Exklusiv-Umfrage: Wie wählt Österreich?

Welchem Spitzenkandidaten wird eine besonders starke Persönlichkeit zugeschrieben? Welche Partei punktet mit Inhalt? Wen würde Österreich derzeit wählen?

Nationalratswahl
Am 29. September wird ein neuer Nationalrat gewählt Foto: Roland Schlager/APA/picturedesk.com

Wenn wir davon ausgehen, dass ein gewisser Herr Trump nicht nur wegen seiner missratenen Föhnfrisur oder wenig kongenialer Inhalte gewählt wurde, muss es da noch etwas anderes geben, dass beim Wähler "zieht". Auch wenn Herr Trump vielleicht nicht wirklich ein Vorbild ist, steht fest: Persönlichkeit und Partei sind zentrale Wahlmotive, und das gilt natürlich auch für die Nationalratswahl am 29. September in Österreich. Die von Weekend in Auftrag gegebene Umfrage zeigt eines deutlich: Die ÖVP profitiert enorm von Frontmann Kurz. 42 Prozent der Befragten geben dem Parteichef einen "Einser" in Sachen Persönlichkeit.

Mammutrunden

Charisma oder Personality und manchmal auch Optik sind heute wichtiger denn je. Nicht zuletzt auch durch die Kraft der sozialen Medien. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht irgendein Facebook-Bild oder ein YouTube-Video mit einem Politiker sehen. Zusätzlich werden wir am TV-Gerät von Elefantenrunden förmlich niedergetrampelt. Letztere haben sich zuletzt in Mammutrunden gewandelt. In der heißesten Phase des Wahlkampfs spazieren die Politiker von einer Diskussionsrunde zur anderen. Die Anzahl derartiger TV-Shows ufert schon beinahe aus. Die Highlights der Elefantenrunden sehen wir übrigens dann noch einmal in den sozialen Medien. Die Politiker sind quasi omnipräsent. Früher gab es dagegen nur das Fernsehen, die Zeitung und ein paar Plakate, von denen Parteivorsitzende grinsten.

Welcher Partei-Inhalt?

Durch diese ungeheure Medienpräsenz machen sich die Wähler heute viel leichter ein Bild von der Persönlichkeit eines Politikers als früher. Wählt man womöglich eher die Person und pfeift auf Inhalte? Interessanterweise hat die Umfrage ergeben, dass sich die Bürger zumindest schwer tun, die Parteiprogramme einzuschätzen. Und dies, obwohl wir mit "Parteiinfos" der einzelnen Wahlkämpfer überhäuft werden. Persönlichkeit ist sicher ein zentrales Wahlmotiv, aber nicht alles. Wahlwerbung, Einfluss durch die Familie und das Umfeld, Vorlieben, die Treue zu einer Partei und viele andere Faktoren spielen da kräftig mit. Am Beispiel Kurz sieht man aber klar, dass ein gut positionierter Spitzenkandidat eine ganze Partei aus der Versenkung holen kann.

Sonntagsfrage

Wen würden Sie am kommenden Sonntag wählen? Wie erwartet, legen laut dieser Umfrage Grüne und Neos stark zu. FPÖ, SPÖ und JETZT verlieren Stimmen. Etwa jeder zehnte Wähler ist laut Umfrage unentschlossen, wählt nicht oder möchte einer anderen Partei die Stimme geben. Hinsichtlich Alter und Geschlecht lässt sich wie erwartet Folgendes sagen: Mehr als ein Drittel der ÖVP-Wähler ist älter als 50 Jahre. Auch bei der SPÖ sind immerhin 22 Prozent in dieser Altersgruppe zu finden. Bei der FPÖ fällt vor allem auf, dass Männer und Personen zwischen 16 und 29 Jahren für die FPÖ stimmen würden. Der typische Neos-Wähler ist jung und weiblich, ein Drittel der Grün-Wähler ist zwischen 16 und 49 Jahre alt.

Kandidat oder Inhalt?

Welche Spitzenkandidaten haben eine besonders starke Persönlichkeit – welche Partei ist inhaltlich am besten aufgestellt und bekommt ein SEHR GUT? Diese beiden Fragen hat das Market-Institut im Auftrag des Weekend Magazins gestellt:

Info: Bewertet wurde nach dem Schulnotensystem (1 = besonders starke Persönlichkeit/ 5 = keine starke Persönlichkeit). Die Grafiken zeigen, wieviele Personen die Persönlichkeit des jeweiligen Spitzenkandidaten sowie das Parteiprogramm mit "SEHR GUT" bewerten. haben.

1. Sebastian Kurz

Persönlichkeit: 42 %
Parteiprogramm: 21 %

Der Ex-Kanzler ist vielleicht kein Emotions-Meister und im Grunde eher zurückhaltend, ist aber puncto Persönlichkeit seinen Konkurrenten weit voraus. 80 Prozent geben Kurz die Note "1" - "3". Nur wenige verteilten an Kurz ein "Nicht Genügend".

2. Pamela Rendi-Wagner

Persönlichkeit: 8 %
Parteiprogramm: 7 %

Die SPÖ-Chefin kann von Ibiza & Co. nur wenig profitieren. Als starke Persönlichkeit wird sie nicht gesehen. Sie ist laut Umfrage Schlusslicht im Persönlichkeitsranking. Allerdings liegt die SPÖ derzeit auf Platz zwei in der Wählergunst.

3. Norbert Hofer

Persönlichkeit: 15 %
Parteiprogramm: 8 %

Der FPÖ-Chef bekommt von 15 Prozent der Befragten die Note SEHR GUT. 28 % geben ihm die Note "Gut". Bei der Bewertung des Parteiprogramms liegt die FPÖ mit 8 % dort, wo sich auch Neos, SPÖ und Grüne befinden.

4. Beate Meinl-Reisinger

Persönlichkeit: 15 %
Parteiprogramm: 6 %

Sie musste nach dem Abgang von Matthias Strolz in große Fußstapfen treten. Immerhin erreicht die Parteivorsitzende nach einem Jahr als Frontfrau den gleichen Wert wie Norbert Hofer. Von 15% der Befragten bekam sie ein SEHR GUT.

5. JETZT - Liste Pilz

Persönlichkeit: 16 %
Parteiprogramm: 2 %

Wie schon der Name der Liste "Pilz" verrät, überflügelt die Persönlichkeit des streitbaren Querdenkers die Inhalte seiner Partei. Dass Pilz polarisiert, sieht man am Umstand, dass ihm ein Fünftel der Befragten "keine starke Persönlichkeit" zugesteht.

6. Werner Kogler

Persönlichkeit: 11 %
Parteiprogramm: 9 %

Der Grünen-Frontmann wirkt authentisch - nicht wie von Politikberatern in ein enges Korsett gepfercht. 11 % sehen ihn als besonders starke Persönlichkeit. Im Gegensatz zur Liste Pilz können die Befragten mehr mit den Inhalten der Grünen anfangen.

Die Sonntagsfrage

Angenommen, kommenden Sonntag wären Nationalratswahlen – welcher Partei würden Sie bei einer Nationalratswahl Ihre Stimme geben? Und welche Partei käme für Sie am ehesten in Frage? Im Vergleich dazu die Werte der Nationalratswahl 2017.

  • Die neue Volkspartei: 34 % (2017: 31,5 %)
  • SPÖ: 22 % (2017: 26,9 %)
  • FPÖ: 21 % (2017: 26,0 %)
  • Neos: 10 % (2017: 5,3 %)
  • Jetzt - Liste Pilz: 2 % (2017: 4,4 %)
  • Die Grünen: 10 % (2017: 3,8 %)
  • Andere Parteien: 1 % (2017: 2,1 %)