Rheuma: 1 Name, 400 Erkrankungen

Ja, Sie haben richtig gelesen: 400 Erkrankungen machen das aus, was wir salopp als Rheuma bezeichnen. Eine Aufklärungsstunde der anderen Art.

Frau Bewegung
Bewegung und ausgewogene Ernährung beugen Rheuma vor Foto: Jacob Ammentorp/iStock/Thinkstock

Wer glaubt, dass Rheuma nur etwas mit alten Mütterchen mit verformten Fingern und Zehengelenken zu tun hat, liegt falsch. Und wie. Denn Rheuma ist im Gegensatz zur allgemeinen Meinung kein Alte-Leute-Leiden. Es ist auch keine ­Diagnose oder eine spezielle Krankheit, sondern ein Oberbegriff. Deshalb spricht man im Fachjargon von "Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis". Zu diesem zählen 400 Krankheiten mit vielfältigen Gesichtern – von Arthritis und Arthrose über Gicht bis hin zum Kinderrheuma etc.

Ständige Schmerzen

Was alle 400 Erkrankungen gemeinsam haben, ist, dass sie chronisch sind und dass ­irgendwo im Körper etwas wehtut. Innerhalb der Gruppe der rheumatischen Erkrankungen unterscheidet man zwischen degenerativen (= durch ­altersbedingte Abnützung entstandenen) und entzündlichen Erkrankungen.

Autoimmunerkrankung

Dabei hat es vor allem entzündliches Rheuma in sich. Denn hier greift das übersteuerte Immunsystem den eigenen Körper an und zerstört eigenes Gewebe. Die häufigste Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis ist die Rheumatoide Arthritis, umgangssprachlich besser bekannt als Gelenksrheuma. Diese entzündliche Form macht sich zu Beginn mit akuten schmerzenden, roten, oft heißen und geschwollenen Gelenken bemerkbar. Besonders oft befallen sind Hand- oder Fingergelenke. Hier gehen Kraftverlust und Steifigkeit oft so weit, dass nur unter größten Schmerzen etwa eine Wasserflasche geöffnet werden kann.

Weg zum Arzt

Diese Beschwerden sollten sehr ernst genommen, und zuerst vom Hausarzt begutachtet und in weiterer Folge von Spe­zialisten behandlet werden.Übrigens: Dass Nässe und Kälte für rheumatische Beschwerden verantwortlich gemacht sind, ist ein Mythos und stimmt nicht.

Facts

Heute leiden rund zwei Millionen Österreicher an einer rheumatischen Erkrankung. Insgesamt sind Frauen zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Die meisten Patienten erkranken zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Vor 20 bis 30 Jahren kam es noch bei vielen Betroffenen durch zerstörerische Prozesse zur Behinderung und Immobilität. Dies kommt heutzutage zum Glück nur noch selten vor. Wer sich jedoch nicht behandeln lässt oder falsch diagnostiziert wurde, muss mit irreparablen Langzeitschäden wie beispiels­weise zerstörten Knorpeln, Gelenken und angegriffenen inneren Organen rechnen.

Immer anders

Wie sich der Verlauf einer rheumatischen Erkrankung gestaltet, ist schwer vorauszusagen und je nach Form und Patient unterschiedlich. Treten im einen Fall die Beschwerden nur in einem einzelnen "Schub" auf und verschwinden danach für Jahre, kann dieselbe Erkrankung in einem anderen Fall durch die Beteiligung innerer Organe gefährlich sein.

Auf sich achten

Neben der richtigen Diagnose und einer individuell angepassten Medikation, können Betroffene auch selbst viel tun: Wer das Rauchen sein lässt und Unter- sowie Übergewicht vermeidet, ist zum Beispiel auf dem guten Weg. Besonders viel kann man auch über die Ernährung steuern. Dabei geht es vor allem darum, ausgewogen zu essen und tierische Fette so gut wie möglich vom Speiseplan zu streichen. Am 12. Oktober ­findet der Welt-Rheuma-Tag statt. Das wäre doch eine gute Gelegenheit, um aktiv zu werden.