Guter Bulle, böser Bulle: Österreichs Polizei

Einst Freund & Helfer, heute oft missachtete Gesetzeshüter - die heimische Polizei verliert immer mehr an Respekt.

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Gefürchtet und geliebt: die Polizei Foto: Helmut Fohringer/APA/picturedesk.com

"Was, du bist ein Polizist? Aber du bist ja gar nicht böse!" Dieser Satz eines Mädchens ließ Reinhard Zimmermann, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft, kürzlich den kalten Schauer über den Rücken laufen. Traurig, aber wahr: Diese Aussage spiegelt genau das Bild, das die heutige Gesellschaft vom einstigen Freund und Helfer hat, wider. Zimmermann: "Ja, der Polizeiberuf ist um einiges schwieriger geworden. Der Respekt gegenüber anderen Menschen und im Speziellen gegenüber der Polizei kommt immer mehr abhanden. Ein prominentes Beispiel sind Gruppierungen, die den Staat und damit die Exekutive offiziell nicht anerkennen, die uns Sorgen bereiten. In abgeschwächter Form sind es jene Menschen, die den Polizisten bloß als Bestrafer sehen." 

Hemmschwelle sinkt 

Weiters sei auch die Gewaltbereitschaft enorm gestiegen. Beschimpfungen stehen gerade bei Streifenpolizisten an der Tagesordnung, wenn sie Autofahrer anhalten und kontrollieren, wenn sie rabiate Jugendliche aus dem Verkehr ziehen oder bei Familienstreitigkeiten eingreifen müssen. "Die Kollegen müssen schon eine sehr hohe Hemmschwelle haben und sich einiges gefallen lassen." Denn oft sind es Bruchteile von Sekunden, in denen ein Polizist die Sinnhaftigkeit und die Konsequenzen seines nächsten Schritts abwägen muss - und dieser kann zwischen Leben und Tod entscheiden. "Polizisten sind jeden Tag gefordert, speziell im Außendienst. Dafür wünsche ich mir mehr Verständnis", so Zimmermann, der sich über die Personaloffensive zwar freut, dennoch der Meinung ist, dass es besonders an der Basis nie genug Kräfte geben kann. "In der Dienststellenstruktur hat es durchaus sinnvolle Veränderungen gegeben und wir können so, wie wir derzeit aufgestellt sind, bundesweit effizient Dienst versehen." Dennoch: Überstunden sind keine Seltenheit. Nicht zuletzt, weil dank der weiblichen Verstärkung auch bei der Polizei Teilzeitbeschäftigung Einzug gefunden hat. Immer mehr männliche Kollegen schließen sich dem Trend an. 

Alleskönner 

Zu Personalknappheit kommt es in einigen Dienststellen auch durch die seit einiger Zeit populäre, aber notwendige Spezialisierung der Beamten wie etwa auf Cyberkriminalität. "Die Kriminalität ist internationaler und professioneller geworden, auch wir müssen professioneller werden", betont Zimmermann, der darauf hinweist, dass Polizisten heute zu jedem Anlass ausrücken müssen. "Überspitzt gesagt: Wenn der Nachbar seinen Holzhaufen locker mit einer Plane abdeckt und in der Nacht der Wind durchfährt, wird die Polizei wegen Lärmbelästigung gerufen." 

Großes Risiko

Nicht nur Ausnahmesituationen bergen Risiken, sondern auch ganz alltägliche Einsätze wie etwa nach Verkehrsunfällen. "Weil die Kollegen während des Aufnehmens des Geschehens und der Daten von einem vorbeifahrenden, unaufmerksamen Lenker niedergefahren werden können", erklärt Bezirksinspektor Christian Pöschl. "Wenn man um 7 Uhr in den Dienst kommt, weiß man nie, was der Tag bringt. Wird man zu einem Einsatz gerufen, versucht man sich auf die bevorstehende Szene so weit wie möglich geistig vorzubereiten. Letztlich muss man aber doch spontan entscheiden." Dass auch Frauen den Polizeidienst ausüben dürfen, ist für den Bezirksinspektor vor Vorteil. "Gerade bei Familienstreitigkeiten ist es gut, wenn man eine Kollegin mit hat. Ich gebe zu bedenken: Sie sind zu 100 Prozent ausgebildete Polizisten, sie dürfen nicht erwarten, mit Samthandschuhen angegriffen zu werden!"

Interesse

Die Terroranschläge und Flüchtlingswelle in Europa verbreiten Angst in der Gesellschaft. Nicht verwunderlich also, dass sich auch Anwärter auf den Polizeiberuf abgeschreckt fühlen. Das Bild des lässigen Cops, der durch die Straßen schlendert und Strafzettel schreibt, weicht der Realität. Und in dieser lauern viele lebensgefährliche Situationen für einen Polizisten. Dennoch: Die heimische Polizei plagen keine Nachwuchssorgen, die Bewerbungen stapeln sich. Die Schulen sind voll mit jenen Frauen und Männern, die sich bewusst für den Beruf und all seine potenziellen Risiken entscheiden.