Warum im Job Intuition das beste Rezept ist

Unsicher, welche Entscheidung man treffen soll? Nicht immer helfen da die besseren Argumente. Der beste Kompass ist am Ende die Intuition. Warum das so ist und welche Chancen sie uns eröffnet.

Frau Karriere Männer Job - Karriere
Rationale Entscheidungen im Job führen nur selten ans Ziel Foto: Eyecandy Images/iStock/Thinkstock

Intuition wird oft unterschätzt, auch im Berufsleben. Sie hat gerade nichts mit Bauchgefühl zu tun, betont der Hirnforscher Gerhard Roth. "Bauchgefühle sind starke Affekte und fast immer falsch." Intuition speist sich dagegen aus dem Langzeitgedächtnis, in dem Erinnerungen an alles abgelegt sind, was wir erlebt haben. Diese Informationen aus dem Vorbewussten können einem beim Treffen von Entscheidungen durchaus helfen. "Intuition ist das Ergebnis von sehr vielen Erfahrungen", so der Wissenschafter.

Intuition braucht Zeit

Intuitives Entscheiden sei daher nachweislich die beste Alternative. Eine Möglichkeit dafür ist, zunächst die Zahl der Optionen nach rationalen Gesichtspunkten deutlich zu verringern, dann darüber zu diskutieren, ein oder zwei Tage abzuwarten, ohne über die Entscheidung weiter nachzudenken, und dann zu entscheiden - dabei kann man dann von der Intuition profitieren.

Keine Idee? Nur keine Panik!

Intuitives Entscheiden habe keine Nachteile, außer, dass man dafür Zeit brauche, sagt Roth. Denn die richtige Eingebung komme manchmal erst morgens unter der Dusche. "Man muss dafür locker lassen, und man darf nicht in Panik geraten." Genauso falsch sei, eine intuitive Entscheidung erzwingen zu wollen. Das könne nicht klappen.

Der Weg zur Entscheidung

Und auch unter Zeitdruck und sonstigem Stress kann man nicht richtig intuitiv entscheiden. Deshalb sei es gut, in solchen Situationen zum Beispiel eine Stunde spazieren zu gehen. "Danach sieht die Welt oft anders aus." Wer etwa aus beruflichen Gründen umziehen soll, muss eine ziemlich komplexe Frage entscheiden. Das muss man diskutieren und abwägen. "Aber dann sollte man sich eine Bedenkzeit nehmen - und plötzlich ist dann oft das Gefühl ganz klar, was man machen soll." Roth hält intuitives Entscheiden insgesamt für unterschätzt: "Man müsste sich im Berufsleben noch viel mehr auf seine Intuition verlassen."

Nicht vorschnell entscheiden

Aber was tun, wenn die Vernunft scheinbar für das eine und die Intuition für etwas anderes spricht? "Wenn mich die Intuition vor etwas warnt, dann ist das schon verdächtig", sagt Roth. Dann sei es wichtig herauszufinden, warum die Intuition diese Signale sende. Möglicherweise erkennt man, dass etwas Irrationales, nicht Relevantes dahintersteckt - dann muss man nicht auf sie hören. Aber vielleicht gibt es eben doch gute Gründe, ihr den Vorzug zu geben.