Peter Liaunig: Impulsgeber

In Neuhaus, spektakulär in die Südkärntner Landschaft über die Drau gesetzt
– dort findet man mit dem Museum Liaunig eines der größten Privatmuseen Österreichs. Leiter Peter Liaunig im Gespräch über diesen außergewöhnlichen Familienbetrieb.

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„Kunst ist ein essenzieller Bestandteil des Menschseins und keinesfalls eine elitäre Angelegenheit!“ Peter Liaunig, Leiter Museum Liaunig & Architekt Foto: Walter Schramm

weekend: 2018, zum Zehn-Jahres-Jubiläum sind Sie an die Spitze des Museum Liaunig gerückt. Was hat sich für Sie verändert?
Peter Liaunig: Einerseits hat sich nur nominell etwas geändert, weil ich ja schon vor einem Jahr als Geschäftsführer in den Museumsbetrieb eingetreten bin. Natürlich ist einiges an Arbeit dazugekommen, weil wir zum Jubiläum besonders viele Publikationen und Ausstellungen machen. Auch weil mein Vater sich etwas aus dem Betrieb herausgenommen hat. Er ist nach wie vor involviert, und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass es ohne ihn gar nicht funktioniert. Unerlässlich ist auch meine Mutter. Mein Bruder führt die Industriebeteiligungen meines Vaters, deren Gewinne zu einem Teil den Grundstock für den Erhalt des Hauses darstellen. Wir sind ein echter Familienbetrieb, wo jeder seine Funktion hat.

weekend: Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Peter Liaunig: Wir wollen in erster Linie möglichst viele Besucher ins Museum bringen und dabei das Niveau aller Ausstellungen so hoch wie möglich halten. Ich bin der Meinung, dass der Besuch eines Museums genauso wichtig ist, wie der Besuch eines Fußballspiels oder eines Konzerts. Die Kreativität steckt in jedem von uns – das sieht man an all den wunderbaren Zeichnungen von Kindern, bevor sie ins Getriebe der Gesellschaft und Erziehung geraten. Man muss nichts über Kunst wissen, aber die Bereitschaft haben, offen und empfänglich zu sein. Zum Vergleich dazu sage ich mittlerweile gebetsmühlenartig, dass ich zwar keine Noten lesen kann, aber trotzdem gerne Musik höre. Wir wollen diese Leidenschaft für die schönen Dinge noch möglichst lange an unsere unglaublich tollen Besucher weitergeben, die ja einen Weg auf sich nehmen, um zu uns zu gelangen. Ich bin überzeugt, dass sich der Weg nicht nur wegen des Museums lohnt, sondern weil auch Unterkärnten ein zu entdeckender Schatz ist.

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Das Museum Liaunig hat heuer noch bis zum 28. Oktober 2018 geöffnet und lockt mit interessanten Ausstellungen und Veranstaltungen Foto: Museum Liaunig

weekend: Die Sammlung Liaunig versammelt rund 4.000 Exponate auf einer Nutzfläche von 8.000 Quadratmetern. Ein Ticket für alle Ausstellungen und den Skulpturengarten inklusive Führung kommt auf 15 Euro. Da das Museum zur Gänze aus privaten Mitteln finanziert wird, drängt sich die Frage auf: Rechnet es sich?
Peter Liaunig: Nein, ganz und gar nicht. Aber es gibt kaum ein Museum, das sich rechnet. In unserem Fall zahlt mein Vater pro Besucher 40 bis 50 Euro zum Ticketpreis dazu, damit der Betrieb gewährleistet ist. Das funktioniert nur mit unserer kleinen, sehr tatkräftigen Mannschaft, die einen großen Anteil am Erfolg trägt. Jeder nimmt alles sehr persönlich und ist zu 110 % motiviert. Kunst sammeln und zeigen hat mit Leidenschaft zu tun, und in dem Wort steht sicherlich nicht grundlos „leiden“ drinnen. Es verlangt allen etwas ab, aber wenn wir dann von unseren Besuchern hören und sehen, wie berührt sie sind, so ist das eine Belohnung unserer aller Arbeit.

weekend: Was erwartet die Besucher im Jubiläumsjahr im Museum?
Peter Liaunig: Wir haben eine Hauptausstellung aufgebaut, die eine große Bandbreite unserer Sammlung zeigt und Aspekte wie Abstrakte Kunst, Abstrahierende und Darstellende Kunst zeigt. Parallel dazu gibt es eine Sonderausstellung im Skulpturendepot mit einem Querschnitt des Werkes von Cornelius Kolig, den ich ganz besonders schätze. In der Wechselausstellungshalle haben wir in den ersten Monaten eine Ausstellung von Peter Pongratz gezeigt, dann gab es eine Ausstellung der Salzburger Künstlerin M.E. Prigge und ab dem 2. September werden Arbeiten mehrerer Jahrzehnte von Reimo Wukounig ausgestellt. Am letzten Tag der Saison, am 28.10., steht eine Matinee mit dem Minetti Quartett in Begleitung von Janez Gregoričund Igor Gross auf dem Programm. Parallel dazu gibt es unseren Skulpturengarten und die historischen Sammlungen, wo heuer Silber aus vier Jahrhunderten und österreichische Briefmarken der K+K-Zeit gezeigt werden. Und als Kontrastprogramm wird heuer zum letzten Mal die afrikanische Glasperlensammlung präsentiert, die dann für mindestens drei Jahre der afrikanischen Goldsammlung weicht.

weekend: Ein sehr umfangreiches Programm...
Peter Liaunig: ... ja, wir empfehlen unseren Besuchern, sich Zeit zu nehmen und zwischendurch einen Kaffee in unserem Museumscafé zu trinken und eine Cremeschnitte oder dergleichen zu essen, damit man genügend Energie für den Rest hat.

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