PUAs: Die Masche der Flirt-Gurus

PUAs - sie verstehen sich als die Erben von Casanova und sind überzeugt, das Geheimrezept für die Verführung aller Frauen gefunden zu haben. Auch in Österreich gibt es immer mehr Anhänger.

Macho - Cover
Sie glauben das Rezept zu kennen, bei dem alle Frauen schwach werden: PUAs Foto: sakkmesterke/iStock/Thinkstock

Als ich vor Kurzem in der Stadt unterwegs war, hat mich ein Mann im Vorbeigehen angesprochen: "Kann ich dich was fragen?". "Klar", antwortete ich und blieb zögerlich stehen. "Wie gefällt dir meine Jacke?". Ich: "Ähm, ist ganz cool." - "Danke, tschüss." Er ging, zufrieden lächelnd, ich war irritiert. Sofort schaute ich nach, ob meine Geldbörse noch da war. Ja. Ein paar Minuten später ging mir ein Licht auf: Das war ein Pick-up-Artist in Ausbildung!

Erben Casanovas

"Praxis-orientiert, geprüft und über Jahrzehnte erfolgreich angewandt" steht auf der Webseite für Österreich. "Lernen Sie aufzureißen wie die echten Casanovas in alter und neuer Form." Daneben das Bild einer blonden Frau, stark geschminkt, die lasziv in die Kamera blickt. Nach kurzem Stöbern in ­Foren ist klar: Das Interesse an der Technik ist groß – und scheinbar auch lukrativ. ­Wochenend-Seminare werden um 249 Euro angeboten.

Eskalation

Das Ziel: vollendetes Wissen über die Ver­führung der Frau zu erlangen. Einfacher ausgedrückt: Sex, von den Pick-up-Artists (PUAs) auch "Eskalation" genannt. Dabei gehen sie davon aus, dass mit der Einhaltung bestimmter Regeln nahezu ­jedes Objekt der Begierde "willig" wird. So sollen Frauen ­zunächst von ihrer Gruppe isoliert werden. Anschließend gilt es, ihren sozialen Status mit Beleidigungen herabzusetzen, die aber verwirrenderweise mit Komplimenten (z. B. "Ich mag blonde Haare. Schade, dass deine gefärbt sind") verbunden werden. Diese "Schmach" können sie dann quasi nur durch Sex mit dem PUA wieder gut machen.

Belästigungssport

Um es so weit zu bringen, muss allerdings viel trainiert werden. Es beginnt damit, so viele Frauen wie möglich auf der Straße ­anzusprechen, um Ängste zu überwinden und sich von Zurückweisungen nicht unterkriegen zu lassen. Auf ein Gespräch mit mir wollte sich allerdings kein PUA einlassen – am vereinbarten Treffpunkt wartend kassiere ich die Ab­sage: "Ich kann das doch nicht machen." Während in den Foren mit Erfolgen augenscheinlich geprahlt wird, will sich ­offiziell also niemand outen.

Selbsthilfegruppe

Die Kommunikation der Szene findet aber ohnehin vorwiegend im Internet statt. Wie sexistisch der Umgangston ist, wird deutlich, als ein "Beginner" nach der ersten Nacht mit einer Frau fragt: "Soll ich mich melden oder warten, bis sie sich meldet?" Die Antwort des "Spezialisten": "Ich bin der Mann, also führe ich." Eine Frau wird als "Cockblockerin" kategorisiert, andere in Nummern beschrieben – "HB5" oder "HB7" – je nach Attraktivitätslevel. Ein weiterer fragt: "Wie erkenne ich, dass sie mich küssen will?" Schnell wird klar, dass die PUAs auch als Selbsthilfegruppe verunsicherter Männer dient, die Richtlinien für den Umgang mit Frauen benötigen. Weil sie es alleine wohl nicht auf die Reihe bekommen.

Der Slang der PUAS

AFC: Average Frustrated Chump: jemand ohne Pick-up-Skills, der keinen "Close" schafft.

Approach: Approachen oder "ein Set eröffnen": das Ansprechen der Frau.

Close: Ein Ziel erreichen, z. B. "Number close": Man bekommt die Telefonnummer einer Frau. Das nächste Ziel wäre ein "Kiss close".

DDB: Doggy Dinner Bowl: Der Blick, den Frauen einem Mann zuwerfen, wenn sie ihn küssen wollen.

DHB: Distance Hot Babe: eine Frau, die nur aus der Ferne gut aussieht.

HB: Hot Babe, eine gut aussehende Frau.

IOI: Indicator of Interest: Die Frau ­signalisiert dem Mann Interesse.

Kinesthetic Approach: eine körperliche Berührung.

Negging: Ein Kompliment, gekoppelt an eine Beleidigung.

Orbiter: Ein Mann, der um eine Frau herumschwirrt (wie ein ­Satellit), aber nicht bei ihr landet.