New England: Leuchttürme & Blätterwald

Indian Summer. New York, Los Angeles, Las Vegas: Die Vereinigten Staaten sind auch, was die Reisemöglichkeiten betrifft, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir haben uns für einen Roadtrip fernab der üblichen Touristen-Hotspots entschieden.

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Foto: kirkikis/ iStock/ Getty Images Plus

Eine Reise durch die Neuengland-Staaten der USA ist vor allem im Herbst beeindruckend. Da verwandeln sich nämlich die Wälder in ein flammendes Farbenmeer. So gut wie alle Österreich-Touristen – aber wenige Österreicher – haben den Film „Sound of Music“ gesehen, der die Geschichte der singenden Familie Trapp erzählt. Grund genug, den Ort zu besuchen, an den die Familie vor über 80 Jahren auswanderte. Das erste Ziel unserer Reise führt uns also nach Stowe im Bundesstaat Vermont. Das beschauliche Örtchen ist eigentlich ein Wintersportgebiet und verfügt über jede Menge, nach alpenländischem Vorbild gebauten Unterkünften mit klingenden Namen wie „Innsbruck Inn“ oder „The Stowehof Hotel“. Auch die bereits erwähnte Familie Trapp betreibt hier mit der „Trapp Family Lodge“ einen Beherbergungsbetrieb sowie eine Brauerei und Bierhalle. Auch ohne Schnee wird einem nicht langweilig: Zahlreiche Wander- und Radrouten sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Auch der höchste Punkt des Bundesstaats, der Mount Mansfield (1.339 Meter), lässt sich, dank Gondel, recht einfach erklimmen.

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Stowe ist auch im Herbst eine Reise wert: Mit der Gondel geht’s auf den Mount Mansfield. Foto: Privat

Nervenkitzel

Hoch hinaus geht es auch an unserer zweiten Station: Auf dem Weg nach Gorham (New Hampshire) machen wir in den „White Mountains“ halt, genauer gesagt am Fuße des Mount Washington. Der 1917 Meter hohe Berg ist nicht nur die höchste Erhebung im Nordosten der USA, sondern auch ein Touristen-Magnet. Es gibt drei Möglichkeiten auf den Gipfel, der zu den windreichsten Gegenden der Erde (1934 wurden 372 km/h gemessen) zählt, zu kommen. Von Mai bis Oktober kann man selbstständig oder mit einem Shuttledienst die zwölf Kilometer lange, mautpflichtige „Mt. Washington Autoroad“ befahren und dabei vier Klimazonen passieren. Aber Vorsicht: Die Straße ist sehr eng und verfügt über keine Leitplanken. Wer es gerne ein bisschen gemütlicher angeht, setzt sich einfach in die mehrmals täglich verkehrende Zahnradbahn. Die letzte Variante für den Aufstieg erfordert ein gewisses Maß an Fitness: Etwa 15 Wanderwege, darunter auch der berühmte „Appalachian Trail“, führen die Wanderer ans Ziel. Oben angekommen wird man mit einem atemberaubenden Rundum-Blick auf die Umgebung belohnt. Tipp: Wer den ganzen Nervenkitzel bei einer Shoppingtour verarbeiten möchte, ist in New Hampshire genau richtig. Der Bundesstaat hebt nämlich keine Mehrwertsteuer ein.

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Auch mit einer Zahnradbahn lässt sich der Aufstirg zum Gipfel des Mt. Washington bewältigen. Foto: Privat

Natur pur

Wir verlassen den „Granite State“ und begeben uns an die Atlantikküste von Maine. Genauer gesagt fahren wir nach Bar Harbor, das auf der Mount Desert Island liegt und den Eingang zum Acadia-Nationalpark bildet. Der Park umfasst etwa 192 Quadratkilometer Küstengebiet und ist ein Paradies für Outdoor-Urlauber. Um sich erstmal einen Überblick zu verschaffen, empfiehlt es sich, die Park Loop Road abzufahren, an der sich die meisten Sehenswürdigkeiten befinden. Frühaufstehern ist ein Besuch des „Cadillac Mountain“ ans Herz zu legen. Er gilt als der Punkt in den USA, den die Strahlen der aufgehenden Sonne als erstes treffen. An der Küste angekommen, rücken mit den Leuchttürmen jetzt auch die „heimlichen Wahrzeichen“ der Neuengland-Staaten in den Fokus. An der Südspitze der Insel befindet sich zum Beispiel das „Bass Harbor Head Light“, das eines der meistfotografierten Gebäude New Englands ist.

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Das „Bass Harbor Head Light“ ist eines der meistfotografierten Gebäude New Englands. Foto: Privat

Sommerresidenz

Weiter südlich, aber immer noch im Bundesstaat Maine, begeben wir uns auf die Spuren von Forrest Gump. Im Film läuft Forrest quer durch die USA und erreicht am östlichsten Punkt das „Marshall Point Light“. Der Leuchtturm steht direkt auf der felsigen Küstenlinie und ist nur über einen Holzsteg erreichbar. Im mittlerweile verlassenen Leuchtturmwärterhaus wurde ein kleines Museum eingerichtet. Ebenso prominent geht es inKennebunkport zu. Die Kleinstadt, die ursprünglich ein Fischer- und Schiffsbauerdorf war, ist seit über 100 Jahren ein beliebtes Seebad und wurde als Sommersitz des verstorbenen US-Präsidenten George H. W. Bush bekannt.

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Das „Marshall Point Light“ in Maine diente als Filmkulisse für den Film „Forrest Gump“. Foto: Privat

Der weiße Hai

Zum Abschluss unserer Neuengland-Tour machen wir noch einen Abstecher nach Provincetown (Massachusetts) auf der Halbinsel Cape Cod, die wie ein Angelhaken geformt ist. 1620 gingen hier die Pilgerväter an Land und unterzeichneten den Mayflower-Vertrag. Heute ist die Stadt eines der bevorzugten Reiseziele für die LGBTQ-Community an der Ostküste und gilt als „liberalster Ort nördlich von Key West“. Über das ganze Jahr hinweg werden Festivals und einwöchige Events abgehalten, die sich rund um die belebte „Commercial Street“ abspielen. Doch auch Abseits des wilden Treibens hat Provincetown viel zu bieten. In unmittelbarer Nähe befinden sich gleich drei Leuchttürme, die über wunderschöne Sandstrände zu erreichen sind. Besonders hervorzuheben ist hier der „Provincetown Causeway“. Über den 1,6 Kilometer langen Wellenbrecher lässt sich der menschenleere „Wood End“-Strand erreichen. Cape Cod ist aber nicht nur ein Ziel für Touristen: Da in den letzten Jahren die Zahl der Kegelrobben sehr stark zugenommen hat (etwa 50.000 Tiere), kommen auch immer mehr Weiße Haie an die Küste der Halbinsel.

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An den Stränden von Cape Cod wird vor Weißen Haien gewarnt. Mehr als 150 Tiere bevölkern die Gewässer vor der Halbinsel. Foto: Privat