„Sind das Feuer, nicht die Asche“ – Josef Herk im Interview

Wahlkämpfer. Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk spricht im Weekend Interview über sein Wahlziel, mangelnde Kultur des Scheiterns, CO2-Steuern und Lösungen für den Fachkräftemangel.

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1982 schloss Josef Herk die Meisterprüfung im Karosseriebauerhandwerk ab und übernahm 1988 den elterlichen Betrieb. Seine politische Karriere startete 1995 im Gemeinderat seiner Heimatstadt Knittelfeld und als Landesinnungsmeister-Stellvertreter. 2011 übernahm er das Amt des Wirtschaftskammerpräsidenten und 2012 das Amt des Vizepräsidenten des Österreichischen Wirtschaftsbundes. Foto: Angelo Lair

weekend: Sie sind seit 2011 WKO- Präsident. Was ist in dieser Zeit gut geglückt, was weniger?
Josef Herk: Wenn ich zurückblicke, möchte ich schon sagen, dass einiges gelungen ist. Wir haben die Organisation in ein neues Zeitalter geführt, verstehen uns als zeitgemäßen Dienstleister und versuchen, Ideengeber zu sein. Was mich besonders freut, dass ich merke, dass man bei uns im Haus den Geist der Weiterentwicklung spürt. Wir sind keine Bewahrer, wir sind nicht die Asche, sondern das Feuer.

weekend: 2015 ist die Wahlbeteiligung in der Steiermark gesunken. Zudem hat Ihre Fraktion, der Wirtschaftsbund, mehr als 7 Prozent verloren. Was sind Ihre Ziele für die kommende Wahl?
Josef Herk: Als Unternehmer muss immer das Ziel sein, ein Plus vorne zu haben. Das wird aufgrund des starken Zuwachses an Mitgliedern, den wir in den letzten fünf Jahren verzeichnen konnten, sicherlich eine Herausforderung.

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Foto: Angelo Lair

 

weekend: Wie werden sich die Veränderungen in der Bundespolitik, sprich Schwäche von FPÖ und SPÖ bei gleichzeitiger Erstarkung der Grünen auswirken?
Josef Herk: Da kann ich nur mutmaßen: Ich denke, dass manche Etablierte eher verlieren werden und andere werden gewinnen. Ich glaube aber nicht, dass die Veränderung gravierend sein wird.

weekend: 2019 ist bei Firmenpleiten trotz Hochkonjunktur ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Worauf führen Sie das zurück?
Josef Herk: Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass davon ein großer Teil von Ein-Personen-Unternehmen betroffen ist. Grundsätzlich gibt es natürlich immer so etwas wie unternehmerisches Risiko. Andererseits sind viele Gründer sehr erfolgreich. Rund 73 Prozent der Neugründer sind fünf Jahre später noch am Markt.

weekend: Haben wir in Österreich einen falschen Blickwinkel, was das Thema Scheitern betrifft?
Josef Herk: Das kann ich nur unterschreiben. In manchen Kulturkreisen sieht man das anders. Sehr oft ist das Scheitern ja unverschuldet. Da brauchen wir tatsächlich eine andere Betrachtung des unternehmerischen Tuns. Jeder verdient eine zweite Chance.

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Foto: Angelo Lair

 

weekend: Mit den Grünen in der Regierung wird der Klimawandel stark thematisiert. Sind Wirtschaft und Klimawandel kompatibel?
Josef Herk: Für mich ist die Wirtschaft nicht das Problem, sondern die Lösung. Wir sind uns der Verantwortung seit Jahren bewusst und haben in Richtung Klimaschutz schon viel getan. Ich denke da beispielsweise an den Green Tech Cluster, wo Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch ist.

weekend: Auch steuerlich soll sich einiges tun. Wie sehen Sie die Diskussion rund um die CO2-Steuer?
Josef Herk: Ich lehne jede zusätzliche Steuer ab, weil wir uns das nicht mehr leisten können. Ich verschließe mich aber keineswegs, wenn Abgabenbereiche neu definiert werden. Darüber kann man diskutieren.

weekend: Die Steiermark hat mit einem eklatanten Facharbeitermangel zu kämpfen. Wo liegen die Probleme?
Josef Herk: Wir diskutieren immer den Fall, dass der Wiener Koch nach Vorarlberg gehen soll. Das ist Blödsinn. Ich höre von Unternehmern, dass jemand aus Graz nicht einmal in Deutschlandsberg arbeiten will. Es gibt halt leider einige, die sich in der sozialen Hängematte wohler fühlen als am Arbeitsmarkt. Da braucht es einen Ansatz und auch entsprechende Konsequenzen.