Mirelas Familien-Blog: Geschwister-Hass-Liebe

Abstand halten ist angesagt, zu den Großeltern und zur Außenwelt. Das schlägt aufs Gemüt meiner Mädels und macht sie zu wahren Streithennen.

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Der Streit um Spielsachen kann schon mal eskalieren Foto: Modelfoto: Colourbox.de

Wenn Sie wissen wollen, wie es anderen Redakteurinnen und Redakteuren daheim mit Kindern geht – hier geht's lang: Philipp Eitzinger und Werner Christl

Kein Putzteufel

"Aufräumen während die Kinder im Haus sind ist wie Zähneputzen während man ein Nutellabrot ist", sagt eine Social Media-Weisheit. Und schon vor der Coronakrise war ich kein wilder Putzteufel, der durch die Wohnung fegt und alle Dinge an die ihnen zugewiesenen Plätze parkt. Und jetzt, da wir drei Mädels gemeinsam so viele Zeit Zuhause verbringen und von in der Früh weg die Spielsachen quer durch alle Zimmer verteilt sind, denke ich mir: "Glück gehabt!" Denn stellt euch mal vor, ich wäre eine Ordentlichkeitsfanatikerin. Ich würde doch den ganzen Tag nur den Kindern hinterherräumen, saugen, wischen und desinfizieren - und dabei keine Zeit für einen "chilligen" Kaffee auf dem Balkon haben. Ich würde die Kinder bei jedem Handgriff ansudern und zum Ordnunghalten ermahnen. Wobei, ich muss zugeben, dass auch in der "Davor-Zeit" der Satz "Wenn ihr eure Spielsachen nicht sofort aufräumt, komme ich mit dem großen, schwarzen Müllsack" öfter im Monat gefallen ist und auch jetzt noch manchmal fällt.

Apropos Spielsachen

Meine Kinder haben jede Menge davon. Gespielt wird damit aber nicht wirklich. Zwar nehmen sie jedes einzelne Teil jeden Tag in die Hand, legen es aber sofort wieder weg. Stattdessen scheinen meine Sachen wie Geschirr, Stifte, Notizblöcke, Schuhe und der gesamte Inhalt meiner Handtasche (und in Frauenhandtaschen ist vieeeel drin) eine magische Anziehungskraft auf die Mädels auszuüben. Vor allem die Kleine (2) hat am Tag öfters Phasen (und wir reden hier nicht von einigen wenigen Minuten), in denen sie nur nach Sachen greift, die nicht zum Spielen gedacht sind oder die ausdrücklich nur der großen Schwester (6) gehören. Da ist Streit zwischen den beiden vorprogrammiert.

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Fallen "Wenn, dann..."-Sätze, haben sich meine Mädels plötzlich wieder ganz lieb Foto: Modelfoto: Colourbox.de

Geschwisterliebe ist ...

Ich habe einen schwerstbehinderten Bruder, mit dem ich diese besondere Geschwister-Hass-Liebe nie austragen konnte. Dafür sind meine Mädels wahre Streithennen. Das startet schon morgens, wenn es darum geht, wer die Milch für den Kakao aus dem Kühlschrank holt, geht dann weiter mit der Frage, wer beim Zähneputzen auf dem großen Hocker stehen darf, wer sich zu Mittag als Erste das Ketchup zu den Frankfurtern auf den Teller kleckern darf und endet abends damit, wer entscheiden darf, welche Farbe das Nachtlicht im Zimmer haben soll. Doch diese Streitpunkte lassen sich mit einem Plan und einer Aufgabenverteilung leicht vermeiden. Was aber unvermeidbar erscheint, ist das Gezänker um die Spielsachen. Kaum hat die Große etwas in der Hand, will es die Kleine auch haben. Oder sie will es zerstören. Es wird geschrien, geschubst, an den Haaren gezogen, gezwickt. So lange alles verbal verläuft, lasse ich sie ihren Streit austragen. Wenn sie handgreiflich werden und sie meine Schlichtungsversuche überhören, kommen meine gar nicht so pädagigisch wertvollen "Wenn, dann..."-Sätze ins Spiel, die ich zwar meist nicht in die Tat umsetze, dafür aber die beiden dazu bringe, sich gaaaanz lieb zu haben und plötzlich doch die Freude am gemeinsamen Spielen entdecken.

Abstand halten

Streitigkeiten wie diese gab es auch in der Davor-Zeit, natürlich. Aber nicht so viele, denn beide waren tagsüber in Betreuung und waren nach "Feierabend" froh, wieder miteinander Zeit verbringen zu dürfen. In den Ferien sind die Großeltern eingesprungen und haben mit der Großen Ausflüge gemacht, im Garten gearbeitet oder Einkäufe erledigt, so dass die beiden Abstand voneinander hatten. Jetzt ist aber Abstand halten zu den Großeltern angesagt - was zusätzlich zu den Ausgangsbeschränkungen für Unmut in den kleinen Kinderseelen sorgt.