Faszination Versteigerung: 3, 2, 1, meins!

In Österreich erfreut sich das Bieten ungebrochen großer Beliebtheit. Immer mehr Plattformen drängen auf den Markt. Viele locken mit sogenannten Cent-Auktionen. Aber Achtung: Nicht jedes Angebot ist seriös.

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Wer bietet mehr? Online-Auktionen boomen Foto: ViewApart/iStock/Thinkstock

Wer an Online-Versteigerungen denkt, denkt wohl nach wie vor zu allererst an eBay. Seit seiner Gründung 1995 ist der unangefochtene Platzhirsch fest verankert. 175 Millionen Nutzer weltweit nutzen die Plattform. Mehr als 80 Prozent der Angebote werden heute aber nicht mehr versteigert, sondern als Neuware zu Festpreisen angeboten. "eBay ist tot", schüttelt Margareta (31) enttäuscht den Kopf. Die Grazerin hat früher regelmäßig Schallplatten auf eBay ersteigert. Mittlerweile ist sie auf die Online-Plattform discogs.com ausgewichen, wo Privatpersonen zu festen Preisen verkaufen. Kein Wunder also, dass Konkurrenten zu eBay wie Schwammerl aus dem Boden sprießen.

Tradtion geht online

Einer der ganz großen Player in ­Österreich ist das Dorotheum. Seit 2014 führt das 1707 gegründete Auktionshaus auch Online-Versteigerungen durch. Im Dorotheum finden pro Jahr etwa 700 Auktionen statt. Mittlerweile entfällt der Großteil (490) auf den Online-Bereich. Um digital mitbieten zu können, ist das Hochladen einer Ausweiskopie nötig. Im nächsten Schritt kann man angeben, wofür man sich interessiert. Angeboten werden unter anderem Antiquitäten, dekorative Kunst und Gemälde, Juwelen und Schmuck, ­Porzellan und Spielzeug.

Schmucke Schnäppchen

Ein Klick in die Schmuckkategorie lässt das Herz ­höher schlagen: klassische Diamantringe, ausgefallene Armbänder, elegante Halsketten. Ernüchternd fällt bei oberflächlicher Betrachtung der Blick auf die Preise aus. Die Schmuckstücke werden von Experten des Dorotheums mit einem Von-bis-Wert auf ihren tatsächlichen Wert geschätzt, und der Rufpreis entsprechend angesetzt. Er beträgt etwa die Hälfte der unteren Schätzung. Vor allem bei den Online-Auktionen finden sich trotzdem Objekte zu attraktiven Preisen. "Im Unterschied zu den klassischen Auktionen sind bei Online-Auktionen vor allem Objekte (Gemälde, Antiquitäten, Schmuck, Sammelobjekte) im mittleren bis unteren Preissegment zu finden", ­erklärt Pressesprecherin ­Doris Krumpl auf Nachfrage. Verglichen mit Verkaufs­preisen beim Juwelier sind Schnäppchen zwar möglich. Der Griff in die Geldtasche fällt aber trotzdem eher tief aus.

Vorsicht, Falle

Ganz anders sieht das bei den sogenannten Cent-Auktionen aus. Hier darf man sein Gebot immer nur um einen Cent ­erhöhen. Versteigert werden Waren wie iPhones oder hochwertige Kaffee­maschinen, die im regulären Verkauf jenseits der 1.000-Euro-Grenze gehandelt werden. Was zu gut klingt, um wahr zu sein, hat tatsächlich einen Haken: Pro Gebot muss der Bieter 50 Cent ­zahlen – unabhängig davon, ob er den Zuschlag letztlich erhält oder nicht. Am Ende gewinnt also zumindest ­immer der Verkäufer. Dieser ­erhält nämlich nicht nur den eigentlichen Verkaufspreis, sondern auch was die Bietenden "gesetzt" haben. Wird also beispielsweise ein iPhone für 19 Euro verkauft, bedeutet das, dass 1.900 Gebote abgegeben wurden. Rechnet man mit 50 Cent pro Gebot, erhält der Anbieter 950 Euro zusätzlich zum Verkaufspreis. Den Zuschlag kann freilich nur einer erhalten. Die restlichen Mitbieter ­haben ihre Einsätze umsonst gezahlt und gehen leer aus. Pro Gebot verlängert sich die Auktion je nach Anbieter im Schnitt zwischen 10 und 15 Sekunden. Letztbietender zu sein wird so zu einer Art Glücksspiel.

Darauf muss man achten

Bei Online-Auktionen sollte man grundsätzlich Vorsicht walten lassen. Vorab sollte man sich, etwa durch das Lesen von Bewertungen über den Verkäufer informieren. Das Wichtigste ist es, die Bedingungen genau durchzulesen. Versand-, Neben- und Gesamtkosten sowie allfällige Rückgabemöglichkeiten sollte man definitiv vor Gebotsab­gabe in Erfahrung bringen.

Auktionen im Netz

www.ebay.at
eBay ist bis heute so etwas wie der Platzhirsch unter den Online-Auktionshäusern. Versteigert wird, was man sich nur vorstellen kann. Hoher Sicherheitsfaktor.

www.dorotheum.at
Das Traditionshaus besticht auch online mit hochklassigen Versteigerungen. Das Preissegment ist etwas höher, echte Schnäppchen sind möglich. Hohe Qualität.

www.snipster.de
Snipster bietet sogenannte Cent-Auktionen. Gesteigert wird in Centschritten, jedes Gebot verlängert die Laufzeit. Der Prozess ähnelt einem Glücksspiel. Hohes Risiko.