Schicksale mit Fell

Die Arche Noah. Seit 40 Jahren kümmern sich die Mitarbeiter der Arche Noah um ausgesetzte, verletzte oder verwaiste Tiere. Wir waren zu Gast im Grazer Tierheim.

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Foto: Markus Trinkl

Ohrenbetäubendes Bellen und Winseln empfängt uns, als wir den Hinterhof des Grazer Tierheims Arche Noah betreten. Rund 150 Hunde haben in den Zwingern ein vorübergehendes Zuhause gefunden und warten hier auf neue Besitzer. „Vor dem Winter fürchten wir uns jedes Mal“, erzählt Obmann Charly Forstner, der uns zwischen den Zwingern bis ganz nach hinten zu den Wolfshunden führt. Denn viele der Hunde sind kälteempfindlich – doch die Arche Noah bietet nicht genug geschlossene Räume, um allen Tieren ein warmes Zuhause für den Winter bieten zu können. Gelöst wird die Situation durch Heizmatten, die in die Zwinger gelegt werden: „Darauf können sich die Tiere zumindest beim Schlafen ein wenig aufwärmen“, so Forstner. Während wir durch die Reihen spazieren und von den Vierbeinern teils neugierig, teils ängstlich beäugt werden, erfahren wir: Viele der Hunde werden von ehrenamtlichen Spaziergängern ausgeführt. Das kann grundsätzlich jeder machen: Nach einer telefonischen Terminvereinbarung wird gemeinsam mit einem Hundetrainer der passende Hund ausgesucht. „Allerdings gibt es auch Hunde, die gar nicht oder nur mit bestimmten Personen mitkommen“, meint Forstner. Denn jedes Tier der Arche Noah hat sein eigenes Schicksal – und muss teilweise erst wieder Vertrauen zu den Menschen aufbauen. Dazu gibt es in der Arche Noah übrigens auch eigene Trainer, die darauf spezialisiert sind, verstörte oder traumatisierte Tiere wieder zu zutraulichen Haustieren zu machen.

Weg zur Adoption. Besonders deutlich wird dies auch bei den Katzen. Diese sind großteils im Gebäude in Käfigen untergebracht, können aber wie die Hunde von ehrenamtlichen „Streichlern“ betreut werden. „Nur, wenn die Katzen nicht scheu sind, sind sie auch vermittelbar. Niemand möchte eine Katze, die ständig davonläuft“, fasst Forstner zusammen. Die Adoption läuft relativ unkompliziert ab; die zukünftigen Halter werden allerdings kurz überprüft, damit die Tiere nicht an den falschen Besitzer geraten. Das Arche-Noah-Team berät dann dabei, welches Tier für den zukünftigen Besitzer in Frage kommt. Ist das passende Haustier gefunden, steht einer 14-tägigen Probezeit nichts im Weg. Zum Service gehört auch die tierärztliche Nachbetreuung, sollten gesundheitliche Probleme auftreten. Die Tiere sind bei der Vergabe kastriert, gechipt und registriert sowie mit zwei Impfungen versehen. Nach Ende der Probezeit und mit Entrichtung der Schutzgebühr (300,– Euro für Hunde, 100,– Euro für Katzen) wird das Tier auf den neuen Besitzer registriert. Einen Spezialfall stellen Tiere dar, die älter als 10 Jahre sind: Sie werden kostenlos vergeben.

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Foto: Markus Trinkl

Spenden erwünscht. Die 45 Mitarbeiter der Arche Noah sowie die Tierrettung, die täglich rund um die Uhr im Einsatz ist, werden durch Spenden finanziert. Auch die durchaus beachtlichen Futtermengen, die Tag für Tag sowohl an die Tiere des Tierheims als auch an streunende Katzen verteilt wird, stammen ausschließlich aus Spenden: „Dafür gibt es Spendenboxen, z. B. bei Billa und Spar, bei denen die Menschen ihre Futterspenden abgeben können“, erklärt Charly Forstner. Viel Geld fließt in die Versorgung der Katzen, die mehr medizinische Betreuung benötigen als Hunde. „Wir sind nicht hier, um Tiere zu töten. Wenn sie medizinische Hilfe benötigen, stellen wir sie ihnen zur Verfügung“, stellt er klar.

Tierische Tragödien. Die Gründe, weshalb die Tiere in der Arche Noah landen, sind vielfältig. Zeitmangel und Allergien sind häufige Angaben – ob sie immer der Wahrheit entsprechen, sei dahingestellt. Doch manchmal stecken auch große menschliche Schicksale dahinter: So etwa bei Basti, einem 13 Jahre alten Golden Retriever, dessen Frauchen vor Kurzem verstorben ist. Oder bei einem „Scheidungshund“, der derzeit noch darauf hofft, dass ihn entweder sein Herrchen oder sein Frauchen wieder nach Hause holen, sobald sie ihren Rosenkrieg überwunden haben. Vor allem Katzen werden oft auch als Findlinge abgegeben: „Im Frühling und im Herbst bekommen wir sehr viele Katzenbabys, die Finder bei uns abgeben. Hier sind wir auch verstärkt auf Katzen- und Aufziehmilch-Spenden angewiesen“, erzählt Obmann Charly Forstner. Im kommenden Jahr steht übrigens ein großer Umbau bevor: Die „Styriarche“ soll ein Tierheim werden, bei dem so wenige Gitter wie möglich zum Einsatz kommen und bei dem die Tiere weniger Stress durch Besucher ausgesetzt sind.

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