Phils Papa-Blog: Gewinnen lassen, anders herum

Wie lernfähig der Nachwuchs ist, wird in diesem Corona-Papamonat deutlich sichtbar. Da mutiert der Junior bei diversen Gesellschaftsspielen in Rekordzeit vom Gesellen zum Meister. Da fühlen sich selbst eigene Niederlagen wie Siege an.

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Foto: Weekend

Wenn Sie wissen wollen, wie es anderen Redakteurinnen und Redakteuren daheim mit Kindern geht – hier geht's lang zu Werner Christl und Mirela Nowak.

Das tägliche Spiel

"Jetzt lass' ich dich auch mal gewinnen", grinst mein Fünfjähriger. Wie großherzig von ihm. Wer, so wie ich, mittlerweile vier Wochen mit dem Nachwuchs einen Corona-Papamonat hat, wird endgültig zum wahren Experten für kindertaugliche Gesellschaftsspiele. Nicht "Siedler von Catan", schon klar, eher Uno und Mensch ärgere ich nicht. Sowas in der Art kommt jetzt so gut wie jeden Tag dran.

Das Problem der Alten ist nur: Der Nachwuchs verschafft sich deutlich schneller eine Expertise. Wie ein Schwamm saugen die Kids auf, worauf es ankommt. Nehmen auf spielerischem Weg taktische Kniffe auf, können sich fokussieren und voll ins Spiel eintauchen. Und sie haben auch eine ruhigere Hand. Mein Junior zumindest.

Vom Nachwuchs düpiert

Es gibt ein Spiel, im Bild oben ist es abgebildet, bei dem viele dünne, mikado-ähnliche Stäbchen in einem Becher stecken und dort kleine Kügelchen am runterfallen hindern. Die Stäbchen müssen rausgezogen werden, und bei wem die Kugeln runterfallen, hat verloren. Der Eltern-Instinkt sagt bei den ersten paar Durchgängen: Nicht mit vollem Ehrgeiz gewinnen wollen.

Also nicht offensichtlich auf Niederlage spielen, das würde der Junior merken, aber schon nach dem zweiten, dritten Spiel merkt man: Der Kleine ist einem eigentlich schon überlegen. Mit höchster Konzentration sucht er sich das gefahrloseste Stäbchen und zieht es zielsicher heraus. So schnell kann man gar nicht schauen, erteilt einem der junge Mann sogar schon Ratschläge: "Schau, Papa, nimm das, da kann nix passieren!"

Eine Niederlage eigentlich, vom Fünfjährigen belehrt zu werden. Und doch ein Sieg.

Schon stolz

Denn es ist schön zu sehen, dass die Kleinen selbstständig nach Wegen suchen, die vor ihnen stehende Aufgabe - und sei es "nur" ein Geschicklichkeitsspiel - zu meistern. Und vielleicht werde ich mich dann auch mal der ganz großen Herausforderung stellen.

Memory. Das gilt da als Königsdisziplin - für die Eltern wohlgemerkt. Einziges Ziel: Nicht völlig untergehen.

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