Rotes Angebot für Christlich-Soziale: LH-Stv. Michael Schickhofer im Interview

Deutliche Worte. Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer zeichnet ein klares Bild seiner SPÖ und verordnet querschießenden Parteigenossen einen Maulkorb – außerdem lässt er mit einem interessanten Angebot aufhorchen.

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Foto: Jauschowetz

weekend: Herr Landeshauptmann-Stellvertreter, die Wohlfühlfrage zu Beginn, wie war denn Ihr Sommer?
Michael Schickhofer: Danke, wunderschön. Für mich bietet der Sommer immer die Chance, mit der gesamten Familie die Steiermark zu erleben und zu entdecken – das ist aus meiner Sicht etwas ganz Wichtiges. Vom Märchenwald bis zum Stubenbergsee haben wir da also allerlei Ausflüge gemacht – und dann waren wir noch, wie jedes Jahr, mit der gesamten Großfamilie Campen in Kroatien bei Zadar.

weekend: War es politisch auch so entspannt?
Michael Schickhofer: Schauen Sie, es war und wird immer mein Stil sein, mich nur in die Bundespolitik einzumischen, wenn es für die Steiermark wichtig ist, wenn es der Steiermark hilft – sonst werde ich mich aus diesem tagespolitischen Hickhack weitestgehend raushalten, weil in Summe bringt das einfach nichts. Es geht einfach darum, dass wir inhaltspolitisch etwas weiterbringen.

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Michael Schickhofer kämpferisch: „Wie man überhaupt als Christlich-Sozialer den türkis-blauen Weg mitgehen kann, ist mir unbegreiflich – aber vielleicht kann mir das der Hermann Schützenhöfer irgendwann erklären.“ Foto: Chris Zenz

weekend: Sie galten einst ja als Intimus von Christian Kern – haben Sie noch immer Kontakt?
Michael Schickhofer: Nein, da gibt es eigentlich keinen Kontakt mehr.

weekend: Wie sehen Sie sein Verhalten im Zuge der Schredder-Affäre?
Michael Schickhofer: Es gibt aus meiner Sicht nur eine gute Strategie und die hab ich auch bei der Bundesparteivorsitzenden stets eingefordert – wir müssen uns auf die inhaltlichen Themenstellungen konzentrieren. Dort, wo der Inhalt vor die Taktiererei gestellt wird, kann die Sozialdemokratie gewinnen – siehe Portugal, siehe Malta …

weekend: Aber irgendwie hat man den Eindruck, jedes Mal, wenn Kurz Erklärungsbedarf hätte, hilft ihm die SPÖ aus der Patsche – ist die ÖVP strategisch und marketingtechnisch einfach besser aufgestellt?
Michael Schickhofer: Im polittaktischen Gefüge schafft das die ÖVP wirklich – aber da ist es eben wichtig, dass dem Kurz niemand auf den Leim geht, sich, wie schon gesagt, nicht am täglichen Hickhack zu beteiligen, sondern eben auf den inhaltlichen Themen draufzubleiben. Und ich glaube, dass dies Pamela Rendi-Wagner zuletzt auch gut gelungen ist. Etwa mit dem Aufzeigen des Status quo im Justizbereich, der ein absoluter Wahnsinn ist. Ich kann also nur jedem in der SPÖ empfehlen, dass wir über Zukunftsbilder sprechen und nicht über Dinge, die Österreich in Wahrheit nicht weiterbringen. Wir brauchen keine Kommentatoren, sondern Gestalter.

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Foto: Chris Zenz

weekend: Kommentatoren gibt es bei der SPÖ aber einige, etwa den Tiroler Parteichef Georg Dornauer. Warum ist es so schwierig, diese Leute einzufangen?
Michael Schickhofer: Schauen Sie, Wohl und Weh der Steiermark ist so etwas von unabhängig von Dornauers & Co., dass ich das einfach nicht weiter kommentieren will.

weekend: Fehlt Pamela Rendi-Wagner im Gegensatz zu Sebastian Kurz die klare Positionierung? Wofür steht die SPÖ unter ihr?
Michael Schickhofer: In der Sozialdemokratie haben wir nie die Unterscheidung zwischen Christlich-Sozial und Rechts-Konservativ, wie bei der ÖVP, gehabt. Wir haben eine SPÖ, die klar sagt, wir lassen keinen zurück, jeder soll die gleichen Möglichkeiten haben, was die Gesundheitsversorgung betrifft, Grundsolidarität, intakte Umwelt – da ist also die Zielrichtung unter Pamela Rendi-Wagner eine sehr klare. Ich würde sie, so wie mich selbst, in die sozial-liberale Schiene einordnen. Bei uns geht niemand unter, jedes Kind ist gleich viel wert – das ist natürlich schon ein fundamentaler Unterschied zu den Rechts-Konservativen. Und genau diese Diskussion, über die gegensätzlichen gesellschaftspolitischen Zugänge müssen wir jetzt führen.

weekend: Ich nehme an, mit Rechts-Konservativ ist Sebastian Kurz gemeint?
Michael Schickhofer: Genau. Dort überlebt der Stärkere, der andere geht unter – das ist Trump, das ist Johnson. Und das ist übrigens auch der große Unterschied zu Christlich-Sozial, auch dort lässt man einen nicht ganz untergehen. Wie man überhaupt als Christlich-Sozialer den türkis-blauen Weg mitgehen kann, ist mir unbegreiflich – aber vielleicht kann mir das der Hermann Schützenhöfer irgendwann erklären. Ich bin jedenfalls gespannt, wie die sich verhalten, wenn wieder Türkis-Blau kommt. Jedenfalls werde ich in diesem Fall allen enttäuschten Christlich-Sozialen gerne anbieten, einen Stück des Weges gemeinsam mit uns zu gehen. weekend: Auch in der Steiermark wird bekanntlich gewählt – wann eigentlich? Michael Schickhofer: Im Mai 2020, außer, es gibt schon davor Türkis-Blau – aber mit mir gibt es die Landtagswahlen nur im Mai 2020.

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Foto: Chris Zenz

weekend: Sie haben stets betont, einen sachlichen, themenbezogenen Wahlkampf führen zu wollen – braucht’s aber nicht doch mehr Aggressivität?
Michael Schickhofer: Ich glaube, es ist wichtig, klar zu sein und vor allem auch klar zu kommunizieren. Das ist der Unterschied – vom aggressiven Daherreden, hast du aus meiner Sicht nichts. Ich werde meine Linie auch in der Steiermark durchziehen, ich werde einen positiven und konstruktiven Wahlkampf führen, wo ich die Steiermark in den nächsten Jahren hinführen möchte.

weekend: Mit wie vielen Prozent würden Sie die Wahrscheinlichkeit angeben, im Sommer 2020 ein Interview als Landeshauptmann zu geben?
Michael Schickhofer: Auf solche Spekulationen lasse ich mich nicht ein. Ich kann den Steirern nur ein Angebot machen, dass, wenn sie mehr wollen als bisher, wir darüber reden können, was wir ab 2020 umsetzen – denn für die Steiermark ist zweifellos viel mehr drin.