Mut zu mehr

Die Exportnation Österreich lebt vom Wissenstransfer, von unkonventionellem Netzwerken und nicht zuletzt vom Charme. Michael Otter, Chef der Außenwirtschaft Austria in der WKO, und Konferenz-Host Josef Mantl im Gespräch.

Michael Otter Josef Mantl
von li. nach re.: Josef Mantl (Mastermind Moving Forward Conference) & Michael Otter (Leiter Außenwirtschaft Austria, WKO) Foto: Katharina Schiffl

Weekend: Die Außenwirtschaft Austria streckt als weltweit agierende Handels-Promotion-Agentur ihre Fühler neu aus. Netzwerken 2.0?

Michael Otter: Vor allem Wirkung 2.0. Wir forcieren österreichfreundliche Netzwerke, die helfen, den rot-weiß-roten Innovationsmotor und damit das Exportgeschäft weiter anzukurbeln. Was wir alle nicht vergessen dürfen: Jeder zweite Arbeitsplatz hängt davon ab.

Weekend: Das bedeutet konkret?

Michael Otter: Eckpfeiler sind interaktive Konferenzen mit Workshop-Charakter. Neue unkonventionelle Netzwerkformate, in denen zwei Stunden oder zwei Tage lang im intensiven Austausch ein wirkliches Kennenlernen stattfinden kann. Daraus entstehen Kontakte, die halten. So lässt sich auch Wissen anzapfen und nach Österreich importieren - im Sinne österreichischer Unternehmen.

Weekend: Bei Start-ups und in der Digitalbranche rennen Sie hier wohl offene Türen ein.

Michael Otter: Wir wollen aber auch alle anderen ins Boot holen. Für die Tourismuswirtschaft haben wir beispielsweise eine Innovationsreise nach Berlin organisiert. Thema: der gesunde Schlaf; sozusagen die Kernkompetenz der Hotellerie. Im interaktiven Austausch mit Schlaflabors und Profis vor Ort wurden fantastische neue Ideen und Partnerschaften geboren. Wir waren auch schon mit dem Thema Smart City in Vietnam. Dort haben wir erst im Mai ein neues Außenwirtschafts-Center eröffnet. Zuletzt begleiteten wir die Moving Forward Conference nach New York, wo die Trends brodeln.

Weekend: Zufrieden mit dem Get-together im Big Apple, Herr Mantl?

Josef Mantl: Wir haben mit unserem Baby auf alle Fälle für Furore gesorgt. Mit 500 Gästen waren wir mit der "Moving Forward" das größte europäische Tech-Festival überhaupt. Der Festival-Charakter, die lockere Atmosphäre und der österreichische Schmäh waren hier Eisbrecher - keine schlechte Bilanz in einer Stadt der potenziellen Ignoranz. Uns ist es gelungen, die Amerikaner für uns Österreicher noch mehr zu interessieren - aus rein wirtschaftlichem Kalkül.

Weekend: Hier hilft unser Ruf?

Michael Otter: Österreich wird inzwischen nicht mehr nur als Kultur- und Naturnation wahrgenommen, sondern auch als Zukunftsschmiede.

Josef Mantl: Was gut ankommt: unser langfristiges und partnerschaftliches Denken, gleichzeitig die Wendigkeit und Agilität unserer Betriebe. Österreich steht für Qualität - und nicht zuletzt auch für sehr viel Charme. Das sind keine Platitüden, sondern echte Treiber und Türöffner. Wir müssen uns einfach noch mehr trauen.

Weekend: Auch die viel beschworenen Klein- und Mittelbetriebe?

Michael Otter: Die wollen wir ganz besonders abholen und vernetzen. Meine Mantras dazu: "Austria ist überall" und "Mut zu mehr". Trauen wir uns hinein in neue Märkte.

Josef Mantl: Wir haben Technologie, wir haben sehr viel Know-how. Wir dürfen aber in der Selbstvermarktung nach außen und im Austausch mit den Communitys noch frecher werden.