Martin Auer: Übers Backblech schauen

Querdenker, Philosoph, Architekt – diesmal öffnet der Chef des Grazer Bäckereiunternehmens die Tür zum Weekend-Chefbüro. Auer setzt immer wieder Akzente, die weit über seine Backstube hinaus sichtbar sind. Der Erfolg gibt ihm jedenfalls recht.

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Querdenker, Philosoph und erfolgreicher Unternehmer: Martin Auer will dem Brot die Seele zurückgeben. Foto: geopho.com

Noch im Dezember wird es soweit sein – da wird in der „Green City“ in Graz-Straßgang die neueste Filiale von Martin Auer eröffnet. Insgesamt wird es die bereits 30. Dependance des Unternehmens sein. Die Pläne und Ideen stammen, wie sonst auch, vom Chef persönlich – das klassische Berufsbild des Bäckers war für Auer eben schon immer zu eng dimensioniert.

Der Architekt. Die Pläne für die neue Filiale in Straßgang hängen im Büro, im ersten Stock des Stammhauses am Dietrichsteinplatz. „Ich plane und zeichne jede Filiale selbst. Oft verliere ich mich da auch in Details – meine Frau sagt dann gern, vielleicht solltest du dich einmal um die Geschäftsführunge kümmern”, lächelt der dreifache Familienvater. Seit 1688 wird in den historischen Gemäuern Brot gebacken. Der frische Wind, den der jetzige Firmenchef ins Unternehmen gebracht hat, ist aber nicht zu übersehen. Deshalb mutet die neue Filiale in Straßgang für Auer-Verhältnisse fast schon prüde an. „Das wird die erste Filiale sein, die wir einer bereits bestehenden nachempfinden werden – in diesem Fall jener im Wohnpark Gösting. Mit 250 m2 wird es aber zumindest unsere größte Niederlassung sein.“ Also kein rosafarbenes Holzportal (wie am Kaiser-Josef-Platz), kein Zwang mit Karte zu bezahlen (Sonnenfelsplatz) – die Grazer Traditionalisten werden aufatmen …

Gib dem Brot die Seele zurück

Der Philosoph. „Götz Werner, der Gründer von DM, hat das einmal schön gesagt: Wenn ich nicht Unternehmer geworden wäre, wäre ich wohl Philosoph – da ist schon was Wahres dran“, sagt Martin Auer. Bei einem Firmen-Slogan wie „Gib dem Brot die Seele zurück“ klingt das auch durchaus vorstellbar. „Dieser Satz gibt eben einen gewissen Korridor, einen Leitfaden vor, auf dem wir uns bewegen wollen. Er sagt auch aus, dass wir so handwerksnah wie möglich bleiben wollen. Dem Brot wurde im Zuge der Industrialisierung ja viel Seele genommen. Für uns geht es eben um die Veredelung des Konsumbedürfnisses.“

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Martin Auer ist seit mittlerweile sechs Jahren Chef des gleinachmigen Grazer Bäckerei-Unternehmens. Foto: geopho.com

 

Der Chef. 300 Mitarbeiter zählt das Unternehmen inzwischen. Alle, die neu beginnen, sitzen nach einer Eingewöhnungszeit am Arbeitsplatz im Chefbüro. „Diese Zeit nehmen sich meine Frau und ich – zum einen soll es eine Wertschätzung sein und zum anderen wollen wir natürlich auch versuchen, unsere Ideen, unsere Werte direkt zu vermitteln.“ Nach diesem Gespräch ist man dann mit den Chefs per Du. Mit der Personalsuche hat Auer übrigens keine Probleme. „Das Jammern des Unternehmertums, dass sie keine Leute finden, bringt ja nichts – du musst den Leuten was bieten. Du musst einfach der geilste Arbeitgeber sein, für den deine Mitarbeiter brennen, erst dann wird dein Unternehmen nach außen leuchten. Natürlich muss die Qualität exzellent sein, aber das alleine reicht nicht – Markenqualität, Servicequalität, Produktqualität – diese drei Parameter müssen ineinander spielen.“ Von der akutell so angesagten „Work-Life-Balance“ hält Auer wenig. „Man verbringt ja meist mehr Zeit am Arbeitsplatz als zuhause – also ist Work ja hoffentlich auch Life. Es geht eben darum, ein Umfeld zu schaffen, das für die Mitarbeiter einfach lässig ist.“

„Wir wollen Fans – keine Kunden.“

Der Visionär. Als Auer das Unternehmen vor sechs Jahren und in dritter Generation übernommen hat, gab es noch 48 Filialen – heute sind es eben 30. „Wir haben aber um 80 Prozent mehr Kunden.“ Der Weg dürfte also nicht so falsch sein. „Dabei wollen wir eigentlich gar keine Kunden im klassischen Sinn – wir wollen Fans. Der FC Barcelona würde seine Fans ja wohl auch nie als Kunden bezeichnen.“ Neue Filialen sind jedenfalls alles andere als unwahrscheinlich – ebenso wird eine neue Zentrale in naher Zukunft ein Thema werden. „Aber trotzdem ist der Größenwachstum absolut sekundär – wir müssen qualitativ wachsen. Und natürlich, am liebsten würde ich der beste Bäcker der Welt sein“, sagt der Querdenker mit einem Lächeln im Gesicht, wohl wissend, dass solche Überspitztheiten längst zu seinem Markenzeichen geworden sind. „Unsere Welt ist eben nicht logisch – sondern psychologisch …“

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