Die 12 größten Polit-Skandale der Geschichte

Ein kurzer Rückblick auf die größten Abstürze, die peinlichsten Affären und schlimmsten Aussetzer von Politikern. Von Ibiza bis Washington.

Gericht 487787078 Getty Images
Die Liste politischer Skandale ist lang Foto: ImageDB/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

1. HC Strache: Ibiza-Affäre (2019)

Obwohl der damalige FPÖ-Spitzenkandidat und sein Spezl und Bundesbruder Johann Gudenus längstens die Möglichkeit gehabt hätten, die Identität der angeblichen russischen Milliardärsnichte zu überprüfen, ließen sie alle gebotene Vorsicht fallen und nahmen 2017 an dem Abendessen in der Nobelvilla in Ibiza teil. Ohne Notwendigkeit hatten da zwei Männer unbewusst etwas in Gang gesetzt, was jetzt ihre Karrieren zerstören und eine Staatskrise auslösen sollte.

2. Donald Trump: Porno-Affäre (2018)

Eine der Frauen, die behaupten, Sex mit dem heutigen US-Präsidenten gehabt zuhaben, ist die Pornoregisseurin und -darstellerin Stephanie Clifford (Künstlername: "Stormy Daniels"). Um seine Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2016 allerdings nicht zu gefährden, soll der Pornostar 130.000 Dollar Schweigegeld von Trumps Anwalt Michel Cohen kassiert haben. Donald Trump streitet selbstverständlich alles ab, gab in einem Tweet aller­dings zu, die 130.000 Dollar an Cohen erstattet zu haben.

3. Ernst Strasser: "Cash-for-Law" (2011)

Mit Karacho rannte der Ex-ÖVP-Innenminister und ehemalige EU-Delegationsleiter in eine Falle, die ihm Journalisten der "Sunday Times" in Brüssel gestellt hatten. Die angeblichen Lobbyisten boten Strasser Bestechungsgeld gegen eine Einflussnahme in ihrem Sinne und filmten die Besprechung heimlich. Das Gericht sah Strassers Bestechlichkeit als erwiesen an und verurteilte ihn 2014 zu einer unbedingten Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Sechs Monate saß er in der Justizanstalt Simmering ein, den Rest der Strafe verbüßte er mit einer Fußfessel.

4. Dominique Strauss-Kahn: Sofitel-Affäre (2011)

Am 14. Mai 2011 fischt die New Yorker Polizei den Boss des Internationalen Währungsfonds aus einer startbereiten Maschine nach Paris heraus. Das Zimmermädchen Nafissatou Diallo beschuldigt ihn, sie in seiner Suite im Sofitel zu Oralsex gezwungen zu haben. Nachdem sich das Opfer in Widersprüche verstrickt, darf DSK gegen Zahlung einer hohen Entschädigung an Diallo das Land verlassen. Sein Ruf ist aber bis heute nachhaltig ruiniert.

5. Silvio Berlusconi: Der Fall "Ruby" (2010)

Als "Ruby-Affäre" machte die Bekanntschaft des damals amtierenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi mit dem marokkanischen Escort-Girl Karima el-Mahroug ("Ruby") Schlagzeilen. Sie war Anlass für einen Prozess wegen Amtsmissbrauchs und Förderung der Prostitution mit Minderjährigen. Berlusconi wurde erstinstanzlich zwar verurteilt, die höheren Gerichtsinstanzen sprachen ihn frei. Den Wählern in Italien war die Affäre übrigens ziemlich wurscht.

6. Karl-Theodor zu Guttenberg: Plagiats-Affäre (2011)

Der 1971 geborene deutsche Adelige hatte eine steile Karriere gemacht. CSU-Generalsekretär, Wirtschaftsminister und schließlich Verteidigungsminister. Als solcher brachte er 2010 die Aussetzung der Wehrpflicht durch. Ein Jahr später kamen erste Vorwürfe auf, er habe bei der Abfassung seiner 2007 abgegebenen rechtswissenschaftlichen Doktorarbeit geschummelt. Die Verdachtsmomente bestätigten sich und gipfelten in der Aberkennung des Doktortitels durch die Uni Bayreuth. Guttenberg trat schließlich entnervt von der Kritik von allen Ämtern zurück.

7. Uwe Scheuch: "Part of the Game" (2009)

Der damalige Landeshauptmann-Stellvertreter von Kärnten (BZÖ) wusste 2009 wahrscheinlich gar nicht, dass er etwas Unrechtes tat, als er dem Berater eines russischen Investors eine österreichische Staatsbürgerschaft anbot – ­gegen eine Parteispende ans BZÖ. Leider schützt Unwissenheit vor Strafe nicht, und so wurde gegen Scheuch Anklage wegen des Verdachts auf Vorteilsnahme erhoben. (Das ominöse Gespräch war aufgezeichnet worden). Letztlich wurde der BZÖ-Mann 2012 zu sieben Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 67.500 Euro verurteilt.

8. Bill Clinton: "Oral Office"

"I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky." Dieser Satz Bill Clintons ging in die Geschichte ein. Weil er, naja, nur zur Hälfte die Wahrheit ausdrückte. Der US-Präsident hatte Oralverkehr und andere Sexspiele mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky getrieben, wie er später gestand. Clinton musste sich einem Amtsenthebungsverfahren wegen Meineids und Strafvereitelung stellen. Das unendlich peinliche Prozedere überstand er schlussendlich. Aber nur, weil die Zweidrittelmehrheit für seine Absetzung unter den abstimmenden Senatoren nicht zustande kam.

9. Jörg Haider: "Beschäftigungspolitik"-Sager (1991)

Es ging um Sozialpolitik bei der Debatte im Kärntner Landtag. Der damalige Landeshauptmann Haider konterte die rhetorische Frage der SPÖ-Opposition, ob er denn die Zwangsarbeit à la NS-Staat wieder einführen wolle, mit dem Satz: "Nein, das hat es im Dritten Reich nicht gegeben, weil da haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt." Mehr brauchte es nicht. Im Ausland galt die Alpen­republik wieder einmal als Nazi-Nest. Nach einem Misstrauensantrag von ÖVP und SPÖ trat Haider als Landeshauptmann zurück.

10. Kurt Waldheim: Waldheim-Affäre (1987)

1985 wollte der vormalige UN-Generalsekretär Bundespräsident für die ÖVP werden. Kurz vor der Wahl tauchten Informationen zu Waldheims früherer SA-Mitgliedschaft und seiner Soldatenzeit auf. In der Folge wurde auch über eine Teilnahme an Kriegsverbrechen am Balkan spekuliert. Die USA verhängten eine Einreisesperre ("Watch-List"). Eine internationale Historikerkommission kam jedoch zum Schluss, dass Waldheim "kein persönlich schuldhaftes Verhalten" vorzuwerfen sei. Wie auch immer – international war der Ruf dahin.

11. Udo Proksch: Der Fall Lucona (1977)

Es war ein Versicherungsbetrug. Als der Frachter "Lucona", gechartert vom Demel-Prokuristen Udo Proksch, im Indischen Ozean versank, hatte er angeblich eine Uran-Aufbereitungsanlage an Bord. Es war aber nur wertloser Schrott. Eine Sprengladung mit Zeitzünder hatte die Lucona versenkt. Die Versicherung wurde misstrauisch, und ein Investigativjournalist recherchierte. Proksch wurde schließlich zu lebenslänglicher Haft wegen sechsfachen Mordes verurteilt. Weil der Society-Liebling Proksch auch in der Politik bestens vernetzt gewesen war, kostete die Affäre auch 16 Politikern und Spitzenbeamten den Job, darunter auch SPÖ-Minister Karl Blecha.

12. Richard Nixon: Watergate (1974)

Das Wort "Affäre" ist untertrieben. Das, was heute unter "Watergate" firmiert, war eine Reihe von kriminellen Aktionen unter der Regie des Weißen Hauses während der Präsidentschaft Richard Nixons. Dazu zählen Einbrüche im Parteihauptquartier der Demokraten, Annahme von illegalen Parteispenden, Verkauf von Botschafterposten, Behinderung der Justiz etc. Richard Nixon kam der Amtsenthebung schließlich mit seinem Rücktritt am 9. August 1974 zuvor. Erst 2005 wurde übrigens der Informant enttarnt, der die Nixon-Gang auffliegen ließ.