„Österreich hat sehr gut kommuniziert“ – Event- und Kommunikationsprofi Manfred Rath im Interview

Die Grazer Manfred und Verena Rath landeten vor einigen Tagen mit der letzten Maschine aus Teneriffa in Wien. Wir haben mit dem Erfinder des Grazathlon über den Rückflug, die Quarantäne, die Kommunikation unserer Politiker und die Zukunft der Eventbranche geredet.

IMG_5016.JPG
Foto: Privat

Herr Rath, wie froh sind Sie, wieder österreichischen Boden unter den Füßen zu haben?
Manfred Rath: Schon sehr. Es war doch eine recht abenteuerliche Reise. Wir haben auf Teneriffa seit einem Jahr einen Zweitwohnsitz und wollten die Corona-Krise eigentlich dort aussitzen. Aber dann haben wir uns doch dazu entschlossen zurückzukehren.

Warum haben Sie sich letztlich für Österreich entschieden?
Manfred Rath: Nun, das liegt einerseits daran, dass die Maßnahmen in Spanien noch verschärft wurden. Man darf dort de facto nicht mehr vor die Tür gehen, praktisch eine totale Ausgangssperre. Das wird auch stark kontrolliert und rigoros bestraft. Dazu kommt, dass die medizinische Versorgung und unser persönliches Netzwerk in Österreich besser sind. Last but not least spielte auch die Sprache eine Rolle.

Sie sind seit Mittwoch in Quarantäne. Wie lief das Prozedere beim Rückflug genau ab?
Manfred Rath: Wir flogen nicht mit einer Linienmaschine, sondern mit einer vom Außenministerium gecharterten Rückhol-Maschine. An dieser Stelle kann man gar nicht oft genug betonen, wie toll Österreich aufgestellt ist. Das machen nämlich nicht viele Länder. Noch im Flugzeug mussten wir dann unterschreiben, dass wir uns in freiwillige Heimquarantäne begeben und auch keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Dann wurde am Flughafen Wien noch das Fieber gemessen.

IMG_7873.JPG
Foto: Privat

Mussten Sie für den Flug eigentlich bezahlen?
Manfred Rath: Ja, einen handelsüblichen Preis.

Wie darf man sich die Quarantäne vorstellen?
Manfred Rath: Nun, wir dürfen das Haus nicht verlassen, müssen uns das Essen bringen lassen, das vor der Tür abgestellt wird. Natürlich ist auch Spazierengehen nicht erlaubt.

Sie haben den Umgang mit Corona in Spanien und Österreich erlebt. Wo lief es besser?
Manfred Rath: Ganz eindeutig in Österreich. Vor allem in der Kommunikation war Österreich viel positiver und besser abgestimmt. In Spanien gab es mehr Hick-Hack um die geplanten Maßnahmen. Zudem hat man zu spät reagiert.

Wann wurde Ihnen persönlich die Gefährlichkeit des Virus bewusst?
Manfred Rath: Unsere Wohnung in Teneriffa ist ja nur einen Kilometer von jenem Hotel entfernt, das am 24. Februar in Quarantäne gesetzt wurde. Als wir an diesem Tag dort an der Strandpromenade spazieren gehen wollten, war bereits alles großflächig abgesperrt. Da wurde uns klar, dass das mehr als eine Grippe sein muss.

Manche meinen, diese Krise würde alles verändern. Wie hart trifft es die Eventbranche?
Manfred Rath: Naja, brutal natürlich. Es werden – so wie auch bei der Krise 2008 – viele Veranstaltungen vom Kalender verschwinden. Andererseits bietet das für die etablierten Events aber auch eine Chance, weil so der Spielraum größer wird. Ich bin überzeugt, dass die Menschen auch nach dieser Krise wieder gemeinsam Erfolge, Emotionen und ein Gemeinschaftsgefühl erleben wollen.