Österreich - das Land der Erfinder

Österreich zählt zu den Top-Erfindernationen. Kluge Köpfe versetzen mit ihren Ideen die Welt in Staunen. Von künstlichen Wolken, Rohstoffen aus dem Nichts und unbekannten Genies …

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Österreich spielt in puncto Erfindungen ganz vorne mit Foto: doble-d/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Sachertorte, Wienerschnitzel und Mozartkugel: Österreich ist nicht nur für seine kulinarische Kreativität über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Nähmaschine, Kaplan-Turbine und Leiterplatte stammen allesamt aus dem Land der Berge. Vom mit Lasertechnik betriebenen Scheinwerfer bis hin zu innovativen Schutzschaltern – zahlreiche Erfindungen, die ganze Branchen revolutionierten, fußen auf heimischer Pionierarbeit; manchmal gar als Nebenprodukt. Entstanden aus der Notwendigkeit, Klavier und Film zu synchronisieren, ist das Frequenzsprungverfahren heute Basis für Bluetooth, WLAN und Mobiltelefonie. Mutter der Technologie ist die amerikanisch-österreichische Schauspielerin Hedy Lamarr. An ihrem Geburtstag, dem 9. November, wird jährlich der Tag der Erfinder begangen.

Erst war das Problem

Fast 2.800 Innovationen wurden 2018 beim österreichischen Patentamt angemeldet – allen voran von großen Konzernen wie AVL, Borealis oder Tridonic. Nicht immer sind es Unternehmen, die als Innovationstreiber auftreten; nicht jede Erfindung mündet in disruptiven Technologien wie dem Smartphone. Meist geht es darum, Antworten auf scheinbar alltägliche Fragen zu finden. Und das ist auch die große Stärke von Erfindern. "Der Sport, in dem sie richtig gut sind, heißt: 'Probleme lösen'", sagt Pa­tent­amtspräsidentin Mariana Karepova. "Eine wichtige Eigenschaft ist dabei sicher das Erkennen des Problems in dessen Kern."

Prämierte Produkte

Wie etwa können sehbehinderte oder gar blinde Menschen auf dem Smartphone lesen? Dieser Frage gingen Michael Treml, Wolfgang Zagler und Dominik Busse von der Technischen Universität (TU) Wien nach. Ihre Lösung: der mit dem "Staats­preis Patent" prämierte Braille-Ring. Er übersetzt Text von Mobilgeräten in Blindenschrift. Selbst der Europäische Erfinderpreis ehrte heuer zwei Österreicher: Klaus Feichtinger und Manfred Hackl von Erema. Nichts weniger als eine Recycling-Revolution verspricht ihre Maschine. Sie bereitet Kunststoffabfälle restlos wieder zu hochwertigem Rohstoff auf.

Künstliche Wolke

Das Thema Ressourcenschonung wird in den Erfinderstuben aktuell groß geschrieben. Michael Bacher und sein Team von Neuschnee, einem 2014 aus BOKU und TU Wien hervorgegangenen Spin-off, bieten mit der "künstlichen Wolke" eine wasser- und energieschonende Alternative zur Schneekanone. Im giftgrünen Ballon wird Schnee nach natürlichem Vorbild erzeugt. Wassertropfen treffen auf feine Eispartikel. Aus ihnen wachsen symmetrische Schneekristalle. Das Ergebnis: flockiger Pulverschnee. Erfinden als Teamsport. Eines haben alle modernen Beispiele gemeinsam: Innovationen entspringen gemeinschaftlichen Anstrengungen, die Zeit des einsamen Genies ist vorbei. "Es gibt natürlich einzelne Erfinderinnen und Erfinder, aber insgesamt ist das Erfinden immer mehr zum Teamsport geworden", erklärt Karepova. "Da arbeiten zum Beispiel eine Technikerin, ein Psychologe und eine Investorin gemeinsam am nächsten Haushaltsroboter."

Daten & Fakten

  • Den weltweiten Rekord hält der Australier Kia Silverbrook mit 8.847 Patentanträgen.
  • Dauererfinder und Vater der Glühbirne Thomas Alva Edison nimmt mit "nur" 1.093 Patenten Platz 5 ein.
  • Patentkaiser in Österreich ist die steirische AVL vor Julius Blum und Tridonic. International hat Borealis die Nase vorne.
  • Österreichs Erfinder sind Vorreiter bei Technologien wie WLAN, Bluetooth und NFC.
  • 11.227 Patentanmeldungen haben Österreichs Unternehmen weltweit 2018 eingereicht.
  • Österreich liegt EU-weit auf Platz 7 der Nationen mit den meisten Erfindungen. Weltweit belegt Österreich Rang 11.