Selbstständige BetreuerInnen in Wien

Selbstständige PersonenbetreuerInnen ermöglichen ein Leben in vertrauter Umgebung.

Pflege Wien
Bibiána Kudziová Foto: Dean Mitchell/E+/Getty Images

Manchmal geht es schnell. Ein älteres Familienmitglied kommt eigentlich noch gut im eigenen Haushalt zurecht. Doch dann ein Sturz mit anschließendem Krankenhausaufenthalt. Oder es lassen einfach Kraft und Beweglichkeit merkbar nach. Und schon stellt sich die Frage: Was nun? In ein Pflegeheim übersiedeln? Das will kaum jemand. Wenn die eigene Kraft nicht mehr reicht, um die Herausforderungen des täglichen Lebens zu bewältigen, wünschen sich die meisten WienerInnen einfach die nötige Hilfe, um ihr Leben weiterhin in vertrauter Umgebung führen zu können.

Kernkompetenz Mitgefühl

Selbstständige PersonenbetreuerInnen bieten diese Hilfe, von der punktuellen Unterstützung bis hin zur umfassenden 24-Stunden-Betreuung, und stehen ihren KundInnen im täglichen Leben liebevoll zur Seite. Sie helfen etwa beim An- und Auskleiden und bei der Körperpflege, erledigen Einkäufe, bereiten Mahlzeiten zu oder kümmern sich um die Kleidung und Wäsche. Die angenehme Gestaltung des Alltags ist eine weitere wichtige Aufgabe, der PersonenbetreuerInnen nachkommen: Das kann das gemeinsame Kreuzworträtsel ebenso sein wie ein Spaziergang. Auch pflegerische und ärztliche Tätigkeiten (z. B. Anlegen von Verbänden oder Injektionen) können ihnen übertragen werden, allerdings nur nach Unterweisung durch medizinisches Fachpersonal.

Im Rhythmus

In der 24-Stunden-Betreuung wechseln einander zwei PersonenbetreuerInnen ab, meist im 14-Tages-Rhythmus. Sie brauchen natürlich Pausen und Ruhezeiten, leben aber im Haushalt ihrer KundInnen, um umfassend für sie da sein zu können.

Geförderte 24-Stunden-Betreuung

Für die 24-Stunden-Betreuung gibt es keine Fixpreise, sondern das Honorar ist individuell zu vereinbaren. Die Kosten hängen dabei sowohl vom gesundheitlichen Zustand des betreuungsbedürftigen Menschen und seinen Bedürfnissen als auch von der Ausbildung, der Erfahrung und den Deutschkenntnissen der BetreuerInnen ab.

Wer rund um die Uhr Betreuung benötigt, Pflegegeld der Stufe 3 oder höher und ein monatliches Netto- einkommen von nicht mehr als 2.500 Euro bezieht, kann für die Inanspruchnahme selbstständiger Personenbetreuung eine Förderung des Sozialministeriums in der Höhe von 550 Euro monatlich beantragen. Die Kosten können zudem steuerlich abgesetzt werden.

Informationen zur Förderung:
www.sozialministeriumservice.at

Rechenbeispiel

  • Tageshonorar
  • 85 Euro x 30,5 Tage: 2.592,50 Euro
  • abzüglich Pflegegeld Stufe 5: -920,30 Euro
  • abzüglich Förderung des Sozial ministeriums, 2 BetreuerInnen: -550 Euro

Eigenleistung: 1.122,20 Euro

Bibiána Kudziová
So wichtig wie Dienstleistungen im Haushalt: zuhören, Gesellschaft leisten, auch einmal ausgehen Foto: Solstock/E+/Getty Images

Interview

Bibiana Kudziova
Personenbetreuerin, Teamleiterin in einer Vermittlungsagentur und vertritt die selbstständigen PersonenbetreuerInnen in der Wirtschaftskammer Wien

Bibiána Kudziová
Bibiána Kudziová Foto: oliver-zehner.com

"Sie ist daheim richtig aufgeblüht"
Bibianá Kudziová über die Leistungen selbstständiger PersonenbetreuerInnen.

Weekend: Was ist der Vorteil der 24-Stunden-Betreuung?

Bibianá Kudziovaz: Es gibt keinen strikten Tagesablauf wie in Heimen, sondern wir können unsere Leistungen individuell an die Bedürfnisse unserer KundInnen anpassen. Gute BetreuerInnen schauen, was ihre KundInnen brauchen und gerne tun, und erstellen mit ihnen und ihren Angehörigen gemeinsam den passenden Tagesablauf. Manche Menschen stehen zum Beispiel gerne um 6 Uhr auf, andere erst um 10 Uhr. Darauf stellen sich die BetreuerInnen ein.

Weekend: Die täglichen Abläufe sind das eine ...

Bibianá Kudziovaz: Die müssen natürlich reibungslos klappen. Aber noch viel, viel wichtiger ist die persönliche Zuwendung. Wir reden viel mit unseren KundInnen, lesen mit ihnen die Zeitung oder kochen gemeinsam. Und wir schauen drauf, dass sie am Leben teilnehmen, sich mit FreundInnen und Bekannten treffen oder zum Beispiel Konzerte besuchen.

Weekend: Die 24-Stunden-Betreuung kann sehr herausfordernd sein ...

Bibianá Kudziovaz: Ja, und deswegen verdienen meine KollegInnen Anerkennung und Wertschätzung. Wir erfahren aber auch viel menschliche Wärme und bekommen manchmal eine zweite Familie. Und man erlebt auch sehr schöne Geschichten wie die von einer älteren Dame, die nach dem Sturz in ein Heim kam, weil sie keine Angehörigen hatte. Sie merkte aber: Das ist nichts für mich. Mit einer 24-Stunden-Betreuung ist sie dann daheim richtig aufgeblüht. Sie hat Freunde besucht, Ausflüge gemacht und mit Hilfe ihrer Betreuerin sogar wieder im Garten gearbeitet.

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