Nimaro: Kärntner Familybusiness auf Erfolgsspur

Der erfolgreiche Kärntner Familienbetrieb bietet einen erfrischend-bodenständigen
Gegenentwurf zum ganzen Start-up-Getöse. Sabine Arztmann, Geschäftsführerin
vom Mappen- und Hüllenspezialist, gibt spannende Firmeneinblicke.

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„Mein Mann und ich haben uns nie gescheut, den Rat meiner Eltern zu suchen. Umgekehrt wurde nie eine Entscheidung von uns infrage gestellt.“ Sabine Arztmann, Geschäftsführerin Nimaro Foto: Studiohorst

weekend: Warum kauft man Mappen und Hüllen bei Nimaro?
Sabine Arztmann: Wir sind eines der wenigen Unternehmen in Österreich, das Kunststoff schweißt. Das heißt, man bekommt bei uns nicht die 08/15-Mappe oder die 08/15-Hülle, weil die gibt’s beim Großhändler en masse. Unsere Nische sind Sonderanfertigungen. Wer zum Beispiel ein Ringbuch im Format A3 quer braucht, mit amerikanischem System, also mit drei Ringen, mit aufgedrucktem Logo und in der Farbe Gelb – der kommt zu uns. Die Leute sind immer überrascht, wie viel Handarbeit in unseren Produkten steckt. Deshalb sind wir relativ flexibel. Was noch für uns spricht: Wir verarbeiten nur Werkstoffe aus Österreich und Europa, die zertifiziert sind – die etwa kadmiumfrei und phthalatfrei sind.

weekend: Wer gehört zu Ihren Kunden?
Sabine Arztmann: Circa jede zweite Bankomatkartenhülle in Österreich kommt von uns. Zu unseren Kunden gehören unter anderem DAN Küchen, Banner Batterien, Magna und die Arbeiterkammer. Das sind alles tolle Stammkunden, die seit 30 oder 40 Jahren bei uns bestellen. Für uns als Familienbetrieb ist dies das schönste Renommee. Solche Firmen und Institutionen bestellen nirgendwo ein zweites Mal, wenn es nicht passt.

weekend: Stichwort: Familienbetrieb. War für Sie klar, dass Sie das Unternehmen eines Tages übernehmen werden?
Sabine Arztmann: (lacht) Nein, ich wollte das auf keinen Fall machen. Meine Mutter hat das Unternehmen nach dem plötzlichen Tod meines Großvaters übernehmen müssen. Sie war Mitte 20 und hatte zwei kleine Kinder. Meiner Schwester und mir hat sie diese Wahl immer gelassen. Sie sagte immer: Erzwungene Liebe tut weh. Über Umwege – ich bin dann doch nicht Sportjournalistin geworden – habe ich den Weg zurück nach Köttmannsdorf gefunden und bin Stück für Stück in die Firma hineingewachsen.

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Sabine Arztmann (46) führt den Familienbetrieb Nimaro in Köttmannsdorf in dritter Generation. Seit 1993 arbeitet sie in der Firma mit, 2006 hat sie die Geschäftsführung übernommen Foto: Peter Just
weekend: Wer arbeitet von Ihrer Familie noch mit?
Sabine Arztmann: Meine Mutter unterstützt mich nach wie vor, mein Vater ist im Werkzeugformenbau tätig, meine Schwester leitet den Außendienst. Mein Mann ist Produktionsleiter und Technischer Leiter. Diese Aufteilung ist bei all der Komplexität wichtig.

weekend: Die Firma Nimaro gibt es seit über 70 Jahren. Ihr Erfolgsgeheimnis?
​Sabine Arztmann: Wir arbeiten mit Liebe, Begeisterung, Ehrlichkeit und Bescheidenheit. Es gibt viele tolle Firmen, bei denen in den Spitzenzeiten sehr viele Gewinne aus der Firma rausgenommen werden. Wir sind bescheiden geblieben, haben im kleinen Rahmen investiert. Wir setzen auf Werte und Beständigkeit – das sieht man auch bei unseren Mitarbeitern: Von unseren 18 Angestellten arbeiten selbst die Neulinge schon seit über zehn Jahren bei Nimaro.