Nicole Wolf-Vöhl: Echtes pflegen

Die Betriebswirtin Nicole Wolf-Vöhl ist seit drei Jahren Geschäftsführerin und Botschafterin für die Qualitätsprodukte von 160 Bregenzerwälder Bauern, Sennereien, Gastwirten, Handwerkern und Handelsbetrieben.

Nicole Wolf-Vöhl
„Nur in der Kooperation und in der Gemeinschaft ist man langfristig erfolgreich.“ Nicole Wolf-Vöhl, GF KäseStrasse Bregenzerwald Foto: walser-image.com

Weekend: Sie waren bereits bei den Anfängen der KäseStrasse dabei?
Nicole Wolf-Vöhl:
Ja, obwohl ich Tirolerin bin, war ich mit der KäseStrasse und der Region emotional schon sehr lange verbunden. Als ich 1998 an der Fachhochschule Vorarlberg betriebliches Prozess- und Projektmanagement studierte, absolvierte ich ein halbjähriges Praktikum bei Franz Rüf. Damals wurde die Pflege und Vermarktung der Bregenzerwälder Käsekultur mit der Gründung der KäseStrasse aus der Taufe gehoben.

Weekend: Was hat sich in diesen 21 Jahren getan?
Nicole Wolf-Vöhl:
Es ist schön zu sehen, dass nach über 20 Jahren immer noch große Begeisterung am Projekt und an der Zusammenarbeit herrscht. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette spielen Handel, Handwerk, Käsemacher, Gastronomie, Hotellerie zusammen. Vor 21 Jahren führten wir einen Bruchteil der nun weit über 50 verschiedenen Käsespezialitäten. Unser Leitprodukt ist der Alp- und Bergkäse, der auch das EU-Gütesiegel g.U. – geschützter Ursprung – trägt.

Weekend: Die KäseStrasse firmiert mit dem Zusatz „das Heumilchtal Europas“?
Nicole Wolf-Vöhl:
Die im Bregenzerwald praktizierte Dreistufenwirtschaft zählt seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Die KäseStrasse hat sich als Verein sehr stark für diese erhaltenswerte Struktur eingesetzt. Von Mai bis Oktober fressen unsere Kühe Gras und Kräuter und im Winter das luftgetrocknete Heu von Talwiesen. Alle unsere Mitgliedsennereien verarbeiten ausschließlich Heumilch. Das ist unser größtes Gut, das es zu bewahren gilt. Im gesamten EU-Raum wird nur mehr 3 % Heumilch erzeugt! Der Aufwand ist groß, aber es ist die ursprünglichste Form der Bewirtschaftung, die traditionelle Form des Käsemachens.

Weekend: Spüren Sie Trends wie die vegane Ernährung?
Nicole Wolf-Vöhl:
Wir spüren keinen Rückgang. Für verschiedene Ernährungsformen – z.B. bei Kuhmilchunverträglichkeiten – haben wir zahlreiche Schaf- und Ziegenmilchprodukte im Angebot. Tierwohl steht bei unseren Produzenten im Vordergrund. Den Zeitgeist der Regionalität – zu wissen wo das Produkt herkommt – treffen wir punktgenau. In der Vermarktung führen wir den Zusatz „Mit Hand und Herz das Echte pflegen“.

Weekend: Viele fragen nach dem Erfolgsgeheimnis?
Nicole Wolf-Vöhl:
Die KäseStrasse Bregenzerwald funktioniert, weil mein engagiertes Team und der ehrenamtliche Vorstand ringsum Obmann Max Bereuter einen unglaublichen Einsatz zeigen. Alles was wir entwickeln und voranbringen, machen wir gemeinsam im Team. Zahlreiche Besucher aus anderen Regionen und Vertreter anderer Landwirtschaftskammern kommen zum Austausch. 7000 bis 8000 Gäste besichtigen jährlich den von Sennereien und Vermarktern 2002 gegründeten Käsekeller.

Weekend: Aktuell laden Sie zur HERBST.GENUSS.ZEIT?
Nicole Wolf-Vöhl:
Vom 14. Sept. bis 6. Okt. führen wir gemeinsam mit dem Großen Walsertal und dem Kleinwalsertal die ersten HERBST.GENUSS.ZEIT-Wochen durch. Präsentationen unserer Leitprodukte, Veranstaltungen, Märkte, Käseprämierungen und GenussAbende sowie eine Wälderbähnle-Käsefahrt zählen dazu. Das gesamte Genussprogramm findet sich auf www.kaesestrasse.at 

Nicole Wolf-Vöhl
Nicole Wolf-Vöhl, GF KäseStrasse Bregenzerwald Foto: walser-image.com

Zur Person: NICOLE WOLF-VÖHL

  • Jahrgang 1973
  • Geb. in Innsbruck
  • lebt in Partnerschaft
  • Werdegang: Matura, Studium an der FH Vorarlberg (betriebliches Prozess- und Projektmanagement), einige Jahre Selbständigkeit (Beratung/Coaching), seit 2016 Geschäftsführerin KäseStrasse
  • Hobbies: Italien, Kochen, Kultur, Kunst

Mehr zum Thema: