Salzburg: Finden die Sommerfestspiele statt?

Präsidentin Helga Rabl-Stadler im Gespräch mit Weekend.

Festspiele Helga Stadl Rabler
Foto: Bernhard Müller/Salzburger Festspiele

Ab 14. April läuft der Online-Kartenverkauf für die Jubiläumsfestspiele im Sommer. Das Direktorium wird erst anhand der Lage Ende Mai entscheiden, ob und in welcher Form das wohl wichtigste Kulturfestival des Landes stattfinden wird. Helga Rabl-Stadler bekräftigt diese Strategie im Gespräch mit weekend.at.

Weekend: Frau Präsidentin, wie geht es Ihnen persönlich mit der gesamten Situation? Sind Sie auch im Home Office und wie kommen Sie damit zurecht?

Rabl-Stadler: Nun bin ich seit zehn Tagen im Home Office und sitze noch immer in der Falle, in der alle nicht daran gewöhnten Homeworker sitzen. Ich arbeite viel zu viel und beantworte von 7 Uhr morgens bis 11 Uhr nachts Emails. Außerdem bin ich eine Teamarbeiterin, freue mich sonst immer auf den täglichen Austausch und direkten Kontakt mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Festspielhaus. Der fehlt mir. Dafür freunde ich mich nun vermehrt mit Videokonferenzen, Streaming und Podcasts an.

Festspiele Helga Stadl Rabler
„Die Gesundheit hat Vorrang vor schönen künstlerischen Ideen.“ Foto: www.neumayr.cc

Weekend: Sie machen die Frage, ob die Sommerfestspiele stattfinden werden, von der Lage Ende Mai abhängig. Kaum jemand rechnet damit, dass die Pandemie dann ausgestanden sein wird. Wäre es nicht besser, das Festival mit den vielen internationalen Gästen und Künstlern auf eine Zeit nach der Pandemie zu verschieben?

Rabl-Stadler: Es gibt keinen Grund, jetzt unüberlegte, übereilte Entscheidungen zu treffen. Leider sind unsere Entscheidungen abhängig von unberechenbaren Unbekannten, der Entwicklung der Corona-Pandemie und den damit im Zusammenhang stehenden politischen Entscheidungen. Aber eines ist ganz klar, die Gesundheit unserer Mitarbeiter, unserer Künstler, unseres Publikums hat Vorrang vor noch so schönen künstlerischen Ideen, vor noch so wichtigen ökonomischen Überlegungen.

Weekend: Gibt es bereits Absagen von Künstlern aus dem Ausland? Von Reisefreiheit kann ja jetzt keine Rede mehr sein.

Rabl-Stadler: Es gibt keine Absagen, weil auch die Künstlerinnen und Künstler selbstverständlich die weitere Entwicklung der Pandemie und alle damit im Zusammenhang stehenden Entscheidungen abwarten.

Festspiele Helga Stadl Rabler
Foto: Weekend

Weekend: Haben Sie Planungen für den Worst case, etwa in Richtung von Aufführungen, die „gestreamt“, aber nicht real besucht werden können?

Rabl-Stadler: Wir haben viele Pläne für verschiedene Szenarien. Aber, sie werden mir Recht geben, Pläne hat man, aber über die spricht man erst, wenn der jeweilige Fall eintritt.

 

Helga Rabl-Stadler wurde am 2. Juni 1948 geboren und ist seit 1995 Präsidentin der Salzburger Festspiele. Sie fungiert als Vertretung nach außen quasi als „Außenministerin der Festspiele“ und baute das Sponsoring-Netzwerk mit derzeit vier Hauptsponsoren – Audi, Siemens, Kühne-Stiftung und Rolex – sowie zahlreichen Projektsponsoren erfolgreich auf. Rabl-Stadler war mit dem früheren Kurier-Chefredakteur Peter Rabl verheiratet und hat zwei Kinder.