Nagl nimmt Opposition ins Visier

Mit der Absage der Grazer Olympiaträume musste Bürgermeister Siegfried Nagl einen persönlichen Tiefschlag hinnehmen – im Weekend-Interview zeigt er sich aber schon wieder angriffslustig und schießt scharf gegen die Opposition.

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Siegfried Nagl kritisiert die Opposition im Grazer Rathaus in ungewohnter Schärfe. Foto: geopho.com

Weekend: Herr Bürgermeister, wie groß ist Ihre persönliche Enttäuschung über das Aus der Grazer Olympiabewerbung?

Siegfried Nagl: Nach wie vor groß – denn so weit, wie bei dieser Bewerbung, wird das Fenster zu Olympiåschen Spielen nie mehr offen stehen. Ich weiß, dass es dem IOC mit der Agenda 2020 ernst ist und daher werden die Winterspiele 2026 die günstigsten der Geschichte werden.

weekend: Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Siegfried Nagl: Was sollte ich anders machen? Eine spontane Initiative von unten, nachdem die Volksabstimmung in Tirol negativ ausgegangen ist – mit Bürgermeistern und Verbänden, ein professionelles Team um Markus Pichler in der Abwicklung, eine Machbarkeitsstudie der renommiertesten steirischen Wissenschaftseinrichtungen, die uns bescheinigt, dass die Winterspiele allein 665 Millionen Euro Steuereinnahmen gebracht hätten, sowie einen praktisch unbezifferbaren Werbewert. Das sollten eigentlich genug Gründe sein, um in den Ring zu steigen …

weekend: Lassen sich die entstandenen Kosten für die Bewerbung beziffern?

Siegfried Nagl: Vier Monate Personalkosten und die Kosten für die Machbarkeitsstudie, die jedenfalls für Sportgroßveranstaltungen in unserer Region sehr nützlich ist. Allein diese paar Monate der möglichen Bewerbung haben gezeigt, wie groß der Werbewert Olympische Spiele ist. Graz und die Wintersportregionen waren in aller Munde.

 

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Foto: geopho.com

 

weekend: Jetzt hat die Grazer Stadtregierung in den letzten Wochen und Monaten mit neuen Projekten und Visionen nicht gerade gegeizt – die Opposition spricht gerne von Luftschlössern …

Siegfried Nagl: Da muss ich gleich einhaken: Normalerweise treibt ja die Opposition den Bürgermeister, bei uns ist es eben umgekehrt. Da bleibt ja gar nichts anderes über, als von Luftschlössern zu reden, weil wir ja schneller in der Ideenfindung und Umsetzung sind, als die mit ihrem Schimpfen nachkommen. Traurig genug, weil die sogenannte Opposition in Graz ja eigentlich gar keine ist – mit Ausnahme der Neos sitzen da ja alle in der Regierung. Aber weder Frau Kahr noch Herr Krotzer oder Frau Wirnsberger haben irgendwelche Ideen oder bringen sich konstruktiv ein.

weekend: Aber wie sieht’s denn mit der Umsetzung der Plabutschgondel, Bienenstockgarage etc. aus?

Siegfried Nagl: Das sind alles keine Luftschlösser – wer mich kennt, weiß, dass alles, was ich einmal angekündigt habe, auch gekommen ist. Die Plabutschgondel wird schon geplant, bei der Murgondel sind wir in guten Gesprächen mit dem Infrastrukturministerium. Und bei der von Ihnen angesprochenen Bienenstockgarage ist es so, dass wir demnächst neue Standortmöglichkeiten vorstellen werden.

weekend: Gibt’s noch weitere Pfeile im Ideen-Köcher?

Siegfried Nagl: Ein Beispiel: Wir dürfen gerade die Entlastungsstrecke für die Herrengasse von der Neutorgasse über die Mur zur Belgiergasse planen. Ich möchte da keine normale Brücke. Ich war auf der Ponte Vecchio in Florenz, wir brauchen eine Ponte Nuovo – eine Brücke mit Geschäften oder vielleicht mit der längsten Bar der Welt rüber zum Hotel Weitzer.

weekend: Irgendwie hat man das Gefühl, Sie sprühen aktuell vor Tatendrang und das in Ihrem 15. Jahr als Bürgermeister …

Siegfried Nagl: Ich glaube, das Wichtigste ist, dass du Freude in deinem Beruf hast – und bei all den positiven Entwicklungen in unserer Stadt hab ich aktuell eine unglaubliche Freude. Ich bin leicht entflammbar, oft zu euphorisch – aber ich glaube, das ist auch Aufgabe eines Bürgermeisters, andere anzustecken und irgendwie glaube ich, den richtigen Beruf gefunden zu haben. Ich darf bewegen, ich darf dazulernen, ich darf helfen – und da bekommt man auch Dankbarkeit zurück. Also der Spruch, dass Politik nicht dankbar ist, stimmt nicht.

weekend: Vor der letzten Wahl wurden Sie als konservativer Familienmensch mit Zug zur Macht betitelt – wie konservativ sind Sie?

Siegfried Nagl: Ich bin konservativ erzogen worden und es geht mir gut damit. Altes und Bewährtes nicht aufzugeben, ist nicht immer schlecht. Aber ich bin deswegen nicht von gestern. Ich bin Neuem gegenüber aufgeschlossen, sonst hätten wir nicht dauernd diese Diskussionen …

weekend: Ist die Grazer ÖVP jetzt türkis oder schwarz?

Siegfried Nagl: Die ÖVP ist und bleibt, was sie ist – eine Partei der Mitte und, dass wir Farben und Logos ab und zu austauschen, soll nicht zu schwer irritieren.

weekend: Sehr elegant umschrieben …

Siegfried Nagl: Auch ein Unternehmen ändert im Laufe der Zeit seine Farben. Ich denke, wir sind eine gute Mischung. Schwarz steht ja für das Gewand der Priester und ich glaube, die christliche Soziallehre ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil der ÖVP – und wenn jemand wie Sebastian Kurz jetzt Modernität ausdrücken will, dann kann er das gerne tun.

weekend: Letzte Frage, Bürgermeister oder Landeshauptmann – welcher Titel wird in acht Jahren neben Ihrer Bürotür stehen?

Siegfried Nagl: Vielleicht gleich Bundespräsident (lacht). Ich bleibe bei meiner Grundaussage, dass ich mich wirklich freue, für vieles gehandelt zu werden. Ich weiß aber wirklich nicht, was in acht Jahren sein wird.