Kärntner Polizeichefin über Corona-Rebellen

Ob wegen Ahnungslosigkeit oder aus Trotz - auch knapp zwei Wochen nach Erlass der Ausgangsbeschränkung gibt es zahlreiche Menschen, die auf die Vorgaben der Regierung pfeifen. Dennoch sagt Kärntens Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß im weekend-Interview: "Der Großteil ist diszipliniert!"

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Die Kärntner Polizei setzt in erster Linie auf Eigenverantwortung und Bewusstseinsbildung Foto: BMI/Gerd Pachauer

weekend: Seit knapp zwei Wochen gilt österreichweit die Ausgangsbeschränkung. Wie diszipliniert sind die Kärntner? 
Michaela Kohlweiß: Man ist sich der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst und geht dementsprechend diszipliniert und eigenverantwortlich vor. Der überwiegende Teil der Menschen hält sich daher auch an die Vorgaben der Regierung.

weekend: Wie verhalten sich "Ertappte" in den meisten Fällen?
Michaela Kohlweiß: Sie geben an, dass sie sich ganz bewusst dafür entschieden haben, die Vorgaben im Einzelfall „nicht so ernst zu nehmen“. Andere wiederum nehmen bewusst in Kauf, sich und ihre Umgebung mit ihrem Verhalten zu gefährden. Das ist aber zur Zeit die absolute Ausnahme.

weekend: Wird zuerst gemahnt oder gleich gestraft?
Michaela Kohlweiß: Die Polizistinnen und Polizisten setzen in erster Linie auf Eigenverantwortung und Bewusstseinsbildung. Im Zuge der Amtshandlungen wird sehr rasch klar, welche Maßnahmen zielführend sind. Erforderlichenfalls wird konsequent durchgegriffen und Anzeige an die Gesundheitsbehörde (Bezirkshauptmannschaften oder die Magistrate) erstattet. Dort wird auch die Strafhöhe festgesetzt. 

weekend: Wer hält sich eher an die Verordnung - junge Leute, Familien, ältere Mitbürger?
Michaela Kohlweiß: Wesentlich ist, dass sich der überwiegende Teil der Menschen an die Vorgaben hält. Anzeigen wiederum betreffen Menschen aller Altersgruppen. 

weekend: Rechnen Sie damit, dass es mehr "Regelbrecher" geben wird, desto länger die Ausgangsbeschränkungen dauern?
Michaela Kohlweiß: Im Moment ist ein derartiger Trend jedenfalls nicht erkennbar.  

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Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß Foto: Studiohorst
weekend: Bekanntermaßen nutzen ja Kriminelle gerade Notsituationen wie diese für ihre Machenschaften. Neben angeblichen Brandmelder-Kontrollen - gibt es auch neue Maschen, vor denen Sie warnen möchten? 
Michaela Kohlweiß: Nachdem die kriminelle Energie scheinbar keine Grenzen kennt, treten immer wieder neue „Betrugsmaschen“ auf. Wir als Polizei ersuchen daher die Bevölkerung, auch in dieser Situation nicht leichtgläubig zu sein und Ungewohntes zu hinterfragen. Als Hilfestellung haben wir auf unserer Homepage www.polizei.gv.at/ktn Informationen und Präventionstipps zu derzeit gängigen Betrugsmodalitäten zusammengefasst.

weekend: Welche Maßnahmen ergreifen die Beamten zum eigenen Schutz gegen eine Virusinfektion?
Michaela Kohlweiß: Wir haben unter anderem sämtliche Empfehlungen der Gesundheitsbehörden, insbesondere in Hinblick auf Desinfektion und Hygiene, im eigenen Bereich umgesetzt. Es gibt neue Richtlinien polizeiliches Einschreiten betreffend und zahlreiche dienstbetriebliche Maßnahmen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2.

weekend: Sind alle Polizisten im Dienst/Einsatz oder mussten sich einige frei nehmen (Kinderbetreuung, gesundheitliches Risiko, etc)?
Michaela Kohlweiß: Innerhalb der Polizei gibt es eine generelle Urlaubssperre und wir haben viele Sonderaktivitäten und Ausbildungen ruhend gestellt. Selbstverständlich gibt es aber auch Polizistinnen und Polizisten, die sich im Krankenstand bzw. in häuslicher Quarantäne befinden oder sich aktuell zuhause um ihre Kinder kümmern.

weekend: ​Ihr Appell an die Kärntner?​
​Michaela Kohlweiß: Soziale Distanz!!!