Frauenpolitik!? LRätin Sara Schaar im Interview

Nein zum Sparstift. In Bezug auf Frauenpolitik gibt es in Österreich zahlreiche Baustellen. Zu diesen gesellen sich laut Landesrätin Sara Schaar mit den Förderkürzungen der Bundesregierung weitere bedenkliche Trends.

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„Auch die nötigen Beratungsleistungen für Menschen, die oft unverschuldet in Not geraten - und das sind meist Frauen - werden gekürzt.“ Sara Schaar, Landesrätin Foto: Gernot Gleiss

weekend: Die SPÖ ortet einen Rückwärtsgang in der Frauenpolitik. Wie macht sich dieser bemerkbar?
Sara Schaar: Die türkis-blaue „Frauen zurück an den Herd“-Politik wird nicht nur durch die Ablehnung des Frauenvolksbegehrens deutlich, sondern auch durch die Einführung der 60-Stunden-Woche. Frauen werden es, wenn sie sich für Kinder entscheiden, schwerer haben, da die notwendigen Kinderbetreuungsplätze ohne Bundesmittel nicht ausgebaut werden können. Viele werden vom neuen Familienbonus gar nicht profitieren, nämlich die, die es jetzt schon nicht leicht haben. Am Ende bedeutet das oft Altersarmut, von der Frauen stärker betroffen sind.

weekend: Was ist nun besonders wichtig?
Sara Schaar: Aufzuzeigen, welche Konsequenzen diese ersten unmenschlichen Schwerpunktsetzungen der Bundesregierung haben, wie etwa durch unsere kürzlich weitergeleitete Petition. Obwohl Frauen in unserer Gesellschaft meist sehr genau wissen, was sie wollen und ihren Weg selbst finden, zeigen diese Maßnahmen schon deutlich auf, wohin die Reise langfristig gehen soll. In Kärnten gehen wir hier ganz bewusst einen anderen Weg, wie zum Beispiel mit dem kürzlich eingeführten Kinder-Stipendium.

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Sara Schaar (33) wurde in Spittal/Drau geboren. Von 2011 bis 2018 war die Betriebswirtin SPÖ-Bezirksgeschäftsführerin in Spittal. Im April wurde sie als Kärntner Landesrätin angelobt Foto: Gernot Gleiss
weekend: Gleichwertiger Lohn für gleichwertige Arbeit: Dieser frauenpolitische „Brocken“ wird seit Jahrzehnten - auch in den Vorgänger-Regierungen - zum Thema gemacht. Warum ist Lohngerechtigkeit bei uns so schwer bis gar nicht umzusetzen?
Sara Schaar: Ich denke, es fehlt an Solidarität - sowohl unter den Geschlechtern als auch unter den Frauen - und an Selbstbewusstsein. Laut den Kollektivverträgen gibt es keine Unterschiede mehr, aber bei den individuellen Gehaltsverhandlungen treten Männer mit mehr Selbstbewusstsein auf und Frauen überlegen zu oft, bevor sie verhandeln gehen. Ein Ausweg wäre natürlich die Transparenz der Gehälter in den Unternehmen. Bis dahin gilt es, Frauen zu ermutigen, sich nicht unter Wert zu verkaufen.

weekend: Von Kürzungen der Bundesregierung sind in Kärnten auch die acht Beratungsstellen in den Bezirken betroffen. Diese sind Ansprechpartner und oft letzter Anker für Menschen, die zum Beispiel mit häuslicher Gewalt und finanziellen Notsituationen kämpfen.
Sara Schaar: Trotz der Kürzungen können wir zwar gewisse, wertvolle Beratungsleistungen aufrechterhalten, aber für wichtige Präventionsarbeit wird uns in Zukunft das Geld fehlen. Je stärker wir sensibilisieren können, dass Frauen auf sich und ihre Zukunft schauen sollen, dass es wichtig ist, gut ausgebildet zu sein und selbstbewusst beispielsweise bei Lohnverhandlungen aufzutreten, um so auch für die eigene Pension vorzusorgen, desto mehr könnten wir schon im Vorfeld abfedern. Das alles ist durch die derzeitige Bundesregierung nicht mehr gewährleistet und das werden wir auch als Land Kärnten nur bis zu einem gewissen Grad abfedern können.