Wohin jetzt mit Milch und Fleisch?

Corona und Salzburgs Landwirtschaft. LR Josef Schwaiger im Interview.

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Foto: www.neumayr.cc

Auch Salzburgs Bauern sind von der Corona-Krise und deren Auswirkungen betroffen. Agrar-Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) erläutert im Gespräch mit Weekend online, wie es um die Landwirtschaft aktuell steht und was jeder einzelne Bürger tun kann, um die heimischen Lebensmittelproduzenten zu unterstützen.

Weekend: Herr Landesrat, die Corona-Krise trifft die Landwirtschaft durch den Ausfall der Erntearbeiter im Osten Österreichs sehr hart. Wie ist die Lage im Bundesland Salzburg?

Schwaiger: Deutlich besser. Jene Kulturen, für die man Erntearbeiter benötigt, sind in Salzburg sehr klein strukturiert. Die Gärtnerbetriebe berichten mir, dass sich hier die Lage vor allem durch einheimische Mitarbeiter bewältigen lässt.

Weekend: Was passiert mit den Milchprodukten, mit Fleisch, Gemüse und Eiern, die jetzt nicht mehr an die Hotellerie und die Gastronomie verkauft werden können?

Schwaiger: Die Situation in der Milchwirtschaft spitzt sich zu, aber vor allem bei Rindfleisch werden die Landwirte in naher Zukunft große Absatz- und somit Preisprobleme bekommen. Dies aber nicht nur in Salzburg, sondern in ganz Österreich und in ganz Europa. Hier wird bereits an europäischen Programmen gearbeitet. Im Gemüsebereich wird sehr viel direkt vermarktet und so läuft der Absatz trotz so mancher Marktschließungen dank der Treue der Kundschaft relativ gut. Bei den Eiern hat eine Handelskette jenen Bereich ins Sortiment aufgenommen, der durch den Ausfall der Gastronomie weggebrochen ist.

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„Die Situation in der Milchwirtschaft spitzt sich zu.“ Foto: www.neumayr.cc
Weekend: Besteht die Gefahr, dass aufgrund des Überangebots der Milchpreis wieder sinkt? Bald beginnt ja die Weidesaison, da wird noch mehr Milch produziert.

Schwaiger: Ja, die Gefahr ist sehr groß. Die noch vor 14 Tagen unerwartet hohe Nachfrage nach Milchprodukten hat sich bereits abgeflacht und der Appel, weniger Milch zu produzieren, ist zudem nur schwer umsetzbar, da die Milchkühe nach der winterlichen Abkalbung in die neue Laktation kommen. Gepaart mit der baldigen Weidesaison wird das Angebot weiter zunehmen, während die Nachfrage bestenfalls stagniert. Hier sind größere Probleme für die Salzburger Landwirtschaft zu erwarten.

Weekend: Was kann der Konsument tun, damit unsere Bauern nicht auf ihren Lebensmitteln sitzenbleiben?

Schwaiger: Am besten ist es, den heimischen Lebensmitteln den Vorrang zu geben. Oftmals sind es nur einige Cent, die den Ausschlag geben, ob wir unsere Bauern oder die internationalen Märkte unterstützen. So kann jeder von uns dazu beitragen, dass die Versorgung krisensicher ist und unser Land so gepflegt wird, wie es scheinbar so selbstverständlich ist.

 

DI Josef Schwaiger ist studierter Agrarökonom und seit 2013 Landesrat in der Regierung Haslauer jun. I und II. Er ist zuständig für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Raumordnung und Personal.