ÖBB Regionalmanager Gerhard Mayer geht in Pension

Gerhard Mayer war 48 Jahre lang bei den ÖBB tätig, davon 23 Jahre als Regionalmanager für Vorarlberg, wo rund 1.200 Personen für die ÖBB tätig sind. Mit Anfang Juli trat der leidenschaftliche Eisenbahner in die verdiente Pension über.

Gerhard Mayer
„Wir sind in Vorarlberg quasi Abonnementsieger für den Titel ‚zufriedenste Bahnfahrer Österreichs‘.“ Gerhard Mayer, ÖBB Regionalmanager i.R. Foto: walser-image.com

Weekend: Sie blicken auf eine spannende Tätigkeit zurück?
Gerhard Mayer:
Ich hatte einen der spannendsten Jobs in ganz Österreich, der Bahn, Bus und Schiff inkludierte. Einige Jahre zählte der ‚Bahn-Bus‘ dazu, die Bodenseeschifffahrt fiel zwischen 2001 bis 2004 unter das Regionalmanagement. Es war eine interessante und aufregende Zeit, in der u.a. die Renovierung der MS Vorarlberg durchgeführt wurde. Davon musste der damalige ÖBB-Chef Helmut Draxler erst überzeugt werden – was uns dank dessen Affinität zur Architektur gelungen ist.

Weekend: Welche Highlights gab es in den 48 Jahren?
Gerhard Mayer:
Das war die Alpine Ski WM 2001 in St. Anton. Es war unglaublich, wieviele Passagiere mit den Sonderzügen befördert worden sind. Allein am ersten Tag – trotz abgesagtem Skirennen - fuhren 20.000 Leute nach St. Anton. Die zweite große Belastungsprobe war die Worldgymnaestrada 2007. Mittlerweile haben wir einen solchen Verkehr, wie er zur Gymnaestrada herrschte, planmäßig. Die WG war eine Initialzündung für den ÖPNV (Öffentl. Personennahverkehr) und hat die Stimmung dafür völlig verändert.

Weekend: Gab es auch spektakuläre Aktionen?
Gerhard Mayer:
Für die Messe-Sonderschau ‚Zukunft am Zug‘ 2008 brachten wir eine ganze Lok auf das Dornbirner Messegelände. Die Logistik der 86 Tonnen schweren, nagelneuen Railjet-Taurus war äußerst anspruchsvoll und wurde von unserem Werkstättenleiter mit einem heimischen Unternehmen bewältigt. Der aufsehenerregende Transport wurde auch in Wien beobachtet, wo man eine Lok auf den Heldenplatz stellen wollte...

Weekend: Ist der Vorarlberger ein Zugfahrer?
Gerhard Mayer:
Immer mehr. 1996 fuhren 150 Züge, jetzt sind es 217. Wir haben die Kilometerleistung verdoppelt, und das bei lediglich 111 Kilometer Schienennetz für den Personenverkehr. Wir fahren 3,2 Mio Kilometer jährlich und damit beinahe so viel wie in Salzburg, wo ein weit umfangreicheres Netz zur Verfügung steht. Das Landesverkehrskonzept mit seinem Zusammenspiel von ÖBB, Land und Verkehrsverbund ist aufgegangen.

Weekend: Es gibt Bestnoten für Vorarlberg?
Gerhard Mayer:
Wir haben jedes Mal bei der österreichweiten Verkehrsbefragung des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) in Vorarlberg die zufriedensten Bahnfahrer verzeichnet. Dies war nicht mein Verdienst, sondern jener des Teams. Hier muss jedes Zahnrädchen passen, die Eisenbahnerfamilie hält zusammen, von Bregenz bis Bludenz – jeder der 1.200 Mitarbeiter agiert so, dass der Bahnkunde zufrieden ist und wiederkommt. Auch Projekte wie der ‚Museumszug‘ oder ‚Kunstzug zur langen Nacht der Museen‘ begeistern die Bahnkunden. Beeindruckend war der ‚Theaterzug 800 Jahre Feldkirch‘. Für das Projekt Brain Train – Fairness am Zug – wurden wir ausgezeichnet.

Weekend: Braucht Vorarlberg ein drittes Gleis?
Gerhard Mayer:
Ich denke nicht – allein der Platzbedarf dafür ist im Rheintal nicht gegeben. In gewissen Zeiten sind wir am Limit, doch mit moderner Signaltechnik – dem ETCS European Train Control System – steuert der Computer den Zug und sind Spitzen bewältigbar. Für die nächsten Jahre ist den Bedürfnissen Genüge getan.

Gerhard Mayer
Foto: walser-image.com

Zur Person: GERHARD MAYER
ÖBB Regionalmanager i.R.

  • Jahrgang 1956, geb. in Tamsweg, wohnhaft in Wolfurt
  • verheiratet, 4 Kinder, 6 Enkel
  • Werdegang: Seit 1971 bei den ÖBB, Ausbildung zum Fahrdienstleister und Tätigkeit in den Bahnstationen Lochau, Götzis, Rankweil, Dornbirn, Wolfurt. 1994 Wechsel in Kundenberatung, Großkundenverkehr. Seit 1996 Regionalmanager für den Personenverkehr in Vorarlberg, seit 1. Juli 2019 Pensionist
  • Hobbies: Fußball, Rennrad fahren, Reisen

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