Mythos Millionenshow: Ein Blick hinter die Kulissen

Weekend durfte exklusiv bei der Produktion der Promi-Millionenshow in Köln mit dabei sein. Ein spannender Ausflug mit nie da gewesenen Einblicken.

Millionenshow
Seit 2002 moderiert Armin Assinger die "Millionenshow" Foto: Günther Pichlkostner/First Look/picturedesk.com

Selten hat ein Sessel solche Begehrlichkeiten ausgelöst wie jener der Millionenshow. Wer dort Platz nehmen darf, dem winkt das ganz große Geld – nämlich eine Million Euro. Bis dorthin ist der Weg aber holprig. Zuerst muss in der Auswahlrunde bestanden werden, und dann trennen den Kandidaten 15 Fragen vom Geldsegen. Seit dem Jahr 2000 wird die Millionenshow ausgestrahlt, mehr als 900 normale Folgen wurden bereits gedreht, acht mal wurde bisher die Million geknackt. Immer mit dabei ist Armin Assinger, der Ex-Skirennläufer macht den Job schon seit 2002. Davor versuchten sich Rainhard Fendrich und Barbara Stöckl als Quizmaster. Assinger punktet vor allem mit seinem rustikalen Charme und dem starken Kärntner Lokalkolorit, das auch bei von ihm kommentierten Skirennen immer wieder für Erheiterung sorgt. Viermal im Jahr gibt es sogenannte Promi-Millionenshows. In denen geht es nicht um die Million, sondern um Geld für den guten Zweck. Maximal 75.000 Euro lassen sich erspielen.

Langer Tag

Wir durften bei der Aufzeichnung der Promi-Millionenshow zugunsten der österreichischen Sporthilfe mit dabei sein. Der Flug von Wien nach Köln startete um kurz vor 10 Uhr vormittags. Bereits am Flughafen in Wien geben sich Stars, Sponsoren und Begleiter die Klinke in die Hand. Der Aufzeichnungstag beginnt also sehr früh mit einem kollektiven Flug nach Köln, dort wird nämlich seit 2000 die Millionenshow im gleichen Studio wie das deutsche Pendant "Wer wird Millionär?" aufgezeichnet.

Straffer Zeitplan

Nach dem Einchecken ins Hotel und einem kurzen Mittagessen geht es ins Studio in Hürth, einem Vorort von Köln. Mitten im Industriegebiet hat sich dort eine Filmindustrie der Superlative etabliert. Mehrere Studios ­stehen am Gelände bereit – die Millionenshow wird in Studio 7 aufgenommen. Vor Ort sind rund 70 Personen im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf der Aufzeichnung zu garan­tieren. Bevor es jedoch ernst wird, werden die Kandidaten gebrieft und dürfen das Studio erkunden. Sie machen Bekanntschaft mit den Stühlen und dem Computerbildschirm der Auswahlrunde. Dann wird von einem Mitarbeiter des Studios eine Spielrunde simuliert. Für die Promis eine neue Erfahrung, aber auch für uns. Tatsächlich in diesem ikonischen Studio zu stehen ist eine einmalige Sache. Am Bildschirm wirkt es groß – in Realität ist es viel kleiner als gedacht. Das Zauberwort nennt sich Kamerawinkel – der lässt alles größer und weitläufiger erscheinen. Während die Promi-Kandidaten üben, machen wir es uns auf den Rängen gemütlich. Dort befinden sich auch die Auswahlgeräte für den ­Publikumsjoker. Ein einfaches Gerät mit vier Knöpfen und ­einem LCD-Display. In der Show kann es aber zwischen Sieg oder Niederlage entscheiden.

Vorbereitungen

Nach dem Briefing um ca. 15.00 Uhr muss alles schnell gehen, denn um 17.00 Uhr soll die Aufzeichnung pünktlich beginnen. Für die Kandidaten geht es in die Maske, sie werden verkabelt und müssen im speziellen Fall der Promi-Millionenshow auch uns und unseren Kollegen von den Seitenblicken Rede und Antwort stehen. Je näher die Aufzeichnung rückt, desto hektischer wird es. Während wir die sympathischen Rodler David Gleirscher und Markus Prock nach ihrer Taktik befragen, warten vor der Tür schon Alois Stadl­ober und seine Tochter Theresa. Auch für die Promi-Kandidaten ist so eine Situation nicht alltäglich, vor allem die Angst etwas aus dem eigenen Bereich nicht zu wissen sitzt im Nacken. Während die Langläufer und Rodler etwas reserviert und fast schüchtern sind, wird es bei den Skifahrern lauter. Rainer Schönfelder und Michi Kirchgasser sorgen für Klamauk beim Interview und später auch in der Sendung. Wir merken, dass der Spaß an der Sache und der Charity- Gedanke jedoch bei allen im Vordergrund steht. Es soll genügend Geld für die österreichische Sporthilfe gesammelt werden. Die unterstützt mit einem Budget von jährlich circa drei Millionen Euro Österreichs Sportler abseits der großen Budgets und ­Glitzerwelten.

Aufzeichnung

Punkt 17.00 Uhr startet im Studio die Aufzeichnung. Davor wurde das Publikum durch einen Anheizer auf Betriebstemperatur gebracht. Auf den Rängen sitzen vorwiegend Deutsche. Für die österreichische Millionenshow muss kein Eintritt bezahlt werden – für das deutsche Pendant sehr wohl – die Warteliste ist trotzdem gigantisch. Armin Assinger begrüßt Publikum und Gäste – und es geht los. Es wird versucht, alles so schnell wie möglich und ohne viele Unterbrechungen aufzuzeichnen. Da bei der Promi-Millionenshow vier Paarungen dran sind, gibt es allerdings eine kurze Pause. Während der Aufzeichnung zeigt uns der deutsche Showverantwortliche von Endemol Shine die Regieräume und den Rest des großen Gebäudes. Gegen 21 Uhr ist die neueste Folge der Promi-Millionenshow für die Sporthilfe abgedreht. Es geht retour ins Hotel – und bei einem Abendessen wird die Show noch einmal besprochen. Der spannende Tag endet um Mitternacht – das Ergebnis sehen Sie am 29. Oktober im ORF.

Armin Assinger hautnah

Weekend: Sie machen das jetzt seit 2002, macht die Show noch immer Spaß?

Assinger: Ja! Die Abwechlsung macht es aus, keine Show ist wie die andere. Die Kandidaten sind ein wichtiger Faktor. Da sitzen die unterschiedlichsten Typen bei mir am Sessel – von ruhig bis aufgeweckt ist alles dabei. Das alles unter einen Hut zu bringen ist eine positive Heraus­forderung für mich.

Was macht mehr Spaß, Millionenshow oder eine Kitz-Abfahrt kommentieren?

Eine gemeine Frage! Ich sag immer, das was ich gerade tue, taugt mir am meisten. Heute wird’s die Millionenshow sein, morgen etwas anderes. Das ist so mein Credo – das, was ich mache, versuche ich zu 100 Prozent mit Freude zu machen. Damit lässt es sich gut leben – und jeder Job macht Spaß.

Bei den Promi-Millionenshows wird beim Einsagen ein Auge zugedrückt, weil es um einen guten Zweck geht. Ab welchem Punkt ist es aber selbst Ihnen zu viel?

Witzigerweise sind die Sportler viel disziplinierter als andere Promis in den Shows und sagen nicht so viel ein. Bis zu einem ­gewissen Grad gehört es aber einfach dazu und ist ein Spaß. Auch der Sponsor geht davon aus, dass er da kräftig Geld zahlt. Insofern drücke ich da gerne ein Auge zu. Lustigerweise wird es aber, je höher es rauf geht, immer ruhiger auf den hinteren Rängen. Da hat dann jeder Angst, dass er sich blamiert, wenn die Antwort falsch ist.