Neue Träume – Julia Dujmovits im Interview

Im Weekend-Interview spricht Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits über die Herausforderungen der neuen Saison, Yoga als Lebensstil, die Vermarktung nach außen und die negativen Auswirkungen einer Goldmedaille.

Dujmovits_titelbild1 2.jpg
Foto: Montage GEPA pictures/ Weekend Magazin

Ein Klassiker zum Einstieg: Hast du den Olympiasieg schon verarbeitet?
Julia Dujmovits: Mit dem Olympiasieg ist für mich ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Natürlich verändert sich im ersten Moment vieles. In den zwei Monaten nach Sotschi hatte ich nur Termine – das war sehr ungewohnt für mich. Vor den Spielen konnte ich mich voll auf das Sportliche konzentrieren. Man kann sich das so vorstellen, als würde man eine Party feiern und irgendwann kommt der Hangover. Nach den zwei Monaten habe ich gemerkt, dass ich mich leer und erschöpft fühle. Deshalb bin ich nach Maui geflogen, um mich selbst wiederzufinden und neue Ziele zu definieren.

GEPA-22021455161.jpg
Foto: GEPA pictures

„Ich habe eine wunderschöne Goldmedaille für meinen Lebenstraum eingetauscht.“

 

Das klingt, als könte es auch negative Auswirkungen haben, wenn man sich seinen Lebenstraum erfüllt …
Julia Dujmovits: Wenn man Zweiter wird, hat man schon während der Siegerehrung das Ziel, im nächsten Rennen ganz oben zu stehen. In meinem Fall habe ich eine wunderschöne Goldmedaille gegen einen Lebenstraum eingetauscht – man merkt erst später, dass die Motivation, im Training alles zu geben, einfach weg ist. Das klingt jetzt wie Jammern auf höchstem Niveau, aber ich brauche einfach diese großen Träume, um mich richtig pushen zu können.

Wie ist das Gefühl, wenn man vom ganzen Land bejubelt wird?
Julia Dujmovits: Es ist Wahnsinn, wenn fremde Menschen mit Tränen in den Augen vor einem stehen und sich so mitfreuen. Gerade bei mir zu Hause im Burgenland – es war ja die erste Goldmedaille einer Burgenländerin bei Olympischen Spielen – war die Begeisterung zu spüren. Mir ist auch klar, dass ich jetzt eine Vorbildwirkung habe.

Auf Maui hast du zum Yoga gefunden, hört man. Ist das für dich eher Stressbewältigung oder mehr körperliches Training?
Julia Dujmovits: Yoga ist ein Riesenbestandteil in meinem Training. Sowohl im körperlichen als auch im mentalen Bereich. Vor drei Jahren hab ich damit begonnen und sofort gemerkt, dass mich die Philosophie inspiriert und mir Kraft gibt – es lässt sich auch ein Lebensstil daraus ableiten.

Zurück zum Snowboarden: Im Sommer hast du dich ja verletzt und Trainingszeit verpasst. Bist du bereit für den Weltcupauftakt?
Julia Dujmovits: Ja, ich fühle mich so bereit wie noch nie für mein Saisonziel, den Gesamtweltcup. Natürlich hat mich die Verletzung – zumindest was das Gewicht betrifft – zurückgeworfen. Aber solange ich schnell bin, lasse ich mich davon nicht aus der Ruhe bringen. In den letzten Wochen habe ich viel Zeit ins Testen und in die Abstimmung investiert. Die Saison kann also kommen!

Der Weltcupkalender ist mit sieben Rennen recht übersichtlich. Setzt dich das unter Druck?
Julia Dujmovits: Für mich ist in diesem Jahr jeder Bewerb sozusagen ein Großevent. Durch die wenigen Rennen ist es umso schwieriger, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Man muss jedes Rennen einfach perfekt fahren – wer vorne mitmischen will, darf sich keine Fehler erlauben. Auch die Abstimmung des Materials wird eine große Rolle spielen. Von extrem steil in Moskau und Gastein bis sehr flach in Winterberg haben wir alles dabei.

Skifahrer sagen, dass es immer schwieriger wird, vom Sport zu leben. Wie ist das beim Snowboarden?
Julia Dujmovits: Ich kann mich nicht beschweren. Ich mache, was mir Spaß macht und bekomme zusätzlich eine super Unterstützung. Ich glaube, es geht immer mehr um die Vermarktung. Ich suche mir meine Sponsoren auch danach aus, ob die Marke zu mir passt. Ich mache den Sport ja nicht nur, um Geld zu verdienen.

Diese Haltung muss man sich leisten können. Schon Pläne für die Zeit nach deiner Snowbordkarriere?
Julia Dujmovits: Ich will noch drei Jahre im Weltcup fahren. Nebenbei habe ich auf Maui eine Ausbildung zur Yoga–Lehrerin abgeschlossen und bin dabei, meinen MBA zu machen. Ich werde sicher etwas in Richtung Gesundheit, Training und Lifestyle machen. Ich arbeite jetzt schon an einem zweiten Standbein.

Ein Blick auf die Skipisten lässt vermuten, dass der Snowboard-Boom vorbei ist. Wie siehst du das?
Julia Dujmovits: Es gibt zurzeit keine Sportart, die einen Boom erlebt. Generell wünsche ich mir, dass wieder mehr Kinder zum Leistungssport kommen, weil ich weiß, was einem der Sport geben kann. Das ist uns in den letzten Jahren etwas abhandengekommen.