Kärnten Export? Stark!

Grenzenlos. Nicht nur Kunst kennt keine Landesgrenzen, auch die heimischen Unternehmer: Meinrad Höfferer, Leiter der WKK-Außenwirtschaft, über Kärntner Exporterfolge, (gescheiterte) Handelsabkommen und seine EU-politischen Ambitionen.

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Meinrad Höfferer leitet seit acht Jahren die Bereiche Außenwirtschaft und Internationale Beziehungen in der Wirtschaftskammer Kärnten Foto: Studiohorst

Weekend: Welchen Stellenwert hat der Export in Kärnten?
Meinrad Höfferer: In Zahlen ausgedrückt: Von zehn verdienten Euro in unserem Wirtschaftskreislauf werden sechs Euro im Zusammenhang mit dem Export verdient. An diesem Erfolg sind aber nicht nur die 2.500 Unternehmen beteiligt, die tatsächlich Ware ins Ausland liefern, sondern auch deren Partner & Zulieferer, die unter Umständen ohne das exportierende Unternehmen keinen Auftraggeber hätten. Dieser Erfolg ist typisch für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie Österreich es ist. Wir spielen mit Holland, Finnland und Schweden etwa in der gleichen Liga. Aufgrund der Umstände – wenige Einwohner beispielsweise – könnten wir ja ohne Export nicht so hohe Einkommen generieren. In der Statistik nicht erfasst sind Dienstleistungs-Exporte wie Beratungs- und IT-Leistungen und Tourismus.

Weekend: Was ist der Exportschlager?
Meinrad Höfferer: Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, elektrische Maschinen und Holz.

Weekend: Holz?
Meinrad Höfferer: Ja, nur wenigen ist bekannt, dass wir hier eine der weltweit führenden Regionen sind. Holz ist der einzige Rohstoff, den wir natürlich haben und der wirtschaftlich gut verwertet werden kann. Der jedes Jahr mehr nachwächst als er genutzt wird. Außerdem haben wir ein kleines Harvard oder MIT der Holzausbildung mit der FAST in Ossiach. Fast alle, die weltweit etwas mit Holz zu tun haben, waren in der FAST in Ossiach und haben dort ihre Ausbildung gemacht. Aufforstung, Bewirtschaftung, Holztechniken. Weiters gibt es viele Nischenplayer im Bereich der Holzernte. Der Schneidekopf der Firma Konrad in Preitenegg ist so ziemlich das modernste was es an Schneidetechnologie auf dem Markt gibt. Ausrüstungen der Firma Springer aus Friesach steht auf der ganzen Welt; man findet in Australien das neue internationale Center gebaut aus Kärntner Holz. Funder, Tilly und andere sind hier noch gar nicht miteinberechnet.

Weekend: Die USA sind nach Deutschland (und vor Italien) unser zweitwichtigster Export-Partner. Wie hart würden US-Zölle die Kärntner Exportwirtschaft treffen?
Meinrad Höfferer: Der Importzoll von europäischen Autos in die USA wäre jener Zoll, der am meisten Auswirkungen auf Kärnten hätte – für alle, die im Autozuliefer-Bereich tätig sind, sprich die Microchip- und Software-Hersteller und anderer Teile, die in den Autos verbaut werden. All das würde das Produkt dann verteuern. Donald Trump bezieht sich ja auf das große Defizit der Handelsbilanz Europa/USA. Es heißt, Europa exportiert viel mehr Waren in die USA als es von den USA importiert. Was dabei aber unter den Tisch gefallen lassen wird: Wir alle konsumieren den ganzen Tag unzählige amerikanische Dienstleistungen wie Betriebssysteme, Software, Facebook, Twitter. Das alles sind amerikanische Konzerne, die dort ihre Wertschöpfung haben. Und das wird in diese Rechnung nicht mit aufgenommen.

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"Sechs von zehn erwirtschafteten Euro kommen aus dem Export. Daran sind weit mehr als 2.500 Kärntner Unternehmen beteiligt." Meinrad Höfferer, Leiter WK-Außenwirtsschaft Foto: Studiohorst

Weekend: Hätte uns das Handelsabkommen TTIP die aktuelle Diskussion erspart?
Meinrad Höfferer: Ja, mit TTIP würden wir jetzt über die Diskussionen lachen. Leider wurde damals aber selten über Fakten diskutiert, stattdessen war stets die Rede von Genmais, Chlorhühnern und Ähnlichem. Auf der anderen Seite wurde kürzlich ein Handelsabkommen zwischen der EU und Japan völlig abseits der Öffentlichkeit beschlossen. Die Frage bleibt dann, welche Gruppen dahinter sind. Aber es wird an einem Abkommen mit den Amerikanern kein Weg vorbeiführen.

Weekend: Der nächste Knackpunkt: Brexit…
Meinrad Höfferer: Auf den ersten Blick sind wir vom Brexit, der ja noch gar nicht fix ist, nicht so sehr betroffen, Großbritannien ist der 13.-wichtigste Exportmarkt für uns und 21.-wichtigster Importmarkt. Andere Bundesländer sind natürlich betroffen, die Steiermark wegen der Automobilindustrie etwa. Und wir liefern viel nach Deutschland, das dann auch weitergeht nach Großbritannien. Wir bereiten unsere Unternehmer im Rahmen von verschiedenen Infoveranstaltungen auf den Brexit vor, auf das neue Zollverfahren. Aber ich bin guter Hoffnung, dass es ein zweites Referendum geben wird und der Brexit abgewendet wird.

Weekend: Eine dieser Infoveranstaltungen ist ja unter anderem der 17. Kärntner Exporttag am 3. Juli. Was passiert bei dieser Veranstaltung?
Meinrad Höfferer: An diesem Tag gibt es Workshops, Vorträge und wir vergeben den Kärntner Exportpreis, der zeigen soll, dass es in unserem Bundesland nicht nur zehn große Exporteure gibt, sondern 2.500.

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Meinrad Höfferer will bei dr EU-Wahl im Mai mit seiner Fachkompetenz punkten Foto: Studiohorst

Weekend: Sie strecken Ihre Fühler nach einem politischen Amt aus und treten im Mai bei der EU-Wahl an. Wieso?
Meinrad Höfferer: 80 Prozent der Regulierungen, die für österreichische Betriebe zur Anwendung kommen, werden auf EU-Ebene entschieden. Da ist es für mich wichtig, dass man sich bei dem Thema mit Fachkompetenz einbringt und nicht nur mit seinem Bekanntheitsgrad oder weil man an der politischen Reihe ist. Damit kann ich mich gut identifizieren.

Weekend: Was sind Ihre Themen?
​Meinrad Höfferer: Um unsere Position in der globalen Wirtschaft zu stärken, brauchen wir Handelsabkommen. Ein weiteres Thema ist die Intensivierung der Alpen Adria-Kooperation. Wir kämpfen derzeit damit, dass es keine Möglichkeit gibt, dass ein Kärntner, ein Slowene und ein Italiener gemeinsam ein Projekt einreichen. Sie können es nur bilateral machen oder in einem ganz großen Programm mit 16 Ländern gemeinsam. Wenn wir schon einen einzigartigen Schnittpunkt von drei Kulturen & Sprachkreisen haben, dann müssen wir diesen Alpen Adria-Raum für mehr positionieren als gutes Essen & Trinken, Meer & Berge. Eines meiner wichtigsten Anliegen ist der Umweltschutz, denn Kärnten soll ein guter Wirtschaftsstandort bleiben. In 20 oder 30 Jahren soll es nicht heißen „Wirtschaft stand dort“.

TIPP: 
17. Kärntner Exporttag
3. Juli 2019
Infos & Anmeldung: Tel. 05 90 90 4 757
​​www.exporttag-ktn.at

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