Haushalt heute bereits ein Single-Haushalt – Tendenz stark steigend. Gemeint ist hier keineswegs ausschließlich die Zunahme der ewigen Junggesellen und unternehmungslustigen Scheidungswitwen. Aufgrund der beständig steigenden Lebenserwartung bestreiten auch ­immer mehr Senioren ihren Haushalt alleine. Dadurch müssen sich mehr und mehr Menschen einem massiven Problem stellen: alleine leben ist teuer. Sehr teuer sogar.

Schuldenfalle

Die ASB Schuldnerberatung GmbH rechnet vor: Die monatlichen Gesamtausgaben betragen für Alleinstehende 1.358 Euro. Paare kommen auf 2.050 Euro, also einzeln betrachtet auf 1.025 Euro. Neben den ­höheren Lebenskosten lauern zusätzliche Gefahren – in der Zukunft. "Wenn ich alleine verdiene, wird es schwieriger etwas zu sparen und zur Seite zu legen", sagt Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatung. "Das Risiko steigt, dass ich für Anschaffungen – wie etwa ein Auto – einen Kredit aufnehmen muss." Warum ist es so ein teurer Luxus, allein zu ­leben? Wir haben uns ange­sehen, was Singles das Geld aus der Tasche zieht.

1. Wohnen

Alleinstehende zahlen den größten Singlezuschlag beim Wohnen. Von 1986 bis 2016 haben sich die Single-Haushalte in Österreich nahezu verdoppelt. Laut dem Wiener Magistrat für Statistik (MA 23) könnten bis 2035 mehr als die Hälfte der Haushalte in der Bundeshauptstadt aus nur einer Person bestehen. Besonders brisant: Bereits jetzt haben nur 17 Prozent aller angebotenen Immobilien eine für Alleinstehende passende Größe. Durch das mangelnde Angebot und die hohe Nachfrage steigen die Preise. Der Einbau eines Badezimmers, einer ­Küche etc. ist zudem immer gleich aufwendig – egal wie groß die restliche Wohnung ist. Selbst wenn Singles also eine kleinere Wohnung finden, zahlen sie pro Quadratmeter ordentlich drauf. Laut Referenzbudget der Schuldnerberatung kommt ein Single in Österreich auf Mietkosten von 470 Euro pro Monat. Hinzu kommen weitere 239 Euro an Nebenkosten. Das ergibt stattliche 709 Euro pro Monat. Ein Durchschnittspaar zahlt im Gegensatz einen Mietzins von 533 Euro und kommt mit Nebenkosten auf 889 Euro. Pro Person sind das also ­gerade einmal 444,50 Euro im Monat.

2. Strom und Gas

Wieso aber sind auch die Nebenkosten für Pärchen nur unwesentlich höher als für Singles? Brauchen zwei Personen nicht mehr Strom als eine? Das Teuerste an Strom, Gas und Internet ist die Netznutzungs- bzw. Grundgebühr. Dabei ist es völlig einerlei, ob man alleine oder zu zweit wohnt. Der Verbrauch fällt kaum mehr ins Gewicht. Kann man sich die Grund­kosten teilen, steigt man ­klarerweise besser aus.

3. Medien

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Internetzugang. Auch die GIS wird für die genützten Geräte und nicht pro Nutzer gezahlt. Ebenso können Netflix, Amazon Prime, Tageszeitungen und Magazine in Mehrpersonenhaushalten partnerschaftlich geteilt werden – und ­somit auch die Kosten. Das Gleiche gilt übrigens auch für neue Anschaffungen wie Kühlschrank, Waschmaschine und Co. 4. Reisen

4. Reisen

Single-Aufschläge gelten auch und vor allem beim Reisen. Meist werden Übernachtungen pro Zimmer und nicht pro Person abgerechnet. Wenn doch, dann droht der "Einbettzimmeraufschlag". Besonders drastisch fällt dieser auf Kreuzfahrten aus. Aufschläge zwischen 70 und 90 Prozent für eine Einzelkabine sind durchaus üblich. Und auch den Mietwagen im Urlaub kann man sich als Single natürlich nicht teilen.

5. Mobilität

Wie im Urlaub können auch im gemeinsamen Haushalt Fahrzeuge gemeinsam genützt werden. Das zahlt sich aus. Laut dem Car Cost Index von LeasePlan machen die Fixkosten rund 84 Prozent der monatlichen Kosten für einen Pkw aus. Rund 540 Euro kostet es pro Monat, ein Auto zu besitzen. Aber auch wer nicht mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, spart. Geht es abends alleine heim, ist das Taxi oder Uber allein zu zahlen. Pärchen können hier fifty-fifty machen. Einzig beim öffentlichen Verkehr gelten auch für Paare die doppelten Kosten.

6. Einkaufen

Wer beim Einkaufen nicht aufpasst, der lässt viel Geld liegen. Meist sind kleine Packungsgrößen um einiges teurer als große. "Das trifft aber nicht nur Singles, sondern alle Konsumenten, die zu kleineren Packungen greifen", erinnert Roman Umschweif, vom Konsumentenschutzverband Österreich. Der Grund liegt darin, dass auch bei kleineren Abgabegrößen die Verpackung produziert und das Produkt von A nach B transportiert werden muss. Der kleine Artikel kommt Handel und Produzent durch das Handling teurer. Das kann man sich ähnlich wie bei den Netzkosten vorstellen: Das Produkt selbst fällt preislich nicht mehr so stark ins Gewicht. "Wenn man als Konsument nicht aufpasst, zahlt man den doppelten Preis", sagt Umschweif. "Es ist wichtig auf den Grundpreis zu achten, das ist der Preis pro Kilo oder Liter oder andere Maßeinheit", betont auch Gabriele Zgubic, Konsumentenschützerin der AK Wien. Seit einigen Jahren ist der Handel verpflichtet, den Grundpreis am Regal ­auszuweisen. "Konsumenten können so gut vergleichen und müssen nicht mit dem Taschenrechner durch den Supermarkt laufen", sagt ­Umschweif. Der Griff zur Großpackung kann sich also auszahlen. "Wenn es sich um Lebensmittel handelt, die lange haltbar sind, lohnt es sich die größere Packung zu nehmen, wenn der Grundpreis günstiger ist", rät ­Zgubic. Heikel wird es bei verderblichen Lebensmitteln. "Wenn man nicht gerade ­einen Kilo Extrawurst kauft, fallen die Preisunterschiede gar nicht auf. Gerade wenn es um Ein- oder Zwei-Euro-Beträge geht, bemerkt man den Unterschied häufig nicht“, sagt Umschweif. Man solle sich aber nicht täuschen ­lassen, mahnt der Experte: „Nicht zu vergleichen kann sich in Summe ganz schön im Haushaltsbudget niederschlagen." Und Zgubic warnt: "Bei schnell verderblichen Lebensmitteln sollte man gut einschätzen, ob man diese auch wirklich aufbrauchen wird. Wenn man Lebensmittel wegwirft, zahlt man auch mehr als notwendig."

Preisvergleich

Miete und Betriebskosten*
Single: 470 Euro
Paar: 533 Euro / p. P: 266,50 Euro

Strom*
Single: 32 Euro
Paar: 52 Euro / p. P.: 26 Euro  

Heizung*
Single: 46 Euro
Paar: 55 Euro / p. P: 27,50 Euro  

Lebensmittel*
Single: 340 Euro
Paar: 613 Euro / p. P. 306,50 Euro  

Monatliche Kosten Kfz**
Single: 540 Euro
Paar: 540 Euro / p. P. 270 Euro

Eine Nacht in einem Thermenhotel
Single: 95 Euro
Paar: 149 Euro / p. P: 74,50 Euro

*Referenzbudget der ASB Schuldnerberatung

**Car Cost Index von LeasePlan