Rotes Hollywood

Der GAK ist wieder da. Nach fünf Aufstiegen in Serie sind die „Roten“ wieder dort, wo sie vor ihrer Liquidierung waren. Obmann Harald Rannegger über den Titel in der Landesliga, den Umbau und einen sehnlichen Wunsch.

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Feuer und Flamme für den GAK: Die große Zahl des Anhangs wird die Roten auch in der Regionalliga wieder von allen anderen Vereinen unterscheiden. Foto: GEPA Pictures
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Meisterehrung: LH Schützenhöfer, BV Obenauaus mit GAK-Kapitän Säumel, StFV-Boss Bartosch und Stadtrat Hohensinner (v.r.) Foto: GEPA Pictures

Weekend: Herr Obmann, was bedeutet der fünfte Titel in Folge?

Harald Rannegger: Damit ist zweifellos ein großer Wunsch-traum in Erfüllung gegangen. Man darf ja nicht vergessen, wir sind eigentlich vor dem Nichts gestanden. Den Klub hätte es ja im Prinzip nicht mehr gegeben. Dann sitzt du da mit deinen Freunden und du fragst dich, werden wir überhaupt wieder einmal Fußball zuschauen gehen können? Werde ich mit meinen Enkeln jemals auf den Platz gehen können? Rückblickend ist es deshalb einfach nur ein Wahnsinn, was wir bisher erreicht haben. Es ist einfach gigantisch zu sehen, wie vielen Leuten dieser Klub so viel bedeutet. Und es ist auch eine geile Story, fast wie in Hollywood. Da wird einer, wie Rocky, viermal niedergeschlagen, dann steht er auf und gewinnt.

weekend: Jetzt hat man die Regionalliga erreicht – wird es dafür einen großen Umbau im Kader geben?

Harald Rannegger: Wir haben im Winter schon vier sehr gute Spieler geholt. Jetzt werden wir fünf, sechs Neue holen. Wobei wir da ein Augenmerk darauf legen müssen, dass in der Regionalliga vier U-22-Spieler auf dem Spielbericht stehen müssen. Und diese Jungs müssen einfach Qualität mitbringen.

weekend: Wo wird sich das Budget bewegen?

Harald Rannegger: Ohne die neue Tribüne reinzunehmen, werden wir ungefähr bei 950.000 Euro liegen. Zwischen 50 und 60 Prozent davon werden die Gehaltskosten für Spieler und Trainerteam sein.

weekend: Da Sie es gerade ansprechen: Wie ist jetzt der genaue Stand der Dinge beim Umbau mit Weinzödl?

Harald Rannegger: Der erste Bauabschnitt wird im Winter kommen – da wird anstelle der kleinen, alten Tribüne, eine neue mit ungefähr 1.200 Sitzplätzen errichtet. Dieser erste Abschnitt ist mit 1,1 Millionen Euro netto dotiert – 800.000 zahlt die Stadt, 300.000 Euro übernehmen wir selbst. Das große Ziel ist aber, in Weinzödl eine echte Stadionatmosphäre zu erschaffen. Deshalb wollen wir auch die Nordkurve, wo unsere Fanklubs stehen, überdachen und vielleicht auch etwas bei der Osttribüne machen. Das geht aber alles erst im nächsten Sommer.

weekend: Aber zahlt es sich überhaupt aus, in ein Stadion zu investieren, das einem nicht gehört?

Harald Rannegger: Es gibt keine Alternative. Ja, wir sind in Weinzödl nur Mieter, aber wo willst du sonst spielen? Liebenau ist im Moment weit weg – niemand will dorthin. Auch wegen der Kosten, nur zum Vergleich: Ein Match in Weinzödl kostet uns 2.300 Euro – in Liebenau wären es zwischen 12.000 und 14.000.

weekend: Wann wird der GAK wieder in der Bundesliga spielen?

Harald Rannegger: Das kann man nicht planen. Natürlich wäre es genial, durchzumarschieren. Es wäre aber vermessen, dies jetzt als Ziel auszurufen. Jetzt sind wir einmal wieder dort, wo wir schon einmal waren. Das hat uns ja anfangs auch niemand zugetraut. Jetzt schauen wir einmal auf den nächsten Schritt. Sicher sind wir ein sehr ehrgeiziger Verein – aber alles muss im Rahmen bleiben und man darf nicht überziehen. Auch ich als Obmann hab einmal lernen müssen, dass man nie emotionale Entscheidungen treffen darf.

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Regisseur für ein hollywoodreifes Fußballmärchen: Harald Rannegger hat den GAK wieder in die Regionalliga geführt. Foto: GEPA Pictures

 

weekend: Jetzt ist Ihr Obmannsjob beim GAK ja eigentlich nur ein Hobby – wie lange wollen Sie das eigentlich noch machen?

Harald Rannegger: Ehrlich, nach dem Meistertitel hab ich schon Verschleißerscheinungen bemerkt. Ich war müde und leer. Aber ich denke, das ist auch normal, wenn man das so intensiv lebt, wie das alle bei uns machen. So lange mir die Sache Spaß macht, mache ich sicher weiter und momentan macht es noch sehr viel Spaß. Aber ich hätte auch keine Bedenken, sollte ich einmal aufhören. Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt. Aber wir sind so breit eit aufgestellt, dass es da keine Probleme geben würde.

weekend: Vor der Saison hat man sich für viele überraschend vom sportlichen Leiter Heinz Karner getrennt – im Umfeld war da immer wieder von Ungereimtheiten zu hören. Was war wirklich der Grund?

Harald Rannegger: Bei uns kann niemand davon leben, was er beim GAK verdient. Wir können einfach kein Vermögen zahlen. Heinz Karner hat dann die Möglichkeit gehabt, bei einer Spieleragentur einzusteigen. Auch wir haben dann eben eine Form von Professiona- lisierung und Blutveränderung gebraucht und so haben wir uns entschlossen, in Zukunft getrennte Wege zu gehen.

weekend: Zum Abschluss, wissen Sie eigentlich, was am 21. Juli passiert?

Harald Rannegger: Natürlich. Da hoffen wir bei der Auslosung zum ÖFB-Cup auf das richtige Los (lacht). Man muss sich ja vorstellen, bei uns und bei Sturm spielen aktuell Kinder, die noch nie ein Derby gesehen haben. Natürlich wäre Sturm unser absoluter Wunschgegner in der ersten Cup-Runde.